Darauf müssen Sie achten!

Abnahmeverträge für Schlachtschweine sind der neue Standard. Doch gutgläubig zu unterschreiben, kann sich rächen, warnt die ISN. Sie hat die Angebote der 15 größten Unternehmen geprüft.

Mittlerweile hat wohl fast jeder Schweinemäster in Deutschland einen Liefervertrag angeboten bekommen. Erst war es der Schweinestau, dann der Start der dritten Phase der Initiative Tierwohl (ITW) und nun ist es die Hauspreispolitik, die Verträge in den Fokus rücken. Zuletzt zahlten Schlachter nämlich oft für „freie Schweine“ deutlich weniger als für Vertragstiere.

Grundsätzlich gilt, wer sich ausführlich informiert, Alternativen auslotet und Details in den Verträgen analysiert, braucht Zeit. Nur vor der Unterschrift können Sie kritische Punkte mit den Vertragspartnern besprechen und neu verhandeln. Die ISN sieht erheblichen Verhandelungsspielraum und gibt einen Überblick darüber, was es am Markt gibt und auf welche Details Sie besonders achten sollten.

Schlachtunternehmen geben ihren Verträgen sehr unterschiedliche Namen: Bei Tönnies heißt er „Liefer- und Abnahmevereinbarung“, bei Westfleisch „Vermarktungsvertrag“ und bei Vion „Good-Farming-Balance-Vertrag“. Genauso unterschiedlich wie die Namen sind auch die Regeln zur Abnahme der Schlachtschweine, die meist zu Lasten der Landwirte gestrickt sind.

Laufzeit und Kündigungsfrist

In Lieferverträgen binden sich Erzeuger in der Regel für mindestens ein Jahr an das Schlachtunternehmen sowie bei Dreiecksverträgen auch an den Viehvermarkter. Manche Verträge verlängern sich nach Ablauf automatisch um ein weiteres Jahr. Andere sind unbefristet und können frühestens nach einem Jahr gekündigt werden. Die Kündigungsfristen belaufen sich meist auf drei Monate, bei einem Vertragsgeber war jedoch eine Kündigungsfrist von einem Jahr festgeschrieben.

Empfehlung: Lange Kündigungsfristen können gefährlich sein, weil Sie als Betriebsleiter dadurch nicht kurzfristig auf neue Rahmenbedingungen oder alternative Angebote reagieren können. Achten Sie zudem auf spezielle Bestimmungen in den Anlagen. Zum Start der dritten Phase der ITW wurden Zusatzvereinbarungen angeboten, die die Abnahme von ITW-Schweinen regeln. Wenn sich Laufzeiten und Kündigungsfristen in Kernvertrag und Zusatzvereinbarung unterscheiden, kann es sein, dass Sie ihren Vertrag erst nach zwei Jahren statt einem Jahr kündigen können.

Sonderkündigungsrecht

Das Sonderkündigungsrecht aus wichtigen Gründen steht in vielen Verträgen, ist aber meist nicht näher erläutert. Das Recht auf Vertragsänderungen hat in der Regel nur das Schlachtunternehmen. Ein Beispiel dafür ist die Anpassung der Abrechnungsmaske, die der Schlachter mit einer Vorlaufzeit von meistens vier bis sechs Wochen ankündigen muss. In diesem Fall hat der Vertragsnehmer ein Sonderkündigungsrecht, welches er oder sie unverzüglich wahrnehmen müsste.

Empfehlung: Auch diese Klausel ist oft einseitig auf die Interessen der Schlachtunternehmen ausgelegt. Es gibt aber Situationen, in...