Ein deutsches ‚Beter Leven‘ könnte auch funktionieren Plus

Eine Tierwohlinitiative ist erst dann erfolgreich, wenn sie noch Jahre später am Markt ist und Geld verdient. Beter Leven ist so ein Programm. Davon ist Vion-Chef Francis Kint überzeugt.

Vion hat 2015 endlich wieder schwarze Zahlen geschrieben. Setzt sich der Aufwärtstrend in diesem Jahr fort?

Kint: 22 Mio. € Gewinn sind bei 4,6 Mrd. € Umsatz noch sehr bescheiden (siehe Übersicht 1). Ob wir diese Zahlen auch 2016 erreichen ist außerdem nicht sicher. In den Geschäftsbereichen Rindfleisch und Food Services (Anm. d. Red.: u.a. Fertiggerichte und vegetarische Produkte) erwarte ich zwar ähnliche Ergebnisse wie im Vorjahr. Im Schweinefleischbereich aber haben die hohen Einkaufspreise den Markt im Sommer bestimmt. Das war nicht immer einfach für die Fleischunternehmen. Auf der anderen Seite hatten wir einen starken Markt in China.

Drohen Verluste im Schweinebereich?

Kint: Nein, ob wir aber das Vorjahresergebnis wieder erreichen, hängt vom letzten Quartal ab.

Im Jahr 2015 hat Vion knapp 9 Mio. Schweine in Deutschland geschlachtet. Fast 2 Mio. weniger als 2010. Wo landen Sie in diesem Jahr?

Kint: Wir sind stabil. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir in diesem Zeitraum eine ganze Reihe von Standorten geschlossen haben. Menge und Umsatz sind auch nicht unser Hauptziel, sondern die optimale Verwertung der Schlachtkörper mit entsprechender Wertschöpfung.

Wie sieht es bei den Rindern aus?

Kint: Da laufen die Geschäfte auch sehr konstant. In diesem Jahr haben wir bedingt durch die Milchpreiskrise allerdings deutlich mehr Schlachtkühe bekommen.

Wie werden sich die Preise in den kommenden Monaten entwickeln?

Kint: Ich bin kein Hellseher. Was wir einigermaßen zuverlässig vorhersagen können, ist das Schlachttierangebot. Das scheint in den kommenden Monaten nicht kleiner zu werden.

Ihre Mitbewerber auf dem deutschen Markt ordnen die Strukturen ihres Schlachtvieheinkaufs neu. Sehen Sie für Vion auch Änderungsbedarf?

Kint: Nein. Wir erfassen einen Teil unserer Schlachttiere selbst und einen Teil kaufen wir von Genossenschaften und Viehhändlern zu. Das passt so.

Gilt das auch für die Preisfindung? In den Niederlanden testen Sie einen Vier-Wochen-Preis für Schlachtschweine.

Kint: Das stimmt. Wir wollen damit die starken Preisschwankungen auf dem Schweinemarkt glätten. Sie schwächen unsere Wettbewerbsfähigkeit im Export.

Was hat denn der Bauer von einer Preisglättung?

Kint: Wenn die Amerikaner und Brasilianer auf dem asiatischen Markt Kontrakte abschließen, die erst in drei oder vier Monaten starten, können wir nur schwer mithalten, weil wir gar nicht wissen, wo wir dann preislich liegen. Wenn wir deshalb am Ende nicht zum Zug kommen, ist das auch für die Bauern ein Problem. Ich habe den Eindruck, dass wir viele Bauern damit überzeugen können.

Wie stehen Sie zu einer obligatorischen Herkunftskennzeichnung?

Kint: Eine verpflichtende Angabe des Herkunftslandes geht zu weit. Die Kennzeichnung als EU-Ware reicht völlig aus. Das heißt natürlich nicht, dass wir gegen regionale Initiativen sind, wenn sie vom Markt kommen und auf Freiwilligkeit basieren.

Sie kennen sowohl den deutschen als auch den niederländischen Markt sehr gut. Gibt es grundlegende Unterschiede?

Kint: Die Märkte sind für uns kaum vergleichbar. In den Niederlanden hat Vion bei Schweinefleisch einen Marktanteil von fast 45%. Das erleichtert die Inlands-Vermarktung natürlich. Gleichzeitig müssen wir aber zwei Drittel unserer Produktion exportieren. Alle niederländischen Betriebe haben deshalb z.B. die China-Zulassung. Unsere deutschen Standorte sind stärker auf den Inlandsmarkt ausgerichtet, weil wir es dort mit einem viel größeren Volumen zu tun haben.

Wie sieht Ihre Strategie im Export aus?

Kint: Unser Anspruch ist es, die weltweit sehr unterschiedlichen Märkte individuell zu bedienen und dabei die beste Wertschöpfung für uns herauszuholen. So liefern wir z.B. Bacon nach Großbritannien und Bäuche nach Korea. Unsere 16 Verkaufskontore in der Welt sorgen dafür, dass wir nicht zu...


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