Geflügel – wer bedient die steigende Nachfrage?

Der Geflügelmarkt hat nach wie vor Potenzial, denn die Nachfrage steigt stetig. Allerdings sorgen sich deutsche Mäster derzeit um ihre Zukunft. Was läuft gut, wo hakt es?

Viele deutsche Geflügelmäster machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Denn kaum flacht die Coronakrise etwas ab und die Schlachterlöse steigen, machen horrende Futterpreise die Hoffnung auf den Sprung in die Gewinnzone wieder zunichte. Aber das ist nicht das einzige Problem: Etliche Betriebe können sich aufgrund von immer schärferen Vorschriften nicht weiterentwickeln. Gibt es dennoch Perspektiven?

Geflügel ist besser gefragt

Die Fleischnachfrage ging in Deutschland im vergangenen Jahr zwar erneut zurück. Insgesamt wurden je Bundesbürger 84,5 kg verbraucht, also 1 kg weniger als im Vorjahr. Auf dem Teller landeten davon 57,3 kg (-0,8 kg zum Vj.). Eindeutiger Verlierer bei der Entwicklung ist aber das Schweinefleisch. Beim Geflügel setzte sich hingegen der langjährige, recht positive Trend fort (vgl. Übersicht 1). Der Pro-Kopf-Verbrauch stieg auf 22,3 kg. Den größten Anteil daran hatte Hähnchenfleisch mit 15,5 kg/Kopf (+0,4 kg). Putenfleisch stagnierte bei 5,8 kg je Einwohner.

Und damit dürfte das Ende der Fahnenstange beim Geflügel längst noch nicht erreicht sein. Es passt in eine moderne und bewusste Ernährung. Denn es enthält viel Eiweiß mit einer hohen biologischen Wertigkeit und wenig Fett. Hinzu kommt ein wichtiger Umweltaspekt: Masthähnchen besitzen eine hervorragende Futterverwertung von rund 1,6 kg Futter je kg Zuwachs. Dadurch kann mit geringem Einsatz ein hochwertiges Lebensmittel erzeugt werden.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass der Geflügelfleischverbrauch bis zum Jahr 2030 um weitere 1,3 kg auf 24,6 kg steigen wird. Dieser Markt hat also weiterhin viel Potenzial und bietet auf den ersten Blick auch hiesigen Produzenten attraktive Perspektiven. Leider zeigen sich auf den zweiten Blick jedoch Haken und Ösen, die Landwirten das Leben schwer machen könnten, die in diesen Betriebszweig einsteigen oder ihre vorhandenen Mastkapazitäten ausweiten wollen.

Konkurrenz in der EU nimmt zu

Auch andere Geflügelhalter der EU stehen in den Startlöchern, um sich ein gutes Stück von dem attraktiven Geflügelmarkt zu sichern. Noch ist davon nicht viel zu spüren. Die EU-Geflügelbestände in der EU haben sich vom letzten Seuchenzug der Aviären Influenza noch nicht erholt. Außerdem haben etliche Mäster wegen des coronabedingten Nachfrageeinbruchs bei Geflügelfleisch ihre Produktion gedrosselt.

Im ersten Halbjahr 2021 wurde das Vorjahresniveau um 4,7% unterschritten. Die größten Rückgänge verzeichneten die Niederlande mit -17% und Polen mit -8,6%. Insgesamt erwartet Brüssel im laufenden Jahr in der Gemeinschaft einen Rückgang der Geflügelfleischproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 0,9%, für 2022 aber eine Produktionssteigerung um 1%.

Das könnte zum Problem werden, falls die EU die Geflügelfleischexporte nicht wieder deutlich steigern kann. Wegen der Geflügelpest gab bzw. gibt es massive Ausfuhrbeschränkungen. Deshalb sieht die Kommission das Exportvolumen im Jahr 2021 rund 5% unter der Vorjahresmenge. Erst 2022 dürften sich die Zahlen wieder normalisieren, sofern die Geflügelpest weniger stark grassiert als in der Vorsaison. Ein Selbstläufer wird der Export aber nicht.

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