Was einlagern, was zügig verkaufen?

Kurz vor der neuen Getreideernte stehen die Preissignale nicht gerade auf steigend. Das Angebot soll deutlich zunehmen. Allerdings hat 2018/19 gezeigt: Erntemengen sind nur die halbe Wahrheit.

Theorie und Praxis: Vor einem Jahr waren die meisten Analysten fast sicher, dass sich die Einlagerung der Getreideernte 2018 lohnen würde. Schließlich waren die Erträge in vielen wichtigen Erzeugungsregionen auf dem Halm regelrecht verdorrt. Landwirte sollten mit dem Verkauf ruhig warten, hieß es. Viele Praktiker sahen das anders und verkauften den Großteil ihrer Ernte zeitnah. Damit lagen sie absolut richtig (siehe Zusatzinfo „Strategie“, Seite 108 unten). Lagern hat sich 2018/19 nicht gelohnt. Die große Frage ist jetzt allerdings: Welche Vermarktungsstrategie ist die richtige für 2019/20?

Das Angebot wird größer

Zügig verkaufen oder abwarten: Das hängt in erster Linie von den Preisen ab, die Ihnen geboten werden. Je stärker diese kurz vor und in der Ernte einbrechen – weil Erfasser aus dem Vollen schöpfen können und die Kurse massiv drücken – desto wahrscheinlicher gibt es später Luft nach oben. Diese bleibt jedoch dünn, wenn wie 2018 schon früh attraktive Erlöse geboten werden.

Davon kann aus Sicht vieler Erzeuger derzeit allerdings keine Rede sein. Nach einer kurzen Erholung haben die Preise (siehe Übersicht rechts) zuletzt wieder nachgegeben. Selbst Skeptiker gehen davon aus, dass die Ernte 2019 deutlich größer ausfallen wird als die vorherige. Von einem Überangebot könne allerdings keine Rede sein, sagen Analysten.

In der Tat. Der internationale Getreiderat (IGC) erwartet in der neuen Saison eine globale Ernte von insgesamt 2,177 Mrd. t Getreide (ohne Reis). Das wäre ein Plus von 39 Mio. t gegenüber 2018/19. Den Bedarf beziffert der IGC aber sogar auf 2,192 Mrd. t (+26 Mio. t), und die Vorräte sinken bis Mitte 2020 auf 602 Mio. t (-15 Mio. t). Einen erheblichen Teil davon bunkert zudem China, das damit vor allem die eigene Versorgung sichert. Die greifbaren Mengen sind also noch kleiner als sie auf den ersten Blick erscheinen, außerdem ergeben sich je nach Getreideart unterschiedliche Versorgungssalden.

Die Weizenernte steigt laut IGC um 33 Mio. t auf 766 Mio. t. Die USA sollen die Vorjahresmengen...


Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen