„Wir müssen die Initiative Tierwohl weiterentwickeln!“ Plus

Streit ums Geld und viele Betriebe auf der Warteliste: Die Initiative Tierwohl ist auf einem richtigen, aber noch holprigen Weg. Neue Regeln sollen diesen für die Zeit ab 2018 glätten, sagt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Trägergesellschaft.

In den vergangenen Monaten hat es mächtig geknirscht zwischen den Partnern der Initiative Tierwohl (ITW). Arbeiten Sie noch konstruktiv zusammen?

Hinrichs: Das tun wir. Die Partner haben aber unterschiedliche Vorstellungen, die wir durch Diskussionen zusammenbringen können. Uns eint dabei das gemeinsame Ziel der Brancheninitiative.

Jetzt sollen Betriebe von der Warteliste nachrücken. Wie viele genau?

Hinrichs: Es rücken 259 Schweinehalter, 206 Hähnchenhalter und 73 Putenhalter nach. Das ist möglich, weil wir beim Aufbau unserer Verwaltung sparsam waren und einen weiteren Partner aus dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) gewinnen konnten. Außerdem haben nicht alle Betriebe das Audit bestanden. Dafür rücken andere Betriebe nach.

Wie viele Betriebe warten jetzt noch?

Hinrichs: Die Liste für die deutschen Geflügelhalter ist damit geräumt. Es wartet nur noch eine kleinere Zahl ausländischer Hähnchen- und Putenhalter auf eine Teilnahme an der ITW. Leider stehen immer noch gut 2000 Schweinehalter auf der Warteliste.

Die Warteliste ließe sich räumen, wenn der LEH seinen Beitrag auf 8 ct pro kg Fleisch verdoppeln würde? Angesichts der zuletzt verbesserten Handelsmargen müsste das doch möglich sein, oder?

Hinrichs: Es gibt gültige Verträge, die mit den Partnern des LEH vereinbart wurden und denen auch die grüne Seite zugestimmt hat. Diese beinhalten einen Betrag von 4 ct pro im Handel verkauftem kg Fleisch. Dieser Betrag ist gewählt worden, um die preisliche Differenzierung zwischen teilnehmenden Händlern und denen, die sich verweigern, nicht zu groß werden zu lassen. Sonst drohen Marktverzerrungen. Im Zuge der Weiterentwicklung prüfen wir zwar auch eine Entgelterhöhung. Dafür gibt es aber Grenzen.

Es heißt, vor allem die Edeka bremse die Anhebung der Tierwohlbeiträge aus.

Hinrichs: Es ist nicht gerechtfertigt, einen einzelnen Partner herauszuheben. Wichtig ist es, die Initiative in einer Form weiterzuentwickeln, die für alle machbar ist. Stand heute wird es bis Ende 2017 aber wohl keine Aufstockung der Gelder geben.

Was tun Sie alternativ, um die Finanzierungsbasis der ITW zu verbreitern?

Hinrichs: Wir suchen nach neuen Partnern. Derzeit sprechen wir mit Unternehmen der Systemgastronomie und weiteren Unternehmen des LEH. Außerdem prüfen wir, die Bemessungsgrundlage für die Entgeltzahlung zu erweitern. Derzeit wird z.B. Bioschweinefleisch noch gar nicht berücksichtigt.

Wann rücken weitere Betriebe nach?

Hinrichs: Immer, wenn Geld zur Verfügung steht, können Landwirte zum neuen Quartal nachrücken.

Viele Betriebe hatten bereits ein zweites Audit. Gab es Beanstandungen?

Hinrichs: Kaum. Bislang gab es 1404 sogenannte Bestätigungsaudits bei Schweinehaltern. Die Anzahl der Beanstandungen war mit ca. 0,7% gering. Hierbei wurden in den meisten Fällen Grundanforderungen nicht eingehalten. Wer die Kriterien nicht einhält, verliert sofort seinen Auszahlungsanspruch, fliegt aus dem System und muss die bisher erhaltenen Zahlungen zurückerstatten.

Die ITW ist beim Verbraucher relativ unbekannt. Seit April kann der Handel auf Verpackungen und an Bedientheken für die Initiative werben. Wird er die neuen Möglichkeiten nutzen?

Hinrichs: Ja, der erste Händler ist damit bereits auf dem Markt – andere werden folgen. Wir sind gespannt,...

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