Agravis

Agravis sieht sich solide im Markt unterwegs

Bei Agravis sind die Umsätze stabil, aber die Kartellbuße drückt das Ergebnis vor Steuern ins Minus.

Die Agravis Raiffeisen AG hat nach eigenen Angaben auch im zweiten Dürrejahr hintereinander umsatzmäßig solide Ergebnisse erreicht. So das Fazit während der virtuellen Bilanzpressekonferenz am 25. März 2020. „Operativ waren wir als Agravis gut im Markt unterwegs, wie der Umsatz von rund 6,5 Mrd. Euro zeigt. Damit haben wir unser geplantes Umsatzziel erreicht. Ermöglicht haben dies unsere Vertriebsstärke, unsere Marktkenntnis, unsere Kundennähe und das Know-how der rund 6.500 Mitarbeiter, die einen guten Job gemacht haben“, bilanzierte Agravis-Vorstandschef Dr. Dirk Köckler.

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Die aktuellen Agravis-Kennzahlen (Bildquelle: Agravis)

Kartellstrafe belastet das Ergebnis stark

Das Ergebnis vor Steuern liegt aber durch Einmal-Belastungen wegen einer Kartellbuße bei minus 20,5 Mio. Euro. „Ganz bewusst haben wir uns nach umfangreicher juristischer Analyse und in voller Übereinstimmung mit dem Aufsichtsrat Ende 2019 dazu entschieden, das Kartellverfahren wegen des Vorwurfs von Preisabsprachen im Pflanzenschutz außergerichtlich und einvernehmlich zu beenden. Diese Einigung war mit einer Bußgeldzahlung in Höhe von 43,7 Mio. Euro verbunden. Diese Summe ist schmerzlich. Sie führt dazu, dass wir das Geschäftsjahr 2019 mit einem Verlust vor Steuern von 20,5 Mio. Euro abschließen“, so Dr. Köckler weiter. Er betonte allerdings auch, dass die Agravis Raiffeisen AG solide aufgestellt sei, über Reserven und eine ausreichende Eigenkapitalausstattung verfüge. Das Bußgeld sei mit dem Geschäftsabschluss 2019 vollständig verarbeitet. Der Schlussstrich sei gezogen.“ „Wir planen für 2020 mit einer soliden und stabilen Umsatzentwicklung und einem Ergebnis vor Steuern, das bei 30,2 Mio. Euro liegt“, erläuterte Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff. Um diese Ziele zu erreichen, hat sich der Konzern eine klare Weiterentwicklung verordnet.

Veränderungen angeschoben

„Agravis hat den Anspruch, ein profitables, dauerhaft dividendenfähiges Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen zu sein, das in der Lage ist, Gewinne zu thesaurieren“, so formulierte es der Vorstandsvorsitzende und stellte auch sofort den Weg dahin klar. „Wir haben in neuer Besetzung im Vorstand gemeinsam mit dem Aufsichtsrat und dem Führungskreis Weichen klar und konkret gestellt, an vielen Stellen bereits Veränderungen angeschoben und umgesetzt. Als Lösungsgeber und Innovationstreiber verstehen wir uns als das marktrelevante Agrarhandelsunternehmen mit dem Schwerpunktmarkt in Deutschland.“

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Agravis-Mischfutterproduktion (Bildquelle: Agravis)

Die Agravis setze diesen Weg konsequent um, wie Dr. Köckler an Beispielen klar machte. So werden aktuell die drei bisher eigenständigen Vertriebsgesellschaften Agravis Mischfutter Westfalen GmbH, Agravis Mischfutter Emsland GmbH und Agravis Futtermittel Rhein-Main GmbH zum 1. April 2020 zusammengeführt. Die neue Vertriebsgesellschaft wird den Namen Agravis Mischfutter West GmbH tragen. Der Markt für Mischfutter und Spezialfutter sei geprägt von Überkapazitäten. Darüber hinaus wisse man, dass die Tierzahlen nicht weiter steigen, sondern eher sinken, und der Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten in den kommenden Jahren rückläufig sein werde. „Darauf müssen wir uns frühzeitig einstellen – gemeinsam im genossenschaftlichen Verbund“, so Köckler.

Ab Januar 2021 wird die Agravis im Osten der Republik als Agravis Ost auftreten und nicht mehr mit vier einzelnen Gesellschaften. „Wir sind damit auch im Osten Deutschlands als DER Agrarhändler sichtbar, arbeiten in schlanken Strukturen, aber mit maximaler Kundennähe und Kompetenz“, so Dr. Köckler. Aber auch das Wachstum habe man nicht aus den Augen verloren. Dazu gehört eine hohe Investitionsbereitschaft. Nach 47 Mio. Euro im schwierigen 2019 will Agrarvis im Jahr 2020 rund 49 Mio. Euro in die Standortqualität, in Leistungsfähigkeit, in Kundennähe investieren. Für Investitionen in die Digitalisierung sind über 10 Mio. Euro eingeplant.“ Dr. Köckler machte aber deutlich: „Digital ersetzt nicht das klassische Geschäftsmodell bei uns, sondern digital und klassischer Agrarhandel ergänzen sich.“

Corona ist eine Herausforderung mit offenem Ausgang

Gedämpft wird die generelle Zuversicht bei der Agravis durch die Auswirkungen der aktuellen Corona-Pandemie. „Corona ist natürlich auch für uns neu und eine Herausforderung mit noch offenem Ausgang. Die klaren Weichenstellungen durch die Trennung von Arbeitsbereichen, Nutzung von Homeoffice-Lösungen, und, und, und, helfen uns, den Geschäftsbetrieb in vollem Umfang, aber mit deutlich erhöhtem Aufwand fortzuführen. Agravis versucht, mit erheblichen Mehrkosten aufwendige Logistikketten aufrechtzuerhalten, und setzt auf die Entschädigungszusagen der Politik. In der Summe sei die Lage für die Agravis mit rund 6.500 Mitarbeitern und 400 Standorten bei einer starken nationalen Ausrichtung des Geschäftes bis dato noch beherrschbar, aber die Situation sei auch täglich, manchmal sogar stündlich neu zu bewerten. „Unser vorsichtiges Risiko-Management hat uns bis dato vor starken Verlusten. Für die kommenden Wochen konzentrieren wir uns allerdings mit aller Kraft auf die vor uns stehenden Anforderungen, um die Geschäftsabläufe weiter aufrechtzuerhalten“, so Dr. Köckler. Welche Folgen die Corona-Pandemie dann am Ende für die regionale, nationale und sogar weltweite Wirtschaft haben wird, bleibe abzuwarten. Corona zwinge aber, Dinge neu zu denken und umzusetzen – und auch die regionale Lebensmittelerzeugung wieder in den Fokus zu rücken.“

Die Agravis Raiffeisen AG ist ein modernes Agrarhandelsunternehmen in den Segmenten Agrarerzeugnisse, Tierernährung, Pflanzenbau und Agrartechnik. Sie agiert zudem in den Bereichen Energie und Raiffeisen-Märkte einschließlich Baustoffhandlungen sowie im Projektbau. Die Agravis-Gruppe erwirtschaftet mit rund 6.500 Mitarbeitern 6,5 Mrd. Euro Umsatz und ist als ein führendes Unternehmen der Branche mit mehr als 400 Standorten überwiegend in Deutschland tätig. Internationale Aktivitäten bestehen über Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in mehr als 20 Ländern und Exportaktivitäten in mehr als 100 Ländern weltweit. Unternehmenssitze sind Hannover und Münster.


Diskussionen zum Artikel

von Heinrich Albo

Wer trägt jetzt die Konsequenzen..

für die 43,7 Mio.€ Bußgeldzahlung? Wer wird gefeuert! Wer bekommt Gehaltsabzug? Wie werden die eigenen Genossen bzw. die Bauern entschädigt die man betrogen hat ? So etwas kann nur passieren wenn durch unsinnige Fusionen die Unternehmensführung zu mächtig wird bzw. der Wasserkopf ... mehr anzeigen

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