Mercosur-Freihandel

Autos gegen Agrar: Opfert Brüssel die Bauern? Premium

Während sich die Industrie freut, ärgern sich Agrarverbände: Wie gefährlich ist das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten für die EU-Agrarmärkte?

Unser Autor: Heribert Breker, Landwirtschaftskammer NRW

Nach 20 Jahren Verhandlungsdauer haben EU und die Mercosur-Länder ein vorläufiges Freihandelsabkommen zur Ratifizierung vorgelegt. Das Ziel: Weitgehend zollfreier bzw. zollbegünstigter Warenaustausch zwischen den Vertragspartnern mit rund 260 Mio. Menschen in Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay und den mehr als 500 Mio. Verbrauchern in der EU.

Die Mercosur-Staaten verpflichten sich, die Zölle auf Autos, Maschinen und Maschinenteile aus der EU zu streichen und auf Pharmaprodukte deutlich zu senken. Ingesamt sollen die europäischen Exporteure jedes Jahr rund vier Milliarden Euro an Zöllen einsparen. Kein Wunder, dass sich die hiesigen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen die Hände reiben.

Landwirtschaft verkauft?

Die Zugeständnisse erkaufte sich Brüssel vor allem durch Zollerleichterungen bei den Agrarprodukten. Dabei handelt es sich vornehmlich um Importe von Rind-, Schweine-, Geflügelfleisch, Zucker und Bioethanol. Die zollbegünstigten Einfuhrmengen aus Mercosur sind dabei grundsätzlich kontingentiert. Die Übergangsfristen für die Zollerleichterungen reichen von sechs bis 15 Jahren.

Streit gab es während der Verhandlungen vor allem beim Rindfleisch. Die Mercosur-Staaten haben im Durchschnitt der letzten drei Jahre insgesamt rund 230000 t Rindfleisch in die EU geliefert. Der Löwenanteil von gut 180000 t ist nicht zollbegünstigt mit 12,8% Wertzoll plus 2,21 €/kg pauschal in die Gemeinschaft gekommen.

Ein Beispiel: Bei einem Preis frei Einfuhrhafen von 3,50 €/kg + 0,45 €/kg Wertzoll +2,21 €/kg errechnet sich ein Mindesteinfuhrpreis von 6,16 €/kg. Das rechnet sich nur für höherwertiges Rindfleisch.

Daneben gibt es schon seit langem ein zollbegünstigtes Einfuhrkontingent für die Mercosur-Staaten von 55000 t mit 40 bis 45% Wertzoll. Das nutzen die Südamerikaner vor allem für hochwertige Ware (Hilton Beef).

Folgen für den EU-Markt

Tritt das neue Abkommen in Kraft, können künftig 99000 t Rindfleisch – ...

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Wagyu-Rind für 41.000 € verkauft

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Andreas Beckhove

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerd Ulken

Mercosur

Wir werden nicht geopfert,- wir sind schon immer Opfer gewesen ,seid es Discounter gibt u so ein paar wild gewordene Grüne gibt. Die Rahmenbedingungen passen schon lange nicht mehr u die verlässlichkeit der Politiker ist gleich null komma null .

von Walter Rothenbacher

Armes Deutschland

Wir wissen es doch schon länger wir Bauern werden für die Industrie geopfert. An allem sind doch wir Bauern schuld. Beim Insektensterben, bei der Luftverschmutzung, beim Nitrateintrag ins Grundwasser obwohl doch bei alle Kläranlagen die Brühe Bergab ins Grundwasser fliest. Die Eisenbahn darf ungehindert Clyfosfat ins in den Gleisschotter spritzen obwohl bei Niederschlägen es sofort ins Grundwasser gelangt. Mir als Landwirt reicht es so langsam.

von Heribert Breker

Die Fleischmärkte änder sich

In welcher Größenordnung eine Mengensteigerung Auswirkungen auf das Preisniveau ausüben wird, ist schwierig zu quantifizieren. Es kommt entscheidend darauf an, in welcher Verfassung der Markt sich befindet. Im Falle von ohnehin schon nachgebenden Kursen wirken selbst kleine zusätzlichen Mengen stärker als im Falle stabiler oder steigender Preise. Für die kommenden Jahre 2020 bis 2025 ist für die EU nicht von den gegenwärtigen Tiefpreisen auszugehen, sondern eher von anziehenden Kursen. Die Begründung liegt einmal darin, dass nach dem Effekt der Milchquotenaufgabe die Milchkuhbestände wieder EU-weit zurückgehen und damit das Kälberpotenzial. Der ausschlaggebende Grund ist aber im chinesischen Importverhalten zu sehen. China wird aufgrund der ASP 30 bis 50 % seiner Schweinefleischerzeugung einbüßen, das sind rd. 13 bis 15 Mio. t Schweinefleisch. Auf Weltebene werden bisher nur 8,5 Mio. t umgeschlagen. Die Chinesen versuchen mehr Geflügelfleisch zu produzieren bzw. einzuführen. Das Handicap besteht jedoch im Geflügelvirus, das auch für den Menschen gefährlich sein kann. Daher ist schon jetzt festzustellen, dass die Rindfleischeinfuhren verdreifacht haben. Bei hohen Schweinepreisen von über 4 €/kg wird Rindfleisch wettbewerbsfähiger. Und das Fleisch ist lager- und transportfähig. Die internationalen Fleischpreise sind auf dem Weg nach oben und werden für die kommenden Jahre hoch bleiben. Der Streit der Chinesen mit USA und Kanada führt dazu, dass große Exporteure weitgehend ausgeschaltet sind. Für den Schweinebereich bleiben nur die EU (3 – 4 Mio. t Exportkapazität) und Brasilien (0,8 Mio. t) ggfs. später mal Russland. (0,25 Mio. t) Nach Lage der Dinge rechnet die Fachwelt mit 5 bis 7 Jahren, bevor China seine Eigenerzeugung wieder im Griff hat. Aber die Produktion wird anders aussehen als in der Vergangenheit, statt 50 % Hinterhof- und Kleinhaltungen werden Haltungseinheiten im industriellen Maßstab vorherrschen. Und die Chinesen stellen auf Rindfleischimporte um. Die Eigenerzeugung bleibt niedrig. Die Überversorgung der EU mit Rindfleisch ist in den letzten Jahren ständig gesunken. Zwischenzeitlich war die EU kurzfristig sogar Netto-Importeur. Aber seit dem Importembargo Russlands hat sich Blatt wieder ein wenig gewendet, ohne jedoch das frühere Niveau wieder zu erreichen. Die aktuellen niedrigen Rindfleischpreise sind das Ergebnis der Aufstockung der Milchkühe nach dem Ende der Quotenregelung. Dabei haben insbesondere Polen und Irland zweistellige Wachstumsraten aufzuweisen. Die Folge ist eine Flut von Kälbern, die auf den Markt drängen. Aus Polen kann man fertige Rinderviertel für weniger als 3,85 €/kg kaufen. In Sachen Kontrolleffizienz besteht Übereinstimmung. Die Zertifikate brasilianischer Behörden zur Einhaltung von Produktionsstandards sind hinterfragenswert. In Sachen mengenmäßiger Einfuhr wird bei den Zollämtern jedoch genau Buch geführt. Da gibt es kein Vertun. In Sachen Produktionsstandards allerdings ist eine breite Interpretationsmöglichkeit vorhanden. Deutsche Verhältnisse sind nicht einfach auf Brasilien zu übertragen.

von Heribert Breker

Die Fleischmärkte verändern sich

von Heribert Breker

Es wird nicht so heiss gegessen wie es gek . . . . .

Die aktuellen Rindfleischpreise in den Mercosurstaaten sind sehr unterschieddlich Sie reichen von 220 € 100 kg in Argentinien bis 430 €

von Karlheinz Gruber

Und wer sagt

das die jetzigen Mengen nicht einfach in ein paar Jahren erhöht werden, weil bei uns die Industrie immer schlechter läuft.... von den Standardunterschieden dorten und bei uns ganz zu schweigen. Die Frage ist eigentlich nur, gelten dann dort die dortigen Autostandards oder kann unsere Industrie dann die Schummelsoftware dort hin verkaufen.....

von Willy Toft

Wenn es Hart auf Hart kommt, wird der Bauer hier geopfert!

Wir bekommen den Markt schon jetzt hier mit der Aussage, dass bald noch mehr Fleisch aus Südamerika kommt, schon durcheinander, und der Preisdruck setzt ein! Damit die Autoindustrie dorthin, mit Schuldverschreibungen(Garantien für die Exporteure) unseres Staates, liefern dürfen! Hier wird bei uns alles geopfert, was dem entgegen steht! Da kann man mal den Stellenwert in der Politik sehen, wo die Landwirtschaft heute steht!

von Rudolf Rößle

Börse

wie bei Milch und Zucker nähern sich die Weltmarktpreise an. Nur bei starkem Produktionsdefizit gibt es Preisspielraum nach oben. Bei der Milch bräuchten wir auch eine Preisdifferenz von wenigstens 8 Cent gegenüber Neuseeland. Wie wäre es mit einem Fair Trade Siegel auch für Europäische Waren.

von Hans Nagl

Herr Breker !!!

Das wichtigste Vergessen wie ist das Preisniveau für Rindfleisch in den Mercosur Länder . Den auch eine kleine Menge billig Ware kann den Preis negativ beeinflussen. Aber sie haben ja sicher ein Festgehalt.

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