Konzernkrise

BaFin prüft K+S-Jahresabschluss nach – Aktie fällt um 14 %

Die Finanzaufsicht BaFin vermutet Fehler bei den Abschreibungen des K+S-Konzerns und dem Verkauf der kanadischen Kalimine. Seit 2008 ist die K+S-Aktie um 90 % eingebrochen.

Der Kasseler Salz- und Düngerkonzern K+S kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Nun berichtet die Tagesschau, dass die Finanzaufsicht BaFin den Jahresabschluss 2019 und den Halbjahresbericht 2020 des Unternehmens erneut prüfen lässt. Es geht um den Verdacht, dass eine Abschreibung von 2 Mrd. € auf eine Kalimine in Kanada womöglich zu niedrig ausgefallen sein könnte.

Die Anleger reagierten verunsichert, der Kurs rutschte um 14 % ab und lag auf dem Niveau von vor 15 Jahren, so die Tagesschau weiter. Die Rede ist von Managementfehlern, Überkapazitäten auf dem Kalimarkt und wachsenden Umweltauflagen, die K+S zum Verhängnis geworden seien. Seit dem höchsten Kurs 2008 sei die Aktie bis jetzt um 90 % eingebrochen, was einem Wertverlust von 1,5 Mrd. € entspreche, heißt es.

Einer der Gründe sollen gut 3 Mrd. € sein, die das MDAX-Unternehmen in den Aufbau einer Kalimine in Kanada steckte. Zu Betriebsstart 2017 sei der Kalipreis dann am Boden gewesen. Zudem seien die Produktionskosten höher als der Verkaufspreis. Gleichzeitig sei die Verschuldung von K+S auf 4,4 Mrd. € gestiegen, so die Tagesschau weiter.

Bereits 2006 sei K+S mit der Übernahme des größten südamerikanischen Salzproduzenten Sociedad Punta de Lobos (SPL) und drei Jahre später mit dem Kauf der amerikanischen Firma Morton Salt zur weltweiten Nummer eins in dem Geschäft aufgestiegen. Doch auch diese Investitionen hätten nicht den erhofften Erfolg gebracht, auch weil die Winter in Folge des Klimawandels immer milder wurden und Streusalz in den vorhandenen Mengen nicht benötigt wurde.

2015 habe dann der kanadische Konkurrent Potash den Kasselern ein Übernahmeangebot gemacht. Die Kanadier hatten 41 € je K+S-Aktie geboten, 40 % mehr als der letzte Preis vor Bekanntgabe der Offerte. Gemessen am 2014 erzielten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen hätte der kanadische Konzern damit gut das Achtfache gezahlt. Die Deutschen schlugen aus, was Experten aus heutiger Sicht als irreparablen Irrtum werten, so die Tagesschau.

Im März 2020 musste der Kasseler Konzern dann den kompletten Verkauf seines Salz-Geschäfts in Nord- und Südamerika um die Marke Morton Salt für 3,2 Mrd. Dollar verkünden. Übrig bleibt nur das viel kleinere Salzgeschäft in Europa, das zuletzt auf einen Umsatz von 400 Mio. € kam. Das amerikanische Geschäft erwirtschaftete einen Umsatz von 1,5 Mrd. € und ein operatives Ergebnis von 230 Mio. Der Verkauf war nötig geworden, weil es K+S nicht gelang, die Verschuldung wie geplant abzubauen.

Mit dem Fokus auf das Kaligeschäft begibt sich K+S Experten zufolge in die Abhängigkeit vom stark schwankenden Düngermarkt. Mit dem Verkauf des Salzgeschäfts falle ein eher verlässlicher Gewinnbringer weg. Und nun komme auch noch die Finanzaufsicht BaFin mit ihrer Vermutung, dass K+S die Abschreibungen möglicherweise schon deutlich früher hätte vornehmen müssen. Doch auch die Höhe der Abschreibungen sei möglicherweise nicht korrekt ermittelt worden. Sollten sich die Vorwürfe als zutreffend erweisen, wäre dies ein weiterer, schwerer Schlag für das Unternehmen.


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