Kritik

Brasilien wirft Industrieländern unfaires Verhalten vor

Brasilien schätzt seine Agrar-Zukunft als sehr erfolgreich ein, beschwert sich aber über EU-Subventionen für heimische Ware sowie Handelssperren für brasilianische Produkte nach Europa.

Brasilien hat die Agrarpolitik vieler Industrieländer erneut als unfair und schädlich für die Entwicklung einer innovativen Agrarwirtschaft in weniger entwickelten Staaten kritisiert. Brasiliens Landwirtschaftsministerin Tereza Cristina da Costas Días beklagte, dass sich die Industrieländer im globalen Handel unlauter verhielten.

Neben Subventionen für heimische Ware schade vor allem die Verweigerung des Zugangs zu wichtigen Verbrauchermärkten der Entwicklung der Agrarwirtschaft in anderen Staaten und damit auch der Ernährungssicherheit und dem Umweltschutz. „Einige entwickelte Länder geben wissenschaftsbasierte Prinzipien bei der Regulierung der Lebensmittelproduktion und des -handels auf“, etwa um Forderungen von Interessengruppen zu bedienen, erklärte die Ministerin. Das sei kontraproduktiv im Hinblick auf die Chancengleichheit im Welthandel.

Brasilien hatte bereits in diesem Sommer eine Erklärung von insgesamt 16 wichtigen Staaten der Welthandelsorganisation (WTO) mitunterzeichnet, in der heftige Kritik an den Vorgaben den EU-Pflanzenschutzvorgaben geübt wurde. Brüssel solle seinen Ansatz für Produktzulassungen überdenken, international anerkannte Methoden zur Festlegung von Toleranzgrenzen für potenziell schädliche Inhaltsstoffe anwenden und die „unnötige und unangemessene“ Beschränkung des Handels einstellen, hieß es in dem Papier.

Deutlich mehr Sojabohnen

Auch die Zukunft der heimischen Agrarwirtschaft wird in Brasília positiv beurteilt. Wie aus kürzlich vorgelegten Berechnungen des dortigen Landwirtschaftsministeriums hervorgeht, wird sich die brasilianische Agrarproduktion in den kommenden zehn Jahren sowohl in der Produktion als auch im Export voraussichtlich weiter dynamisch entwickeln.

Den Modellberechnungen zufolge, die auf Basis von Zeitreihenzahlen seit dem Jahr 1994 erstellt wurden, wird zu den Hauptantriebskräften dafür die Sojabohnenproduktion gehören. Diese wird sich in dem südamerikanischen Land den Vorhersagen zufolge bis 2028/29 gegenüber 2018/19 um 33 % auf 151,9 Mio t erhöhen, der Sojabohnenexport sogar um 42 % auf 96,4 Mio t.

Weiteres Wachstum auch im Fleischsektor

Die brasilianische Maisernte im Jahr 2028/29 beziffert das Ressort auf 114,5 Mio t; das wäre ein Fünftel mehr als 2018/19. Zeitgleich werde der Maisexport um 33 % auf 41,4 Mio t steigen. Der Ausbau der Feldfruchtproduktion wird laut Ministerium mit einem Flächenwachstum des Ackerbaus einhergehen, und zwar um 10,3 Mio ha auf 85,7 Mio ha im Jahr 2028/29.

Auch mit Blick auf den Fleischsektor geht das Ministerium im Berichtszeitraum von weiterem Wachstum aus. Für Geflügelfleisch wird eine Produktionssteigerung um 29 % auf 17,4 Mio t und ein Exportwachstum um ein Drittel auf 5,4 Mio t erwartet. Die brasilianische Rindfleischerzeugung wird gemäß der amtlichen Prognose um ein Viertel auf 10,6 Mio t und die Rindfleischausfuhren um 32 % auf 3,0 Mio t steigen, die Schweinefleischproduktion um 28 % auf 5,1 Mio t und die Schweinefleischexporte um 34 % auf 892 000 t.

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