Brexit

Britische Landwirte fürchten Anstieg von Lammfleischimporten

Ein Handelsabkommen mit Neuseeland könnte enorme Folgen für die britische Landwirtschaft haben. Die Landwirte fühlen sich von der Politik verraten.

Nach dem Brexit steht die britische Regierung in Verhandlungen um Freihandelsabkommen. Nun kündigte sie eine Vereinbarung mit Neuseeland an, die den Import von Lammfleisch einschließt. Die britischen Landwirte fürchten nun, vom heimischen Markt verdrängt zu werden, meldet das Magazin Spiegel.

Kein Vorteil für Großbritannien

Durch das geplante Abkommen schwäche die Regierung die heimische Landwirtschaft und die Ernährungssicherheit, wird der Bauernverband Farmers' Union of Wales (FUW) zitiert. Die britischen Landwirte könnten durch den Import von billigem Lammfleisch aus Neuseeland verdrängt werden.

Der wirtschaftliche Vorteil für das Vereinigte Königreich dürfte hingegen unverhältnismäßig gering sein, heißt es weiter. Das Handelsabkommen beinhaltet einen Anstieg der Lammfleischimporte aus Neuseeland um 30 % im ersten Jahr. In den kommenden Jahren ist eine stufenweise Erhöhung der Importe geplant, bis es nach 15 Jahren keine Beschränkungen mehr gebe, so der FUW.

Landwirte fühlen sich verraten

Im Juni stieß die britische Regierung bereits mit einem Handelsabkommen mit Australien auf großen Unmut bei den Landwirten. Diese Vereinbarung sieht ebenfalls den zollfreien Import von Lammfleisch vor. Die Vereinbarungen zeigen deutlich, dass die britische Regierung die heimische Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Ernährungssicherheit schädigt, kritisierte der FUW.

Regierung sieht die Entscheidung strategisch

Großbritannien hofft, durch die Vereinbarung mit Neuseeland in das Handelsabkommen CPTPP aufgenommen zu werden, was einen Zugang zum US-Markt mit sich bringen könnte. Premierminister Boris Johnson hatte deutlich bessere Handelsverträge nach dem Brexit versprochen.


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