Markt

Das Kartoffelangebot bleibt überschaubar

Die Kartoffelpreise haben beim Übergang von den „Frühen“ zur Haupternte nachgegeben. Aber Beobachter erwarten keinen anhaltenden Druck. Viele Anbauer haben die Flächen eingeschränkt.

Unser Autor: Christoph Hambloch, Marktexperte der AMI, Bonn

Unbestritten: Beim Übergang zur Haupternte bröckelten die Kartoffelnotierungen auch in diesem Jahr etwas ab. Aber im Vergleich zu den Vorjahren hält sich der Druck in Grenzen, und die Aussichten für den weiteren Saisonverlauf werden besser eingestuft als damals. Das Angebot dürfte in der Saison 2021/22 kleiner ausfallen als in den Vorjahren und bei geschickter Vermarktung zu auskömmlichen Erlösen am Markt zu platzieren sein.

Anbau eingeschränkt

Viele Kartoffelerzeuger haben auf die Erfahrungen der vorherigen Erntejahre reagiert. Die zeigten, dass auch bei relativ schwierigen Witterungsverhältnissen zumeist genügend Ware produziert, und regionale Angebotslücken übergebietlich geschlossen werden können. Die Anbauausdehnungen der letzten Jahre mussten also gestoppt bzw. besser noch umgekehrt werden, vor allem bei Speiseware. Das ist jetzt geschehen.

Für 2021 weist das Statistische Bundesamt für Deutschland einen Rückgang der Kartoffelfläche um 5,2% aus.

Mit 115.400 ha werden in Niedersachsen sogar weniger Kartoffeln angebaut als 2019. Laut der Flächenanträgen für die EU-Beihilfen ging der Anbau von Speiseware in dem Bundesland um fast 7% zurück. Dagegen legten Stärke- und Veredelungskartoffeln aufgrund des wachsenden Bedarfs weiter zu, und zwar um 1,6% auf 81.400 ha. Meldungen aus der Praxis bestätigen im Norden den Trend zu weniger Speise- und Schälkartoffeln.

Anbauzuwächse gibt es in Deutschland eigentlich nur in Nordrhein-Westfalen. Das Gesamtareal wurde um ca. 1.400 ha auf 38.100 ha ausgeweitet. Das ist dem stetig wachsenden Anbau von Verarbeitungsknollen geschuldet. Allerdings sind in diesem Bundesland die amtlichen Zahlen nicht deckungsgleich mit den InVeKoS-Daten. Deshalb sind die aktuellen Zahlen zum Anbau etwas mit Vorsicht zu genießen.

In Sachsen-Anhalt gab es bei den anderen Bundesländern mit nennenswerter Kartoffelerzeugung mit minus 11% den größten Flächenschwund, sodass 2021 weniger Kartoffeln als im Jahr 2018 angebaut wurden. In Brandenburg und Sachsen sieht es ähnlich aus. In Bayern wurden insgesamt weniger Stärke-, Speise- und Verarbeitungskartoffeln angebaut – die meisten Rückgänge verzeichnet dort die Speiseware.

EU-Fläche schrumpft auch

Auch in anderen EU-Ländern wurden in diesem Jahr die Flächen verkleinert. Allerdings steckte der sprichwörtliche Teufel im statistischen Detail. Polens Anbauzahlen basieren jetzt auf den InVeKos-Daten. Dabei werden die vielen Kleinstbetriebe und Haushaltsgärten im Gegensatz zur bisherigen Statistik nicht miterfasst. Das offizielle Anbauminus spiegeln sehr wahrscheinlich die Realität in puncto polnisches Kartoffelareal nicht wider.

Bedeutender für den Markt ist allerdings ohnehin, was in Mitteleuropa geschieht, also in Belgien, Frankreich, Dänemark, Niederlande und Deutschland. Dort werden insgesamt 42.000 ha weniger Kartoffeln angebaut als im Jahr 2020. In der EU-27 wären es den vorliegenden Zahlen zufolge -130.000 ha, also nur noch 1,48 Mio. ha.

Erneute Wetterkapriolen

Dass das Angebot in diesem Jahr weniger drängt als im Vorjahr,...

Die Redaktion empfiehlt

Die Kartoffelanbaufläche ist in Deutschland um 5,2 % zurückgegangen. Die Ernte ist 9,2 % geringer gegenüber dem Vorjahr und 0,4 % unter langjährigem Schnitt, informiert das Agrarministerium.