Fleischmarkt

Deutsche Fleischerzeugung sinkt, während der Bedarf steigt

Laut Fleischbilanz der BLE sank die Erzeugung zuletzt auf den tiefsten Stand seit fast zehn Jahren. Die Fleischbranche muss sich auf schrumpfende Umsätze einstellen.

Die Fleischproduktion in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2009 gesunken. Wie aus der vorläufigen Fleischbilanz der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hervorgeht, lag die Bruttoeigenerzeugung der Tierhalter bei 8,49 Mio t Schlachtgewicht (SG) ─ das waren 1,2 % weniger als 2017.

Die bisherige Rekordfleischproduktion datiert aus dem Jahr 2016 mit mehr als 9 Mio t. Seitdem hat vor allem die Schweinefleischerzeugung an Bedeutung eingebüßt. Niedrige Erzeugerpreise, öffentliche Kritik und zunehmende Auflagen haben zu Betriebsaufgaben und Bestandsabstockungen geführt. Die Folge war, dass die Nettoschweinefleischerzeugung 2018 nicht nur gegenüber dem Vorjahr um fast 160 000 t oder 2,9 % auf 5,35 Mio t abnahm, sondern mit der gleichen Rate auch im Vergleich zu 2013 schrumpfte.

Bei Rindfleisch war die Erzeugung ebenfalls rückläufig. Die Produktion in den Schlachthöfen lag 2018 mit 1,11 Mio t um 2,5 % unter dem Vorjahresniveau und das Aufkommen des Jahres 2013 wurde um 0,8 % unterschritten. Aufgrund der weniger geschlachteten Schweine und Rinder sank auch das Aufkommen der unter sonstigem Fleisch geführten Innereien in den vergangenen Jahren stetig.

Eine Ausnahme bildete lediglich das im Aufwind befindliche Geflügelfleisch. Dessen Nettoerzeugung nahm im vergangenen Jahr gegenüber 2017 um 3,6 % auf 1,59 Mio t zu; innerhalb der vergangenen fünf Jahre hat die Produktion um 7,6 % zugelegt.

Fleischverbrauch steigt

Während die Fleischproduktion in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren abnahm, traf das auf den Gesamtverbrauch nicht zu. Im vergangenen Jahr lag die Verbrauchsmenge laut BLE bei gut 7,34 Mio t; das waren nicht nur 0,9 % mehr als 2017, sondern auch 2,4 % mehr als 2013. Der Anstieg resultierte im Wesentlichen aus der zunehmenden Bevölkerungszahl, denn der menschliche Pro-Kopf-Verzehr lag in den vergangenen zwei Jahren im Schnitt recht konstant bei gut 60 kg; gegenüber 2013 hat er sogar um 1,1 % abgenommen.

Wie bei der Produktion sind auch beim Verbrauch erhebliche Unterschiede zwischen den Fleischarten zu beobachten. So sank der gesamte Schweinefleischverbrauch in den vergangenen fünf Jahren um 4,8 %. Beim Pro-Kopf-Verzehr war sogar ein Minus von 7,5 % auf durchschnittlich 35,7 kg zu verzeichnen; das waren 2,9 kg weniger als 2013.

Bei Rindfleisch dürfte der heiße Sommer 2018 den Appetit der Verbraucher etwas geschmälert haben, denn der Verzehr ging im Vorjahresvergleich um 300 g auf 9,7 kg je Bundesbürger zurück. Mittelfristig ist seit 2013 der Gesamtverbrauch jedoch um 10,7 % gewachsen und der Pro-Kopf-Verzehr legte um 700 g oder 7,8 % zu.

Noch größer waren die Wachstumsraten im Fünfjahresvergleich beim immer beliebter werdenden Geflügelfleisch mit einem Plus von 17,4 % beim Gesamtverbrauch. Der Pro-Kopf-Verbrauch legte um 1,6 kg beziehungsweise 13,8 % auf 13,2 kg zu. Zudem verzeichnete - wohl auch durch die Migration bedingt - der Verbrauch von Schaffleisch gegenüber 2013 einen Zuwachs von 12,7 %. Mit durchschnittlich 0,6 kg je Kopf verspeisten die Einwohner der Bundesrepublik aber immer noch vergleichsweise wenig Schaf- und Lammfleisch.

Selbstversorgungsgrad sinkt

Die mittelfristig sinkende Fleischerzeugung bei einem gleichzeitig steigenden Verbrauch hat dazu geführt, dass der Selbstversorgungsgrad nach einem vorherigen mehrjährigen Anstieg seit 2014 wieder sinkt, und zwar von 120,7 % auf 115,9 % im vergangenen Jahr. Zuletzt wies nur Schweinefleisch mit 119,2 % eine Bruttoeigenerzeugung auf, die den heimischen Verbrauch deutlich übertraf.

Bei Geflügelfleisch lag die Eigenversorgung 2018 laut BLE mit 98,2 % erstmals unter der 100-Prozent-Marke, weil der Verbrauch stärker wuchs als die heimische Produktion. Bei Schaf- und Ziegenfleisch war das stärkste Defizit bei der Eigenversorgung mit lediglich 39,3 % zu verzeichnen. Einen starken Überschuss mit einem Selbstversorgungsgrad von 391 % gab es dagegen bei sonstigem Fleisch. Verantwortlich dafür waren die Innereien, deren Produktion den heimischen Verbrauch um das Neunfache übertraf, weil diese Erzeugnisse hierzulande kaum gegessen und deshalb größtenteils exportiert werden.

Höhere Fleischimporte

Der geringer werdende Abstand zwischen der heimischen Fleischerzeugung und dem Verbrauch hatte in den vergangenen Jahren auch Auswirkungen auf den Außenhandel mit Fleisch. Insbesondere die Importe haben wegen des gestiegenen Bedarfs spürbar zugenommen. Im vergangenen Jahr wuchs die Einfuhrmenge gegenüber 2017 insgesamt um 3,8 % auf 2,89 Mio t, innerhalb von fünf Jahren sogar um 308 000 t oder 11,9 %. Dabei verzeichneten alle Fleischarten Zuwächse.

Am stärksten fielen diese im Vergleich zu 2013 bei Geflügelfleisch mit einem Plus von 23,0 % auf 1,02 Mio t aus. Der Bezug von Rindfleisch aus dem Ausland nahm in der gleichen Periode um 21,1 % auf 488 000 t zu; bei Schaf- und Lammfleisch ging es um 20,0 % auf 54 000 t nach oben. Wichtigstes Einfuhrgut blieb jedoch Schweinefleisch mit 1,18 Mio t; allerdings fiel hier die Zuwachsrate mit 2,3 % im Fünfjahreszeitraum am geringsten aus.

Bei den Fleischausfuhren insgesamt war seit 2013 dagegen nur eine Steigerung von 1,0 % auf 4,27 Mio t zu verzeichnen. Mittelfristig legte dabei der Auslandsabsatz von Geflügelfleisch mit 4,0 % auf 773 000 t noch am stärksten zu. Mit den Schweinefleischverkäufen ins Ausland ging es um 3,3 % auf 2,42 Mio t nach oben. Rückläufig waren dagegen die Rindfleischexporte in den vergangenen fünf Jahren, und zwar um 7,7 % auf 1,17 Mio t. Auch die nicht unbedeutende Ausfuhr von sonstigem Fleisch, darunter vor allem Innereien, sank im Betrachtungszeitraum um 4,2 % auf 638 00 t.

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Artikel geschrieben von

Andreas Beckhove

Redakteur Markt

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