Deutschland wird voraussichtlich Nettoimporteur von Getreide

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) rechnet damit, dass Deutschland zum ersten Mal seit 1986 wieder zum Netto-Importeur von Getreide wird. Die nationale Getreideproduktion verfehle den geschätzten jährlichen Verbrauch von 43 bis 44 Mio. t um fast 10 Millionen Tonnen.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) rechnet damit, dass Deutschland zum ersten Mal seit 1986 wieder zum Netto-Importeur von Getreide wird. Die nationale Getreideproduktion verfehle den geschätzten jährlichen Verbrauch von 43 bis 44 Mio. t um fast 10 Millionen Tonnen.


Der Erntebericht, den das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vergangene Woche veröffentlichte, geht von einer Getreideernte von rund 34,5 Mio. t (ohne Körnermais) aus. Die DRV rechnet daher damit, dass aus dem Ausland Getreide importiert werden muss, um den nationalen Getreideverbrauch von 43 bis 44 Mio. t zu deckeln. Der deutsche Getreidehandel stünde nun vor der Herausforderung, die knappe Versorgungslage bestmöglich zu managen, heißt es vom DRV.


Insbesondere die Körnermaisernte in Europa und den USA sei von besonderer Bedeutung für den nationalen Markt, prognostiziert der DRV. Denn durch den Mangel an Grundfutter müssten viele viehhaltende Betriebe mehr Kraftfutter einsetzen. Das fahre den nationalen Getreidebedarf hoch. „Und das in einem Jahr, in dem das Angebot ohnehin knapp ist“, so der DRV. Die unterdurchschnittliche Ernte in Europa und erhebliche Ernteausfälle in wichtigen Anbau- und Exportregionen wie der Ukraine und Russland würden das Angebot weiter verknappen.


Das BMEL sieht das Problem innerhalb Europas differenzierter. Im Erntebericht 2018 geht das BMEL von einer europäischen Getreideernte von 293,4 Mio. t aus, die im Vergleich zum Vorjahr mit 307,1 Mio. t um rund 4,4 % geringer ausfällt. Drastische Produktionsrückgänge verzeichnen insbesondere Rumänien mit – 18,3 % und Polen mit -14,8 % Ernteausfällen. Es käme allerdings auch zu Produktionsanstiegen in Spanien (+ 21,8 %) und Ungarn (+9,4 %). Zusammenfassend prognostiziert die BMEL daher, dass der EU-Verbrauch von 283,8 Mio. t für das WJ 2018/29 insbesondere aufgrund hoher Vorjahrsbestände sicher gedeckt werden könne und die EU als Ganze somit Nettoexporteur von Getreide bleibe. Die erwarteten Getreidevorräte von rund. 43,6 Mio. t zum 30. Juni 2019 werden jedoch ihr Niveau des letzten WJ (rund 53,6 Mio. t) um voraussichtlich 10 Mio. t verfehlen.

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Lissa Peters

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