WVZ

Echter politischer Wille zur Lösung der Zuckerkrise nicht erkennbar

Der deutsche Zuckersektor steckt in einer tiefen Krise. Der EU-Kommission wirft Dr. Hans-Jörg Gebhard von der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker vor, keinen politischen Willen zur Lösung zu zeigen.

Der Europäische Agrarrat wird sich am 15. Juli mit dem Ergebnisbericht der von Agrar-Kommissar Hogan eingesetzten High Level Group zur Lage des EU-Zuckersektors befassen. Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker steckt der Zuckersektor in Deutschland in einer tiefen Krise.

Als Gründe nennt der Verband eine ungleiche Praxis bei gekoppelten Zahlungen und Pflanzenschutzmitteln innerhalb der EU sowie der künstliche Preisdruck durch subventionierten Zucker aus Drittstaaten. In diesen zentralen Punkten empfiehlt die EU-Expertengruppe nur die Beobachtung bzw. strikte Prüfung dieser politisch gemachten Wettbewerbsverzerrungen. Das reicht aus Sicht der WVZ bei weitem nicht, um diese Krise zu bewältigen.

Auch die übrigen Maßnahmen legen laut Zuckerverband die Vermutung nahe, dass der Ernst der Lage nicht erkannt worden ist: "Mehr Bürokratie durch Bildung zusätzlicher Organisationen für den Rübensektor oder durch Erhebung weiterer Marktdaten in einem Sektor, der ohnehin schon sehr transparent ist, belastet die Zuckerwirtschaft zusätzlich", heißt es in einer Pressemitteilung vom Donnerstag.

Bessere Ergebnisse würden dadurch nicht erzielt. Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen liefere ihre Ergebnisse erst, wenn bei anhaltender Krise bereits große Teile des Sektors verloren gegangen sind. Eine Diversifizierung im Rübensektor ergebe wiederum nur dann Sinn, wenn die Wettbewerbsverzerrungen zuvor abgestellt sind. Solange Unternehmen und Rübenanbauer durch die anhaltende Krise keine Einnahmen erzielen, hilft keine dieser Maßnahmen unmittelbar, so die WVZ.

Der EU-Kommission wirft der Verband vor, offensichtlich keinen echten politischen Willen zur Lösung der Zuckerkrise zu haben. "Statt Verantwortung zu übernehmen, verschärft die Kommission die Krise sogar – zuletzt durch das geplante Mercosur Freihandelsabkommen. Mit den Einfuhrzugeständnissen für Zucker und Ethanol von insgesamt 1,5 Mio. t Zuckeräquivalent sind über die bereits angekündigten Fabrikschließungen hinaus potentiell weitere sieben bis zehn Zuckerfabriken von der Schließung bedroht. Allein das wäre ein Verlust an Bruttowertschöpfung in Höhe von mindestens 1 Mrd. Euro und würde zudem mindestens 22.000 Arbeitsplätze betreffen. Ländliche Räume wären am stärksten betroffen", so Dr. Hans-Jörg Gebhard, Vorsitzender der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker.

Er fordert die Politik auf, endlich Verantwortung zu übernehmen. Die Wettbewerbsverzerrungen müssten abgeschafft, Einfuhrzugeständnisse für subventionierten Zucker verhindert und die Strukturanpassungen flankiert werden – die GAP Reform sei nur ein Anlass dafür. "Hier sehen wir auch die Bundesregierung in der Pflicht, nicht nur Warnungen vor dem Aus des deutschen Zuckerrübenanbaus auszusprechen“, sagte Gebhard.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Wolfgang Rühmkorf

Sehr geehrter Herr Fiederling, 99% Ihrer Antwort trifft auch auf mich zu (NZ). Deshalb ist mir Ihr Eingangskommentar aber immer noch wenig zugänglich! Aber sei‘s drum. Wir haben unter dem derzeitigen politischen politischen Missmanagment beide gleichermaßen zu leiden!

von Klaus Fiederling

Klarstellung

Werter Herr Rühmkorf, seit Bestehen einer der größten Südzuckerstandorte hält meine Familie Lieferkontingente, nach wie vor bin ich selbst aktiver ZR-Anbauer und gedenke es derzeit auch zu bleiben. Mit Zuckerrüben habe ich mich wissenschaftlich schon sehr intensiv befasst, gerade auch deshalb ist mir eine kritische Auseinandersetzung mit unserer Anbauersituation zu keinem Zeitpunkt abhanden gekommen; nach meinem Dafürhalten betriebswirtschaftlich auch unabdingbar, gerade unter den heutigen Voraussetzungen für die noch ackernden Bauern. Der von Ihnen salopp unterstellte Neid aus Kleinmut ist als diskussionswürdige Grundlage, was meine Person betrifft, somit vollkommen fehl am Platze, wenngleich in dieser Art und Weise eine kritische Denkweise wider den Mainstream hier bei TA durchaus an der Tagesordnung ist. Wer sich also entsprechend äußert, muss im Vorfeld damit bereits rechnen. Dennoch wage ich den Vorstoß, werter Herr Rühmkorf, den Wunsch zu äußern, gerade mit persönlichen verbalen Angriffen etwas vorsichtiger umgehen zu wollen, im Besonderen, wenn es an einem entsprechenden Background vollkommen mangelt.

von Matthias Zahn

@Rühmkorf

Dann würde ich sagen, die eine Branche ist miserabel und die andere noch besch...... Beide eint, dass unsere Herrn Politiker gerne Agrarprodukte als Zahlungsmittel ausländischer Industriekunden sehen. Hauptsache die Industrieexporte sind gesichert. Nahrungsmittel können wir Europäer schließlich genug auf dem Weltmarkt zukaufen...... Noch ein bisschen Regional und Bio für die anspruchsvolle Kundschaft und der Rest kauft ohnehin nur nach Preis mit null Interesse an der Herkunft der Lebensmittel.

von Wolfgang Rühmkorf

Mathias Zahn: Zucker und Milchmarkt sind in der Tat vergleichbar hinsichtlich der Anpassungsschwierigkeiten. Milch hat aber zwei Hilfsaktionen seitens EU und Deutschland erfahren und konnte durch Weltmarktorientierung Stabilisierung erfahren. Zucker ist unter Deutschen Zusatzauflagen hingegen nicht auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sondern wird auch auf dem Binnenmarkt verdrängt werden! Klaus Fiederling: Sie wissen offenbar nicht um die ökologische Fruchtfolge technische Bedeutung der Zuckerrübe. Ihre Argumente scheinnen von intensiven Neidmotiven getragen zu sein!

von Klaus Fiederling

Elitäre Handlungsunfähigkeit kann kosten

In Deutschland werden derzeit knapp 400.000 Hektar Zuckerrüben von den insgesamt verfügbaren ca. 16 Mio LN angebaut. - Nunmehr sieht die Zuckerindustrie 22.000 ihrer Arbeitsplätze als potentiell gefährdet an? Der einzelne Bauer muss man sich das auf der Zunge zergehen lassen. // Diese Zuckerindustrie wurde infolge der Zuckermarktordnung über Jahrzehnte geradezu elitär „fett und träge“ gemästet. Baut ein Bauer 20 Hektar „weißes Gold“ an, füttert er demnach einen Mitarbeiter der Industrie mit durch. Wohlig luxuriös gebettet im Außenschutz wurden über Dekaden satte Renditen gescheffelt, jetzt plötzlich droht die knallharte Landung auf dem unbequemen Boden der Tatsachen. Profiteure dieses mittlerweile seiner Strahlkraft weitgehend beraubten „weißen Goldes“ waren ohnedies in der Vergangenheit die dafür prädestinierten Ackerbauregionen. Wie wurden die Zuckerrüben betriebswirksam bislang von den Bauern förmlichst vergoldet, sowohl die Kontingente wie auch die Flächen. Stellen die hohen Quotenpreise sich nicht insbesondere bei langfristigen Verträgen nunmehr vielleicht als betriebswirtschaftliche Fehlentscheidung heraus? // Die Bauern selbst haben jedenfalls genügend Anbaualternativen auf diesen Flächen, ohne dass sich an ihrem Ergebnis eine maßgebliche Veränderung ergibt. Gegenwärtig verdient der Bauer beim Verzicht auf den ZR-Anbau vielleicht sogar mehr. Der Mitarbeiter in der Zuckerrübenindustrie macht ohne diesen Rübennachschub aber was!?

von Torsten Kremershof

Unglaublich !!??

Nach meiner Meinung wird das Mercosur Abkommen den kompletten EU Zuckerrüben Markt so wie auch alle Hersteller von Ernte und Verarbeitungstechnik vernichten . Fallen die Handelsschranken fällt der Zuckerpreis ins Bodenlose. Staaten wie Brasilien , Kuba .... Werden uns mit billigem Rohrzucker tot werfen . Gegen Nationen die sich einen Dreck um Klimaschutz , Nachhaltigkeit , soziale Standarts , Umwelt, Arten und Gewässer Schutz kümmern ist ein Preiskampf sinnlos . Auch der Rindfleisch Sektor wird innerhalb der EU vernichtet werden. Ich empfehle der EU dann schon einmal den Bau und die Förderung von Tier- Krematorien ! Nutzkälber Mastbullen und Altkühe werden sonst zum Riesenproblem ! Und wenn Herr Hogan glaubt daß er mögliche Marktverwertungen mit ein paar Milliarden an Kompensations Geldern abmildern kann , dann fasse ich mir wirklich an den Kopf ! Wo soll das Geld denn bitte herkommen ? Und es macht doch keinen Sinn . Desweiteren fast man sich an den Kopf wenn man daran denkt das die EU der Zukunft dann in Sachen Lebensmitteln abhängig sein wird von Staaten die zum Großteil über nicht gefestigte demokratischen Strukturen verfügen ! Korruption , Militärherrschaft , Kommunistische Machthaber , Drogenkartelle , enormes soziales Gefälle, enorme Kriminalitätsraten , astronomische Arbeitslosigkeit und Inflationsraten ..... Südamerika ist ein Soziales Pulverfass wo niemand absehen kann wie es enden wird. Die sollen in Zukunft Europas Bevölkerung gesund, nachhaltig , klimaneutral ernähren ??? Ernsthaft ??? Wir werden zu dem Punkt gelangen wo wir in der Zukunft viel Geld in die Hand nehmen werden um unsere Landwirtschaft wieder aufzubauen !!

von Matthias Zahn

Sieh an.....

Beim Zuckermarkt melden sich auch Wirtschaftsvertreter zu Wort und zeigen das Dilemma auf. Im Milchsektor passiert so etwas nicht, da machen alle weiter wie bisher und überlassen es den Bauern damit zurecht zu kommen. Bitte im Artikel das Wort "Zucker" durch "Milch" ersetzen und nochmal lesen........

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