Vermarktung von Nischenkulturen

Nischenkulturen regional vermarkten: „Vom Weltmarkt abkoppeln“

Landwirt Philipp Wicke setzt auf eine regionale Vermarktung von Hanf, Braugerste und Co.

Diese Reportage gehört zum Beitrag: Nischenkukturen erfolgreich vermarkten

Direkt am Ufer der Werra liegt das Gut Jestädt an der hessischen Grenze zu Thüringen. Betriebsleiter Philipp Wicke bewirtschaftet den 400 ha großen Ackerbaubetrieb. Neben Winterweizen, Wintergerste, Zuckerrüben, Raps und Kartoffeln baut der Landwirt Winterroggen, Hanf, Braugerste, Ackerbohnen und Spargel an.

Die Fruchtfolge ihres Betriebes hat Familie Wicke Schritt für Schritt erweitert – vor allem aus ackerbaulichen Beweggründen. Dabei war für die Wickes immer klar: Die Vermarktung muss stehen, dann können wir fast alles anbauen.

Winterroggen und Braugerste

Vor 20 Jahren integrierte Wickes Vater Winterroggen und Braugerste in die Fruchtfolge. „Irgendwann mussten wir weg von der dreijährigen Zuckerrüben- bzw. Rapsfruchtfolge. Da passten Roggen und Sommergerste ackerbaulich super rein“, begründet der Ackerbauer den Schritt seines Vaters.

Für die Braugerste hat er mit Landwirten in der Region eine Erzeugergemeinschaft gegründet. Sie verkaufen die Gerste an die Eschweger Klosterbrauerei. „In jährlichen Gesprächen zwischen Brauerei und Erzeugergemeinschaft verhandeln wir die Preise,“ erklärt Wicke die Preisfindung für seine Gerste. Die Brauerei bietet den Landwirten einen Bonus zum Marktpreis. Dafür kann die Brauerei mit der Regionalität der Gerste und den Gesichtern der Erzeuger werben. Seinen Roggen verkauft Wicke über regionale Mühlen an nahegelegene Bäckereien. Das ist allerdings oft eine Herausforderung. Wicke lässt sich für das Siegel „Geprüfte Qualität Hessen“ zertifizieren, sodass er gegenüber anderen ein Alleinstellungsmerkmal hat. Wenn jedoch zu viel zertifizierte Ware auf dem Markt ist, gehe auch dafür der Preis runter, erklärt er.

Alleskönner Hanf

Die neueste Kultur auf Wickes Acker ist der Hanf. Seit 2016 vermarktet er diesen gemeinsam mit acht Landwirten. „Das Ganze ist noch ziemliche Pionierarbeit,“ berichtet er. Hanf ist sehr vielseitig: Einen Teil der Hanfsaat lässt die Erzeugergemeinschaft zu Hanföl pressen, das er direkt vermarktet. Aber auch als Backzutat oder Tierfutter lassen sich die sogenannten Hanfnüsse absetzen. Das Hanfstroh kann als staubfreie Einstreu verwendet werden und dient zu Platten gepresst oder gehäckselt als Dämmmaterial. Wicke und seine Geschäftspartner haben die Aufgaben rund um den Hanfanbau aufgeteilt: „Ich kümmere mich hauptsächlich um die Ölpressung und die Vermarktung der Saat.“ Die Strohvermarktung, den Anbau sowie Lagerung und Trocknung übernehmen die Berufskollegen.

Kartoffeln und Spargel vermarktet Wicke über seinen Hofladen und an die Gastronomie in Nordhessen. Zuerst kamen die Kartoffeln in die Fruchtfolge. Heute packt Wicke mit seinen Mitarbeitern die Ernte von 8 ha Speisekartoffeln ab. Die guten Erfahrungen in der Direktvermarktung von Kartoffeln brachten Philipp Wicke dazu, 2015 in den Spargelanbau einzusteigen: „Wir hatten bereits eine Gruppe von Kartoffelkunden, denen wir dann auch Spargel aus der Region anbieten konnten“, spricht Wicke aus Erfahrung. „Mit der regionalen Vermarktung können wir uns vom wechselhaften Marktgeschehen abkoppeln“, ist sich Wicke sicher.

Die Redaktion empfiehlt