Materialmangel

Holzpreis-Explosion belastet Stallbau - Wer soll das bezahlen?

Die Rohholzpreise explodieren: Borkenkäfer und Coronakrise stellen den Holzmarkt auf den Kopf. Darunter leiden Bauern, die einen neuen Stall bauen. Wir berichten aus der Praxis über die Situation.

Zu viel Käferholz, strikte Einschlagbeschränkungen, Chinas Hun­­ger auf Stahl und Chaos auf dem ­Seefrachtmarkt. Es sind nur ein paar Gründe von vielen, die derzeit die Rohstoffpreise vor sich hertreiben. Die Schmerzgrenze des Bezahlbaren ist für viele überschritten.

Der Holzmarkt läuft aus dem Ruder

Während Schnitt- und Bauholzpreise massiv gestiegen sind, werden Waldbesitzer ausgebremst.

Alarmsignale vom Holzmarkt: Dachlatten kosten dreimal mehr, Preise für Platten haben sich verdoppelt, für Bau- und Konstruktionsvollholz ebenfalls – wenn es nicht ausverkauft ist. Von Tagespreisen und Lieferzeiten von bis zu fünf Monaten ist zu hören.

Gleichzeitig liegt bzw. steht immer noch massig Käferholz in den Wäldern, das, wenn überhaupt, nur zum Schleuderpreis zu vermarkten ist. Weitaus ärgerlicher für Waldbesitzer sind aber die nur minimal gestiegenen Preise für gesunde Stämme und die beschlossenen Einschlagrestriktionen.

Dass der Markt aus dem Ruder gelaufen ist, hat gleich mehrere Ursachen:

  • Die Borkenkäferkatastrophe dauert weiter an, trotz des kalten Frühjahrs ist bereits die Startpopulation so groß, dass der Borkenkäfer im Sommer in bislang noch nicht befallene Regionen vordringen könnte. Das anfallende Käferholz ist kaum als Bauholz geeignet, es muss aber aus den Wäldern, sodass es Säge- und Lkw-Kapazitäten bindet.
  • Die Käferkalamität hat den Staat auf den Plan gerufen, der mit Einschlagbeschränkungen die Fichtenbestände insgesamt schützen will. Das nimmt nicht nur den Waldbesitzern in diesem Jahr die Chance, dringend benötigtes Geld für die Sanierung der Käferflächen zu verdienen. Das knappe Angebot ist aber nicht die Hauptursache für die angespannte Lage auf dem Holzmarkt.
  • Die Holznachfrage ist massiv angezogen: Dabei ist es nicht nur China, das viel Holz in Europa einkauft. Auch die USA haben viel Ware bei uns eingekauft. Denn durch den strengen Winter in Nordamerika war der Einschlag dort lange Zeit gestoppt, während die boomende Baubranche dort viel Holz braucht. Hinzu kommt: Chinesen und Amerikaner geben für Holz traditionell mehr Geld aus, für europäische Sägewerke lohnt sich der Export also trotz der höheren Transportkosten.

Auch bei uns ist die Holznachfrage massiv gestiegen, die Baubranche läuft auf Hochtouren. Das Virus hat die Bautätigkeiten kaum ausgebremst, Maurer und Zimmerer konnten unter freiem Himmel ohne größere Einschränkungen weiterarbeiten, während die Sägewerke teils drosseln mussten. Entsprechend kleiner fiel die Gesamtproduktion von Schnittholz in den vergangenen Monaten aus, was zu den aktuellen Rekordpreisen und Ausverkäufen geführt hat.

Inzwischen sind die Rohholzpreise (für einwandfreie Qualitäten) zwar gestiegen. Das ist aber angesichts der Einschlagbeschränkungen für die gebeutelten Waldbesitzer nur ein schwacher Trost.

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Eigenes Holz für den Stallbau

Jan Hendrik Hohls nutzt eigenes Holz für den Neubau seines Maststalls. Das spart Zeit und Kosten.

Die Marge zwischen den Verkaufspreisen ab Wald und den Kanthölzern aus dem Handel ist aktuell so groß, dass wir seit 20 Jahren erstmals wieder eigenes Holz einsetzen“, erzählt Sauenhalter Jan Hendrik Hohls aus Becklingen, Niedersachsen. Er setzt beim Stallbau eigenes Holz ein, außerdem plant er eine Strohhalle mit Holzverschalung.

Wie Hohls stehen viele Landwirte ­aktuell vor einem Problem. Sie würden gerne mit dem Bau ihres Stalles warten, bis die Preise wieder sinken. Doch das kann nicht jeder. Denn Baugenehmi­gungen sind nicht ewig gültig. In Niedersachsen beträgt die Frist, wie in den meisten Bundesländern, zum Beispiel drei Jahre. In Bayern sind es vier. In dieser Zeit muss mit dem Bau begonnen oder eine Fristverlängerung beantragt werden. „Beachten Sie, dass das Bauamt Ihre Genehmigung dann erneut prüft. Ändern sich die gesetzlichen Grund­lagen, müssen Sie nachbessern“, warnt Martin Seeßelberg, Fachbereichsleiter für den Agrar- und...

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Weltweite Nachfrage

Kräftige Zunahme der Holzexporte 2020

vor von Agra Europe (AgE)

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