Prognose

Kommission erwartet spürbar höhere EU-Fleischexporte

Die Fleischausfuhren einschließlich Lebendtieren aus der EU könnten bis 2020 um fast 10 Prozent auf 5,33 Millionen Tonnen steigen. Grund sind die gute internationale Nachfrage und zunehmende Überhänge, die ein Exportplus ermöglichen sollen.

Die Fleischexporte der Europäischen Union sollen in diesem und im nächsten Jahr überdurchschnittlich stark wachsen und dabei neue Rekordhöhen erklimmen. Das erwartet zumindest die EU-Kommission in ihrer kürzlich veröffentlichten Prognose „Short-Term Outlook“.

Demnach sollen die Mitgliedstaaten - einschließlich des Vereinigten Königreichs - in diesem Jahr insgesamt 4,83 Mio t Fleisch in Drittländern absetzen; das wären 283 000 t oder 6,2 % mehr als 2018. Im kommenden Jahr dürfte sich die Wachstumsrate abschwächen; mit einem Plus von 3,6 % soll die Ausfuhrmenge aber erstmals die Marke von 5 Mio t übertreffen.

Noch nicht eingerechnet sind hierbei die Lebendexporte von Schlacht- und Nutztieren in Drittländer. Diese sollen vom Ausgangsjahr 2018 bis 2020 ebenfalls zunehmen, und zwar auf Schlachtgewicht (SG) umgerechnet um 10 000 t oder 3,2 % auf 321 000 t. Gemessen am Gewicht sind rund drei Viertel der lebend ausgeführten Tiere Rinder.

Begründet wird der prognostizierte Anstieg der Fleischexporte neben der wachsenden internationalen Nachfrage vor allem damit, dass die steigende EU-Fleischerzeugung nur auf einen stagnierenden Verbrauch in der Gemeinschaft trifft. Die Analysten aus Brüssel rechnen bis 2020 mit einem stabilen Pro-Kopf-Verbrauch von durchschnittlich 70 kg je EU-Bürger, wobei geringere Verzehrsmengen von Rind- und Schweinefleisch durch einen höheren Konsum von Geflügelfleisch ausgeglichen werden sollen.

Nach Einschätzung der Kommission wird es bei allen Fleischarten, mit Ausnahme des recht stabilen Schaffleisches, zu Exportsteigerungen kommen. Am stärksten dürfte dies bei Schweinefleisch der Fall sein, wobei die betreffenden Drittlandsausfuhren 2019 im Vorjahresvergleich um 9,0 % auf 2,92 Mio t und 2020 um weitere 5,0 % auf die neue Rekordmarke von 3,07 Mio t zunehmen sollen.

Absatzmöglichkeiten in China

Den deutlichen Anstieg der EU-Schweinefleischexporte erklärt die Kommission vor allem mit der starken Nachfrage aus Asien und insbesondere aus China. Infolge der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sind in der Volksrepublik die Schweinebestände stark rückläufig, und internationale Analysten gehen für 2019 von einem Einbruch der chinesischen Schweinefleischerzeugung zwischen 10 % und 35 % aus, was einen erheblichen Einfuhrbedarf zur Folge hat. Hinzu kommt, dass in der EU der Marktüberschuss bei einem rückläufigen Schweinefleischverbrauch zunehmen wird und so Exportmengen frei werden.

Die Kommission geht davon aus, dass der mittlere Pro-Kopf-Verbrauch bis 2020 um rund 600 g auf 32,0 kg sinken wird, wozu auch steigende Verbraucherpreise nach der jüngsten Hausse am Schlachtschweinemarkt beitragen dürften. Gleichzeitig wird die Bruttoeigenerzeugung von Schweinefleisch in der EU im laufenden Jahr mit 24,14 Mio t stabil gesehen; 2020 soll es nur einen Zuwachs von 0,5 % geben.

Der im Dezember 2018 gegenüber der Vorjahreserhebung festgestellte Rückgang des Gesamtbestandes von 1,2 % sowie die um 2,9 % geringere Zahl an Zuchtsauen dürfte den Experten aus Brüssel zufolge durch Produktivitätszuwächse ausgeglichen werden und somit die Erzeugung recht konstant halten. Bei der angenommenen Verbrauchsabschwächung würde der Marktüberschuss von 2018 bis 2020 um rund 390 000 t auf 3,07 Mio t zunehmen und den Selbstversorgungsgrad auf 114 % steigen lassen. Damit wäre dieser so hoch wie bei keiner anderen Fleischart.

EU-Bürger essen mehr Geflügel

Für Geflügelfleisch erwartet die Kommission, dass sich der positive Verbrauchstrend in den Mitgliedstaaten fortsetzen wird. Der mittlere Konsum je EU-Bürger soll sich von 24,8 kg im Jahr 2018 auf 25,5 kg im Jahr 2020 erhöhen.

Noch etwas größer soll jedoch die Produktion zulegen, und zwar innerhalb dieser zwei Jahre um fast 500 000 t oder 3,2 % auf 15,75 Mio t. Vor allem in Osteuropa rechnen die Experten aus Brüssel mit weiteren Erzeugungszuwächsen, nachdem dort die Kapazitäten aufgestockt wurden. Hinzu kommt, dass auch die Importe wieder stärker zunehmen dürften, da mehr Ware aus Brasilien oder der Ukraine auf den Binnenmarkt gelangt und sich China bei der Welthandelsorganisation (WTO) einen verbesserten EU-Marktzugang erstritten hat.

Die Angebotsausweitung an Geflügelfleisch wird laut der Prognose die Nachfragesteigerung übertreffen und zu höheren EU-Exporten führen. Der Drittlandsabsatz soll im laufenden Jahr gegenüber 2018 um 2,1 % zunehmen und im kommenden Jahr um 1,6 % auf 1,65 Mio t steigen. Aufgrund der global starken Nachfrage sind auch noch höhere Zuwachsraten vorstellbar, denn im Januar und Februar 2019 legten die EU-Geflügelfleischausfuhren gegenüber dem Vorjahreszeitraum bereits um gut ein Fünftel zu, wobei die stärksten Zuwächse bei den Lieferungen nach Ghana, die Philippinen, Vietnam und Südafrika verzeichnet wurden.

Sinkende Rindfleischproduktion

Im Unterschied zu Geflügel und Schweinen rechnet die EU-Kommission im Rindfleischsektor bis 2020 mit einer rückläufigen Produktion, die im Vergleich zu 2018 um 130 000 t oder 1,6 % auf 8,11 Mio t abnehmen soll. Als Grund dafür wird insbesondere der Hitzesommer 2018 genannt, in dessen Folge das Futter in vielen Mitgliedstaaten knapp wurde und zahlreiche Tiere, darunter auch Kühe, zum Schlachter gebracht wurden. Die geringere Zahl an weiblichen Zuchttieren wird das zukünftige Rinderangebot begrenzen, was nach Einschätzung der Kommission auch dem bis 2018 leicht ansteigenden Rindfleischverbrauch ein Ende setzen wird.

Die Brüssler Analysten erwarten bis 2020 einen Rückgang des durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauchs um 200 g auf 10,8 kg. International dürften die Nachfrage und Absatzbedingungen jedoch gut bleiben: In der Prognose wird für 2019 gegenüber dem Vorjahr von einem Anstieg der Rindfleischexporte einschließlich Lebendtieren von 2,3 % auf 495 000 t ausgegangen, die sich 2020 bei einem weiteren Plus von 0,8 % auf rund 5000 000 t belaufen sollen.

Viel wird dabei aber laut der Kommission davon abhängen, ob beispielsweise die Türkei trotz wirtschaftlichen Schwierigkeiten weiter im großen Umfang Rinder beziehungsweise Fleisch in der EU oder bei Wettbewerbern in Südamerika ordert, der Großkunde Hongkong wieder mehr Ware in der Gemeinschaft bestellt oder der wachsende Bedarf an Rindfleisch in China global neue Absatzmöglichkeiten schafft.

Die Analysten in Brüssel rechnen zudem mit höheren EU-Rindfleischeinfuhren, die bis 2020 um 3,1 % auf 331 000 t steigen sollen. Dabei soll vor allem mehr Ware aus Brasilien und anderen südamerikanischen Staaten sowie den USA auf den EU-Binnenmarkt gelangen.

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Diskussionen zum Artikel

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von Christian Bothe

Exporte

Das klingt doch erst einmal gut und bringt hoffentlich den ersehnten Schub für unsere Schweinemäster und deren Erzeugerpreise. Damit lassen sich die nicht "fleischbildenden Kosten" wie Tierwohl,Luftwäscher,Auflagen u.ä. in er Deckungsbeitragsrechnung besser und positiv ergebniswirksam darstellen. Ich hoffe das die Schweinebauern da etwas von dem Kuchen abbekommen.Notwendig ist es. Sicher gibt es nun wieder Gegenstimmen,da die grüne Landwirtschaftsopposition und andere sagen werden,das der Verbraucher nicht so viel klimaschädliches Fleisch essen soll und dann noch die Gülle im eigenen Land bleibt und das bei Verfütterung von GVO-Soja aus Amerika...

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