Steigende Milchmenge

Milchmarkt unter Corona-Druck

Der deutsche Milchmarkt startete 2020 mit stabilen Auszahlungspreisen. Doch die Corona-Pandemie bleibt auch für das globale Preisgefüge nicht ohne Folgen.

Unser Autor: Mathias Klahsen, LWK Nieder­sachsen, Oldenburg

Haben wir das Tal jetzt durchschritten? Ist bald vielleicht sogar Besserung in Sicht? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der aktuelle Milchmarktbericht des US-Agrarministeriums (USDA).

Immer noch beeinflusst die Corona-Pandemie weltweit Leben und Handel durch Ausgangsbeschränkungen und „Lockdowns“. Besonders in den ersten Wochen des Krankheitsgeschehens brachten die Einschränkungen massive Einbußen bei der Nachfrage nach Lebensmitteln – auch bei Milchprodukten.

Virus verändert Verzehr

Das Beispiel Käse macht dies deutlich: Die Nachfrage nach Käse (und damit nach Exportware aus Deutschland bzw. Europa) ist in vielen Ländern regelrecht eingebrochen, da ein wesentlicher Teil über den Außer-Haus-Verzehr abgesetzt wird. Doch letzteren gab es zeitweise vielfach nicht mehr. Stattdessen sehen sich die Lebensmittelproduzenten mit einem völlig veränderten Konsumentenverhalten konfrontiert. Gegessen wurde und wird im Wesentlichen zu Hause und dort mit anderen Verzehrsgewohnheiten als im Restaurant oder in der Kantine (Stichwort: „mit Käse überbacken“).

Obwohl die Auswirkungen auf den Nahrungsmittelsektor bislang nicht so gravierend waren, wie befürchtet, besteht weiterhin eine große Unsicherheit über die Entwicklung in den kommenden Monaten. Zu dieser Unsicherheit tragen in erster Linie die Dauer der Corona-Maßnahmen, die unbeantwortbare Frage, wann die Weltwirtschaft sich wieder erholt und die möglichen Veränderungen im weltweiten Agrarhandel bei.

Für die Zukunft der globalen Milcherzeugung spielt zusätzlich zur Corona-Pandemie die Umweltgesetzgebung und das Wetter entscheidende Rollen. Das Thema Treibhausgasemissionen wird längst nicht mehr nur in Ländern wie Deutschland, Niederlande oder Dänemark diskutiert. Auch in Irland und Neuseeland sehen sich die Landwirte mit steigenden gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert.

Maßgeblich für den Ausblick auf die kommenden Monate dürfte allerdings das Wetter sein: Nach teils verheerenden Dürren und Wetterkapriolen in den vergangenen zwei Jahren haben sich die Wetterbedingungen in vielen „Milchregionen“ der Welt deutlich verbessert. Damit dürften zumindest die Sorgen ums Wetter bei vielen Milchproduzenten vorübergehend kleiner ausfallen.

Mehr Niederschläge, steigende Milchmengen

Im Vergleich zu 2019 erwartet das USDA denn auch einen Anstieg der Milchproduktionen in den fünf größten Milchexportnationen um 1 %. So sieht es dabei im Detail aus:

  • In der EU, dem größten Milchproduzenten der Welt, stieg in den ersten fünf Monaten dieses Jahres die Milcherzeugung. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lieferten die Landwirte rund 2 % mehr Milch ab. Wegen Frühjahrstrockenheit in einigen Regionen gehen die US-Experten für Mai und Juni zwar von einem Minus der Milchanlieferung aus. Doch lassen die erwarteten gute Produktionsbedingungen für den...


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