Vor der Hauptversammlung

Nordzucker AG: Aktionäre wollen Vorstand nicht entlasten

Bei der Nordzucker brodelt es. Schlechte Zuckerpreise und eine fragwürdige Auslandinvestition belasten die Zahlen. Einige Aktionäre wollen die Entlastung des Vorstands verhindern.

Wenn am 7. Oktober bei der Nordzucker AG die virtuelle Hauptversammlung (HV) stattfindet, könnte es für den Vorstand und Aufsichtsrat ungemütlich werden. Denn offenbar sind einige Landwirte bzw. Aktionäre mit dem Management derzeit sehr unzufrieden. Im Vorfeld der HV haben mehrere Rübenbauern Gegenanträge gestellt. Der Norddeutsche Zuckerrüben Aktionärsverein (NDZRAV) spricht sich zudem gegen die Entlastung der Gremien aus.

Gegenüber top agrar äußert der NDZRAV folgende Kritikpunkte an der Nordzucker-Führung:

  • Management: Nordzucker AG hat fast 100 Mio. in den Kauf von Mackay Sugar Ltd. (MSL) in Australien gesteckt. MSL schreibt seit 6 Jahren Verluste und es gibt keine Aussicht auf Besserung.
  • Bonuszahlungen: Trotz der zweifelhaften Investition hat der Aufsichtsrat dem Vorstand Bonuszahlungen in Höhe von 1,1 Mio. € bewilligt.
  • Beratung und Kontrolle: Nordzucker hat mit E&Y seit 15 Jahren denselben Wirtschaftsprüfer engagiert. Die Corporate Governance rät zum Wechsel nach spätestens 10 Jahren. Dennoch planen die Gremien keinen Wechsel des Abschlussprüfers.

81 Mio. € Verlust?

Der Aktionärsverein sieht die Nordzucker auch wirtschaftlich in schwierigem Fahrwasser. Es gebe zum zweiten Mal in Folge keine Dividende, den bereinigten Verlust berechnet der Verein auf 81 Mio. € und die Nettoliquidität sei auf 8 Mio. € zusammengeschrumpft. Noch vor drei Jahren habe die AG über 300 Mio. € auf der hohen Kante gehabt.

Eine unnötige Baustelle sehen die Aktionäre bei den Lieferansprüchen. Dem Vernehmen nach, möchte die Nordzucker die Satzung bei der Hauptversammlung ändern. Geplant sei in den Verträgen künftig nicht mehr die Menge, sondern die Fläche anzugeben. Das sieht der Verein kritisch.

Warum will Nordzucker neue Lieferverträge?

Zudem sehen die Rübenbauern keinen Grund die Satzungsänderung so kurzfristig bei einer virtuellen Hauptversammlung zu beschließen. Dort sei keine offene Diskussion unter den Beteiligten möglich. Außerdem seien viele Details der neuen Verträge noch nicht endverhandelt. Eine Zustimmung der Aktionäre zum jetzigen Zeitpunkt käme einem Blankoscheck gleich.

Live-Übertragung im Saal

Angesichts der zahlreichen brisanten Themen überträgt der Aktionärsverein am 7.10.2020 ab 13.30 Uhr die virtuelle Hauptversammlung in einem großen Saal unter Corona-Auflagen. Interessierte Rübenbauern können teilnehmen, müssen sich aber vorab anmelden. Weitere Infos finden Sie unter: www.ndzrav.de

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Diskussionen zum Artikel

von Hubertus Werner

Schlechtes Management

Das Disarstar in Australien war vorauszusehen. Schade um die 100 Million . Dieses Geld hätte den Aktionären und Anbauern zugestanden. Hoffentlich werden es nicht 200 Million. Die Bonuszahlungen sind eine Frechheit H.Werner

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