Uni Köln

Online-Lebensmittelhandel erhielt nur kurzfristig Schub durch Coronakrise

Eine Studie zum deutschen Online-Lebensmitteleinzelhandel in Corona-Zeiten zeigt: Trotz Wachstum ist ein genereller Trend zur Expansion des Online-Lebensmittelhandels nur schwach erkennbar.

Die Corona-Pandemie hat in verschiedenen Sparten des Onlinehandels zu einer starken Zunahme der Nachfrage geführt. Mit den Auswirkungen der Pandemie speziell auf den Bereich des deutschen Online-Lebensmitteleinzelhandels beschäftigt sich eine Studie der Universität zu Köln.

Während des untersuchten Zeitraums vom 10. März bis 15. Mai 2020 gab es, wie Sekundärquellen zeigen, ein überproportional hohes Wachstum im Online-Lebensmittelhandel. So fand laut dem Marktforschungsunternehmen Nielsen ein Wachstum von rund 150 % im März statt.

Die vom Kölner Forschungsteam untersuchte Zeitspanne umfasste „stay home“-Maßnahmen zur COVID-19-Eindämmung und stellte damit laut der Autorenschaft einen günstigen Moment („Window of Opportunity“) für den gesamten Onlinehandel dar. Denn da möglichst das Zuhause nicht ohne wichtigen Grund verlassen werden sollte, wurde so auch das Bestellen über das Internet und die bequeme Lieferung nach Hause plötzlich für einen größeren Kundenkreis als bisher interessant. Trotzdem zeigen die Studienergebnisse jedoch nur einen eher geringen Übergang vom stationären Lebensmitteleinzelhandel hin zum Lebensmittel-Onlinehandel.

„Dass der Online-Lebensmittelhandel nicht stärker profitieren konnte, liegt an den begrenzten Kapazitäten der Unternehmen, die nicht so plötzlich auf die gestiegene Nachfrage reagieren konnten, aber auch an den bestehenden Konsummustern der Kunden", sagt Prof. Dr. Martina Fuchs vom Wirtschafts- und Sozialgeographischen Institut. Für viele Menschen sei gerade der Lebensmitteleinkauf ein wichtiges Erlebnis, das sinnliche Erfahrungen, wie etwa das Fühlen der Ware, anspricht. "Es ist außerdem ein soziales Erlebnis, was gerade während der ‚stay home‘-Maßnahmen wichtig war“, erklärt Fuchs.

Unternehmen beschränken sich weiterhin auf Stadtregionen

Sowohl größere als auch kleinere Unternehmen versuchten mit der gestiegenen Nachfrage zurechtzukommen, erweiterten dabei aber selten ihr Liefergebiet. Beispielsweise beliefert AmazonFresh weiterhin nur Kunden in Hamburg, Berlin, Potsdam und München. REWE konzentriert sich ebenfalls nur auf Stadtregionen in Deutschland. Der Online-Lebensmittelhandel findet also auch unter Corona-Bedingungen vor allem in städtischen Regionen statt.

Das Autorenteam betont, dass unter anderem die Unvorhersehbarkeit der weiteren Entwicklung der COVID-19-Pandemie als Hemmnis für eine Expansion wirkte. Die entstehenden Möglichkeiten für den Online-Bereich durch die Regeln, die das Zuhausebleiben zum Gesundheitsschutz propagierten, blieben außerdem durch die absehbare Kurzzeitigkeit der Maßnahmen limitiert. „Die Lebensmittelhändler konnten nicht absehen, dass sich umfangreiche Investitionen lohnen würden, da sich eine ‚Rückkehr zur Normalität‘ abzeichnete“, sagt Fuchs.

Fazit

Prof. Dr. Peter Dannenberg vom Geographischen Institut ordnet die Ergebnisse ein: „Unsere Studie konnte zeigen, dass es zwar generell einen Digitalisierungsschub während Covid-19 gegeben hat, sich aber kein Umbruch im Lebensmitteleinzelhandel zeigt. Das ist – aus geographischer Sicht – gerade mit Blick auf die Förderung der Versorgung ländlicher Räume in Deutschland ein wichtiger Punkt.“

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