Rabobank erwartet starke Preisbewegungen bei Getreide und Soja

An den internationalen Getreidemärkten ist 2014 mit einem erheblichen Preisrutsch zu rechnen, wenn die politischen Spannungen nicht den Handel mit der Schwarzmeerregion spürbar beeinträchtigen; auch bei den Sojabohnenpreisen sind Abschläge wahrscheinlich. Das prognostiziert die Rabobank in einem aktuellen Marktbericht.

An den internationalen Getreidemärkten ist 2014 mit einem erheblichen Preisrutsch zu rechnen, wenn die politischen Spannungen nicht den Handel mit der Schwarzmeerregion spürbar beeinträchtigen; auch bei den Sojabohnenpreisen sind Abschläge wahrscheinlich. Das prognostiziert die Rabobank in einem aktuellen Marktbericht. Wenn das Finanzinstitut Recht behält, wird die aktuelle Rallye an diesen Märkten bald enden, nachdem der Agrarpreisindex der Ratingagentur Standard & Poor’s seit Ende Januar um ungefähr 20 % und somit so rasch wie zuletzt Mitte 2012 gestiegen war. Die Utrechter Experten führen die zuletzt zu beobachtende Hausse unter anderem auf eine kräftige Risikoprämie zurück, die sich aus der Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Krimkrise und aus ungünstigen Witterungsbedingungen in wichtigen Anbaugebieten ergebe. Je nach Produkt und Marktumfeld erwarten die Analysten für 2014 nun Preisschwankungen in unterschiedlichem Ausmaß.

Weizenpreis wahrscheinlich ab April abwärts

Wie die Bank mit Blick auf den Weizenmarkt ausführt, sind die Weltmarktpreise seit Anfang März um fast 20 % nach oben geschossen. Allerdings sei in der Vermarktungssaison 2014/15 mit einem ausgeprägten Preisdruck zu rechnen, und zwar als Folge des voraussichtlich sehr umfangreichen globalen Angebots an Futtergetreide. Im zweiten Quartal des laufenden Kalenderjahres werde eine Tonne Weizen in den USA im Mittel zunächst wahrscheinlich rund 5,90 $/bu (157 Euro) kosten; das wären 3 % weniger als im laufenden Vierteljahr. Bis zum vierten Quartal werde der Kurs wahrscheinlich weiter sinken, und zwar um weitere 5 Prozentpunkte auf ungefähr 5,60 $/bu (149 Euro). Unter dem Strich ergebe sich für das laufende Jahr ein Durchschnittspreis von 5,84 $/bu (156 Euro/t); das würde gegenüber 2013 ein Minus von 14,5 % bedeuten. Diese Prognose gelte aber nur unter der Voraussetzung, dass der Welthandel mit der Schwarzmeerregion nicht politisch bedingt unterbrochen werde.

Alternatives Szenario mit Preissprüngen

Laut Rabobank wurden die Getreidehandelsströme in Russland und der Ukraine von den politischen Spannungen bislang allerdings kaum beeinträchtigt. Wenn dies aber geschehe, sei mit außerordentlich heftigen Preissprüngen zu rechnen. Die Experten des Geldhauses erinnern an die Jahre 2010 und 2012: Damals seien die Futureskurse an der Terminbörse in Chicago unter anderem als Folge von Trockenheit in der Schwarzmeerregion um 77 % beziehungsweise 54 % gestiegen, was die Wichtigkeit dieser Herkünfte für den internationalen Getreidehandel deutlich mache. In jedem der beiden Referenzjahre hätten die Preise zunächst sechs Wochen lang kräftig zugelegt und sich anschließend auf einem deutlich höheren Niveau stabilisiert. Zumindest setzten die finanzkräftigen Investmentfonds an den US-amerikanischen Terminbörsen in den vergangenen Wochen zunehmend auf steigende Preise, wie dem Bericht der Washingtoner Regulierungsbehörde (CFTC) zu entnehmen ist. Anfang März hielten sie zwar per Saldo noch eine Short-Position, rechneten also eher mit einer Verbilligung der Ware. In den darauffolgenden Wochen bis Mitte März änderten sie aber ihre Meinung, stellten zahlreiche Short-Positionen glatt und wechselten somit auf die Long-Seite.

Trockenheit in den USA stützt Preise zusätzlich

Wie die Utrechter Experten weiter ausführten, trug zur Preisbefestigung der vergangenen Wochen auch der Regenmangel in den Hard Red Winter (HRW)-Weizenanbaugebieten der USA bei, wo die Keimruhe mit dem beginnenden Frühjahr jetzt beendet sei. Die entsprechenden Bonitierungen seien zuletzt deutlich nach unten korrigiert worden. Dieser Effekt werde aber nachlassen, wenn sich im Sommer auf der Nordhalbkugel ein zunehmendes Angebot aus der neuen Ernte abzeichne. Dann sei ein Preis von 5,75 $/bu (153 Euro/t) wahrscheinlich. Diese Erwartung werde unterstützt durch die aktuell günstigen Wachstumsbedingungen in der Schwarzmeerregion und in der Europäischen Union. In der Folge dürften sich die Lagerbestände der wichtigsten Weizenexporteure für die Saison 2014/15 moderat erhöhen. 

Bis zu 6 Prozent Risikoaufschlag für Mais

Im Gegensatz zu Weizen erwarten die Utrechter Experten für Mais im zweiten Quartal 2014 festere Preise: Hier wird im Vergleich zum Durchschnittswert der ersten drei Monate des laufenden Jahres mit einem Plus von 2,2 % auf 4,60 $/bu (131 Euro/t) gerechnet. Als Grund dafür werden Spekulationen genannt, dass sich die Versorgung mit Mais aus der alten Ernte im Zuge der politischen Unruhen in der Schwarzmeerregion verengen dürfte. Das US-Landwirtschaftsministerium prognostizierte in seinem aktuellen Märzbericht für die Saison 2013/14 ukrainische Ausfuhren von insgesamt rund 18,5 Mio t, was 16,2 % des weltweiten Maishandels entspräche. Den politisch bedingten Risikoaufschlag an der Chicagoer Warenterminbörse bezifferte die Rabobank für alterntigen Mais auf 0,20 $/bu (5,70 Euro/t) bis 0,30 $/bu (8,60 Euro/t). Das käme einer Prämie von 4 % bis 6 % bezogen auf den Kurs des Maifutures gleich, der am Dienstag vergangener Woche (25.3.) gegen 10:30 Ortszeit für 488 $/bu (139 Euro/t) gehandelt wurde. Allerdings werde dieser Aufschlag nur von kurzer Dauer sein, denn bislang fließe Mais wie Weizen problemlos aus der Ukraine ab. 

Ernteprognosen neutral bis optimistisch

Nach Ansicht der Rabobank sind die mittelfristigen Perspektiven für die Maiskurse wie bei Weizen „bärisch“. Für das dritte Quartal liegt die Prognose des Finanzinstituts bei 4,40 $/bu (126 Euro/t) und für das vierte Quartal sogar bei nur noch 4,20 $/bu (120 Euro/t); das entspräche gegenüber dem geschätzten Preis für die ersten drei Monate dieses Jahres einem Minus von 2,2 % beziehungsweise 6,7 %. Die Gründe für die erwarteten Preisabschläge seien zum einen in den voraussichtlich zunehmenden Verkäufen der Landwirte angesichts des attraktiven Preisniveaus zu sehen. Außerdem fielen die globalen Lagerendbestände 2014 höher als in den vergangenen fünf Jahren aus. Für das Gesamtjahr ergeben sich ein durchschnittlicher Erwartungspreis von 4,43 $/bu (127 Euro/t), der somit 23,2 % unter dem Vorjahreswert liege.

Blick nach Amerika

Die Maisernteprognosen für das noch laufende Wirtschaftsjahr 2013/14 schätzt die Rabobank als neutral bis optimistisch ein: Im März habe die dem Agrarressort in Brasília zugeordnete Versorgungsgesellschaft Conab ihre Vorhersage für die Ernte im eigenen Land nur um 0,3 Mio t auf 75,2 Mio t nach unten korrigiert. Das spreche dafür, dass sich die trockenheitsbedingten Ertragseinbußen in wichtigen Anbauregionen Brasiliens weniger negativ auf die globalen Maislagermengen auswirken dürften, als von den Marktakteuren ursprünglich erwartet worden sei. Nun richtet sich ihr Blick wieder zunehmend auf die Anbaupläne der Landwirte auf der Nordhalbkugel. Auf der Basis der Preisverhältnisse von Weizen zu Mais mit 1,4 sowie von Sojabohnen zu Mais mit einem Rekordwert von 2,5 sei für die USA mit einer Maisfläche von ungefähr 37,6 Mio ha zu rechnen. Dieses Niveau wirke neutral auf die Preise, wogegen ein Areal von weniger als 37 Mio ha bei schlechtem Wetter rasche Preisaufschläge zur Folge haben könnte. 

Brasilianische Sojaexporte angelaufen

Für Sojabohnen ist die Preisprognose 2014 der Banker im Quartalsvergleich pessimistischer als für Mais und Weizen: Für das erste Quartal wird ein Sojapreis von 13,50 $/bu (360 Euro/t) veranschlagt; bis zum vierten Quartal soll dieser um 14,1 % auf 11,60 $/t (309 Euro/t) im Mittel sinken. Das Finanzinstitut begründet seine „bärische“ Vorhersage mit chinesischen Stornierungen von Bohnengeschäften mit den USA; in der näheren Zukunft dürften die Chinesen weniger US-Ware nachfragen und sich alternativ in Südamerika eindecken. Dort zeichne sich nämlich eine Rekordernte ab, und die brasilianischen Exporte seien mittlerweile in Gang gekommen. Die brasilianische Versorgungsgesellschaft Conab habe zwar im März ihre Prognose für die Ernte im eigenen Land um 2,5 Mio t auf 85,4 Mio t herabgesetzt; das wäre aber immer noch eine Rekordernte, die das Aufkommen im vergangenen Jahr um 3,4 Mio t übertreffen würde. In Argentinien seien mittlerweile 54,5 Mio t zu erwarten, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 0,5 Mio t entspräche. Die Exporte dieser beiden Länder dürften sich 2013/14 auf insgesamt 55 Mio t summieren; das wären 17 % mehr als in der vorhergehenden Saison. Mit Blick auf die Nordhalbkugel sei außerdem davon auszugehen, dass die US-Farmer angesichts des aktuell überaus günstigen Preisverhältnisses von Soja zu Mais im Mai auf einer Fläche von 31,8 Mio ha Sojabohnen für die neue Ernte 2014/15 anbauen dürften; somit würden sie das Areal im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 % ausdehnen. AgE

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