Rabobank prognostiziert steigenden Zuckerpreis

Nachdem der Zuckerpreis am Weltmarkt seit Anfang Februar kräftig gesunken ist, erwartet die Rabobank nun eine Befestigung. In der EU erwarten die Experten nach dem Quotenende deutlich mehr Ware.

Nachdem der Zuckerpreis am Weltmarkt seit Anfang Februar kräftig gesunken ist, erwartet die Rabobank nun eine Befestigung. So prognostizieren die Utrechter Experten für das zweite Quartal 2017 einen durchschnittlichen Kurs an der New Yorker Terminbörse für Rohzucker von 17,70 cts/lb (365 Euro/t). Im dritten Quartal soll der Preis auf 17,80 cts/lb (367 Euro/t) steigen, und in den verbleibenden drei Monaten dieses Jahres bei etwa 18,00 cts/lb (372 Euro/t) liegen.
 
Aktuell wird der Maikontrakt an der New Yorker Börse für etwa 16,70 cts/lb (345 Euro/t) gehandelt; das war im Vergleich zum Jahreshoch vom 6. Februar ein Minus von gut 20 %. Im gleichen Zeitraum verbilligte sich der Future auf Weißzucker mit Fälligkeit im August an der Agrarterminbörse Liffe in London um 14,1 % auf 475 $/t (445 Euro/t).
 
Als Ursache für die jüngste Baisse sieht die Rabobank unter anderem die von den Marktakteuren als schwach wahrgenommene internationale Nachfrage in Kombination mit physischen Rekordanlieferungen für den abgelaufenen New Yorker Märzfuture sowie die zunehmende Unsicherheit über die indischen Importe in diesem Jahr. Als weiterer Grund werden die niedrigeren Rohölpreise genannt, die sich mittlerweile aber spürbar erholt haben.
 
Für die im September endende Vermarktungssaison 2016/17 rechnet die Rabobank - wie bisher - mit einem globalen Angebotsdefizit von 6,8 Mio t Rohzucker, auf das im nächsten Wirtschaftsjahr ein Überschuss von voraussichtlich 2 Mio t bis 3 Mio t Rohzucker folgen könnte. Diese Erwartung habe die Futureskurse zuletzt ebenfalls belastet, hieß es.

Zuckerrohrernte in Brasilien gestartet

Mit Blick auf die weltweiten Lagerendbestände erwartet die Rabobank für 2016/17 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um etwa 6 Mio t oder 9 % auf 61 Mio t Zucker in Rohwert. Diese Menge würde nur etwa einem Drittel der erwarteten Nachfrage entsprechen; das wäre die knappste Versorgungslage seit 2009/10. Nach Einschätzung der Banker dürfte sich diese Relation im kommenden Zuckerwirtschaftsjahr als Folge des wahrscheinlich geringen Produktionsüberschusses nur moderat erhöhen.
 
Unterdessen hat in Brasilien, dem weltgrößten Zuckerproduzenten und -exporteur, die Zuckerrohrernte begonnen. Das betreffende Aufkommen sehen die Utrechter Fachleute bei 580 Mio t bis 590 Mio t, nach 605 Mio t im Vorjahr. Außerdem soll die Qualität der Ware diesmal etwas besser ausfallen. Wieviel Zuckerrohr dort schließlich zu Zucker verarbeitet wird, hängt vom Preisverhältnis von Zucker zu Ethanol ab.

Liefervereinbarungen entscheidend

Mit Blick auf die EU, die der drittgrößter Zuckererzeuger und -importeur der Welt ist, erwartet die Rabobank für dieses Jahr ein Zuckerrübenareal, das den Fünfjahresdurchschnitt von rund 1,5 Mio ha übertrifft. Unter der Annahme eines Rübenaufkommens im Rahmen des Mittelwertes der vergangenen fünf Jahre halten die niederländischen Analysten eine EU-Rohzuckererzeugung 2017/18 von 19 Mio t bis 20 Mio t für wahrscheinlich, verglichen mit schätzungsweise 16,6 Mio t im laufenden Wirtschaftsjahr. Die größten Zuwächse werden dabei für Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande erwartet.
 
Als wichtigste Bestimmungsfaktoren für den Zuckerausstoß der EU in den kommenden Jahren sieht die Rabobank die Liefervereinbarungen zwischen den Anbauern und den Verarbeitern. Allerdings hätten sich die Verhandlungen über die Zuckerrübenpreise in einigen Mitgliedsstaaten in den vergangenen anderthalb Jahren als große Herausforderung erwiesen; vor allem in den nicht genossenschaftlich organisierten Vermarktungsketten in Frankreich, Belgien und Polen habe es Probleme gegeben. Wichtigster Streitpunkt sei die Anpassung der Rübenpreise an die Entwicklung der Zuckerpreise gewesen. Nach Ansicht der Banker sind die nicht genossenschaftlich organisierten Verarbeiter nun zunehmend gefordert, Gewinnsteigerungen direkt mit ihren Lieferanten zu teilen. Dagegen profitierten die genossenschaftlichen Rübenlieferanten von Dividenden und Prämien.

EU-Zuckerpreis im Aufwind

Wie die Rabobank mit Blick auf den internationalen Zuckerhandel ausführte, dürften die Importe der EU 2016/17 rückläufig sein, nachdem sie in den vorhergehenden beiden Jahren bereits unter dem jeweiligen Vierjahresdurchschnitt gelegen hatten. Der Löwenanteil der EU-Rohzuckerimporte kam aus Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifik (AKP-Staaten) sowie aus den am wenigsten entwickelten Ländern im Rahmen des Handelsabkommens „Alles außer Waffen“ (EBA). Die betreffenden Liefermengen sind allerdings nach aktuellen Daten der EU-Kommission seit Monaten rückläufig.
 
Unterdessen legte der EU-Zuckerpreis zu: Die Brüsseler Behörde meldete in ihrem Anfang April veröffentlichten Preisbericht für diesen Januar einen durchschnittlichen Erlös von 495 Euro pro Tonne Weißzucker; das waren 15,9 % mehr als im Vorjahresmonat und 1 % mehr als im Dezember 2016. Ein höherer Preis war zuletzt im September 2014 verzeichnet worden. AgE

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