10-Punkte

Westfleisch will Fleischarbeiter einstellen und digitale Zeiterfassung einführen

Westfleisch macht mit dem Umbau der Fleischbranche ernst und will notwendige Schritte künftig viel konsequenter als bisher umsetzen. So kommt jetzt die digitalen Zeiterfassung.

Westfleisch will eine elementare Wende herbeiführen: „Heute leiten wir mit dem 10-Punkte-Zukunftsprogramm einen Prozess ein, mit dem wir in unserer Branche die richtigen Maßstäbe setzen wollen – vertrauensvoll und zuverlässig“, erklärt Carsten Schruck, Finanzvorstand der Westfleisch SCE.

„Der Fokus unseres Programms, das eine wichtige Weiterentwicklung unseres Leitbildes ist, liegt auf der Übernahme von deutlich mehr Verantwortung für Mensch, Tier und Gesellschaft. Wir wollen uns noch mehr um die Mitarbeiter kümmern, mehr Tierwohl schaffen, eine höhere Sicherheit für die Landwirte und eine bessere Einbindung der lokalen Interessen vor Ort.“

In den vergangenen Jahren habe Westfleisch zwar bereits viele Dinge in die richtige Richtung angestoßen, „doch in der Umsetzung haben wir uns zu oft abbremsen lassen“, sagt Vorstandskollege Steen Sönnichsen. „Für die Zukunft unserer bäuerlichen Genossenschaft ist es ganz entscheidend, dass wir konsequenter als bisher die notwendigen Schritte einleiten und tatsächlich auch gehen.“

Konkret will Westfleisch zum Beispiel bis Jahresende alle Mitarbeiter selber anstellen. „Und das gilt unabhängig davon, was der Gesetzgeber in den kommenden Monaten in dieser Hinsicht beschließen wird“, erklärt Johannes Steinhoff, im Vorstand für den Bereich Weiterverarbeitung verantwortlich.

Allen Mitarbeitern und deren Familien werde damit eine Zukunft und Perspektive innerhalb von Westfleisch geboten; der Integrationsprozess werde in Abstimmung mit den langjährigen Werkvertragsunternehmen vollzogen.

Weitere Punkte des Zukunftsprogramms sind unter anderem die flächendeckende Einführung der digitalen Zeiterfassung, das Sicherstellen von angemessenem Wohnraum sowie die Stärkung der regionalen Landwirtschaft. Steinhoff verweist auch auf die vergangenen Jahre: „Als Genossenschaft haben wir ein anderes Grundverständnis und verfolgen eine andere Philosophie als viele unserer Wettbewerber.“ So seien zum Beispiel bereits in den vergangenen Jahren über 2.000 externe Werkvertragsarbeiter ins Unternehmen reintegriert worden und viele Tierwohlprojekte erst auf Betreiben Westfleischs hin gestartet worden. „In den vergangenen Wochen mussten wir jedoch erfahren, dass es nicht reicht, ‚mehr zu machen’ oder ‚besser als viele andere’ zu sein. Die Messlatte liegt – zu Recht – höher.“

Das 10-Punkte-Zukunftsprogramm von Westfleisch

1. Werkverträge: Westfleisch stellt alle Mitarbeiter selbst ein In den kommenden sechs Monaten werden wir alle Beschäftigten selbst einstellen und in unsere Genossenschaft aufnehmen. Damit übernimmt Westfleisch künftig selber die Verantwortung für seine Beschäftigten und wird auf entsprechende Werkvertragsanbieter verzichten.

2. Flächendeckende Einführung der digitalen Zeiterfassung Bereits heute setzen wir bei unseren eigenen Mitarbeitern eine elektronische Zeiterfassung ein. Diese werden wir sukzessive auch auf die Werkvertragsmitarbeiter ausweiten, bis diese in den Konzern übernommen werden.

3. Konzernweite Mitbestimmung leben Bei Westfleisch gibt es bereits seit Jahren mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ausgehandelte Tarifverträge, eine lebendige Arbeitnehmermitbestimmung und funktionierende Betriebsräte. Den offenen Dialog mit der NGG wollen wir weiter mit Leben füllen.

4. Angemessene Wohnsituation sicherstellen Mit dem weiteren Ausbau der unternehmenseigenen Dienstleistungsgesellschaft WE-Service forciert Westfleisch die aktive Wohnraum-Beschaffung für die Mitarbeiter. Auf diese Weise wollen wir dafür sorgen, dass die Standards der Unterkünfte künftig überall verlässlich oberhalb der gesetzlichen Regeln liegen.

5. Integrationsbeauftragte für jeden Standort Der Integrationsbeauftragte von Westfleisch steht jedem Mitarbeiter als Ansprechpartner rund um alle sozialen Belange (Unterkunft, Hilfen im Alltag insbesondere in Richtung Kita, Schule und Behörden, etc.) zur Verfügung – ein Angebot, das nun weiter ausgebaut werden wird.

6. Überarbeitetes Hygienekonzept erhöht den Arbeitsschutz Als Konsequenz aus den Vorgängen im Mai entwickelte Westfleisch das bestehende Hygienekonzept für Pandemiezeiten weiter: Der Fokus liegt auf der wöchentlichen Testung aller produktionsnah Beschäftigten, dem Entzerren der Produktionsprozesse und auf der noch stärkeren Schulung und Kontrolle der Einhaltung der Hygieneregeln.

7. Regionale Landwirtschaft stärken – mehr Tierwohl schaffen Wir wissen: Unsere regionalen Landwirte würden die gesellschaftlichen Wünsche nach mehr Umweltschutz und Tierwohl gerne erfüllen – jedoch müssen diese von Handel und Verbraucher auch honoriert und bezahlt werden. Damit die Landwirte eine sichere Zukunftsperspektive haben, wollen wir entsprechende Programme gemeinsam mit unseren Partnern im Handel noch stärker voranbringen.

8. Stärkere Integration in die Gemeinschaft vor Ort Seit über 90 Jahren ist Westfleisch tief in Nordwestdeutschland verwurzelt. Unsere Verbindungen vor Ort haben wir aber in den vergangenen Jahren zum Teil noch nicht gut genug gepflegt – das wollen wir verbessern, Interessen lokaler Gruppen stärker einbeziehen und uns auch deutlich intensiver als bisher in das soziale und gesellschaftliche Leben vor Ort einbringen.

9. Mit starken Handelspartnern die Versorgung sichern Westfleisch legt hohen Wert auf vertrauensvolle und feste Beziehungen zu den Handelspartnern. Diese wollen wir weiter intensivieren. Denn gemeinsam mit ihnen können wir die Versorgung der Bevölkerung mit regionalen und qualitativ hochwertigen Produkten sicherstellen. Unser absoluter Fokus wird dabei auch künftig auf dem inländischen Markt liegen.

10. Klare Nachhaltigkeitsstrategie Westfleisch investiert laufend und in hohem Maße in die Qualität und Sicherheit seiner Produkte – und dies entlang der gesamten Produktionskette. Diese Nachhaltigkeit, die ein ganz entscheidendes Element unseres Selbstverständnisses ist, wollen wir künftig in jeglicher Hinsicht leben

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