Edmund Rehwinkel-Stiftung

Wissenschaftler diskutierten Zukunft des LEH Plus

Um die Frage zu klären, wie die künftige Rolle des Lebensmitteleinzelhandels in der Wertschöpfungskette aussieht und wo die Bauern da ihren Platz haben, stellten fünf Wissenschaftler ihre Studien vor.

Um die künftige Rolle des Lebensmitteleinzelhandels in der Wertschöpfungskette, um Chancen, Perspektiven und Risiken ging es am Mittwochmorgen beim 30. Symposium der Edmund Rehwinkel-Stiftung der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Unter Moderation von top agrar-Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann stellten fünf Wissenschaftler in Impulspräsentationen ihre Untersuchungsergebnisse in der als Videokonferenz durchgeführten Veranstaltung vor 135 Teilnehmern vor. (Zu den Videos)

Weltmarkt gibt Preise vor, nicht der deutsche LEH

Mit einem interessanten, etwas älteren Zeitungs-Kommentar des Agrarjournalisten Ralf Judisch aus Schleswig-Holstein stieg Prof. Dr. Jens-Peter Loy von der Universität Kiel in seinen Vortrag zur Wertschöpfungskette bei Milch und Butter ein. Judisch hatte geschrieben:

„Neulich am Kühlregal im Supermarkt: Das Stück Butter der Handelsmarke ist mit 99 ct ausgepreist. Darüber liegt die nächstteurere Markenbutter für 1,69 €. Ein Unterschied von 70 ct. Ein Blick zur Milch: Hier ist der Liter Handelsmarke für 59 ct, daneben – gleicher Fettgehalt, gleiche Verpackung, gleiche Haltbarkeitsdauer – die nächstteurere Markenmilch aus derselben Meierei für 1,09 €; Unterschied 50 ct. Die Gründe für das Gefälle in dem Laden, der kein Discounter ist, dürften so schwer zu erläutern und nachzuvollziehen sein wie das ständige Rauf und Runter der Kraftstoffpreise. In aller Regel nimmt der Verbraucher das als gottgegeben hin und greift dort zu, wo es seinem Geldbeutel am liebsten ist: zum niedrigsten Preis. Wohl wissend, dass er in puncto Qualität keinerlei Abstriche machen muss, weil Butter und Milch Milch ist. Das Fatale: Was die Verbraucher freut, macht den Urproduzenten schwer zu schaffen.“

Dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in Deutschland wird laut Prof. Loy eine marktbeherrschende Stellung nachgesagt. „Die landwirtschaftliche Praxis vermutet, dass der LEH seine Marktmacht nutzt, um Einkaufspreise zu drücken und folglich ist er verantwortlich für die „zu“ geringen Milchauszahlungspreise an die Landwirte.“ Loy stellt aber die Gegenthese auf, dass der LEH Einkaufspreise auf Basis der internationalen Referenzpreise für Standardmilchprodukte verhandelt und diese Preisentwicklungen auch an die Verbraucher weitergibt. Die Auszahlungspreise der Molkereien folgen ebenfalls den internationalen Referenzpreisen.

In folgender Grafik ist zu erkennen, dass Ozeanien unseren Preisen immer voraus ist und die Richtung vorgibt.

Ähnliches Bild bei der Rohmilch. Die Bewegungen der internationalen Märkte werden in Deutschland mitgegangen, die deutschen Molkereien scheinen die Preise aber etwas zu glätten.

Folgende Grafiken beleuchten den Zeitraum 2005 bis 2012:

Zusammenfassend hält Prof. Loy fest, dass die wesentlichen Impulse für den deutschen Milchmarkt aus der Interaktion mit den Weltmärkten für Standardmilchprodukte stammen. Insbesondere Handelsmarken spiegelten diese Preisentwicklungen nahezu eins zu eins wider. Das gilt für die Eigenmarken im traditionellen LEH genauso wie für die Eigenmarken der Discounter. Diese Impulse würden einerseits durch die Molkereien an die Landwirte weitergegeben. Andererseits würden sie die Grundlage für die Verhandlungen der Molkereien mit dem Lebensmitteleinzelhandel darstellen.

„Mit Herstellermarken können preispolitische Spielräume eröffnet werden. Wenn Landwirte davon profitieren wollen, dann müssen sie im Besitz der Marken sein oder zumindest Einfluss auf diese haben, indem ihre Rohprodukte spezifische, nicht austauschbare Eigenschaften aufweisen“, so der Professor abschließend.

In der späteren Diskussionsrunde ermutigte Loy Landwirte, Hersteller und Handel,...

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Diskussionen zum Artikel

von Gerd Schuette

.

Wenn dieser Weg weiter beschritten wird, dann wandert auf Dauer gesehen ein großer Teil der Milchproduktion in Länder mit niedrigeren Produktionskosten ab.

von Gerald Hertel

Leider

gibt der Weltmarkt nur die Preise vor , in Deutschland gibt es höhere Bedingungen zur Produktion und ein hohes Lebens- und Lohnneveau und alles für den Produzenten zum Nulltariv. Eigentlich müßte doch jeder wissen, dass dieser Weg eine Sackgasse ist

von Rudolf Rößle

Gegenfrage

wieso sollen wir dann für PSM und Medikamente mehr bezahlen, als den üblichen Weltmarktpreis? Die Liste kann beliebig fortgeführt werden.

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