Aiwanger zu Energiewende: "Mehr Windräder, keine Erdkabel!"

Bayerns Energieminister spricht sich in Weihenstephan gegen unterirdische Stromtrassen aus und fordert, dass Kommunen die 10H-Regelung für Windräder nicht mehr anwenden.

Zum 10-jährigen Jubiläum des Studiengangs „Management erneuerbarer Energien“ der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) fand am Standort Freising eine Podiumsdiskussion zum Thema „Die Zukunft der erneuerbaren Energien in Bayern“ statt.

Seit 123 Jahren wisse die Menschheit über den Zusammenhang zwischen CO2 und dem Klima. Mit diesem Fakt begrüßte der Präsident der Hochschule Dr. Eric Veulliet die Teilnehmer der Veranstaltung. Wieso wird also nicht schon seit Jahrzehnten nachhaltig etwas an der derzeitigen Situation geändert? Noch heute liegt der Erdölverbrauch bei 90 Millionen Barrel pro Tag und der Verbrauch von Kohle bei 22 Millionen Tonnen. Obwohl Greta Thunberg fordert, dass wir alle in Panik geraten sollen, rät Dr. Veulliet, dass es die Aufgabe der Wissenschaft sei auf die Herausforderungen einzugehen, jedoch nicht panisch, sondern überlegt. Mit dem Denkanstoß, dass Nachhaltigkeit nur funktioniert, wenn sowohl die Gesellschaft, die Ökonomie als auch die Ökologie harmonieren, gab er das Wort an Herrn Aiwanger.

Aiwanger baut selbst Energiepflanzen an

Hubert Aiwanger, der mit seiner Partei den Freien Wählern im bayrischen Landtag vertreten ist, hat selbst an der HSWT Landwirtschaft studiert und baut auch heute noch auf seinem Hof in Niederbayern Durchwachsene Silphie als Ausgangsstoff zur Biogasproduktion an. Für ihn ist es eine große Herausforderung die Energiepolitik zu meistern und auf erneuerbare Energien umzusteigen. Beim Austritt aus der fossilen Energiegewinnung sei viel Fingerspitzengefühl gefragt. Zudem ist es für Bayern wichtig stetig autarker zu werden und damit weniger vom Import abhängig zu sein. Eine eigene Einspeisung erneuerbarer Energien spart Geld. Um sein Ziel, den Umstieg auf erneuerbare Energien, zu erreichen ist jedoch ein gesamtgesellschaftlicher Erkenntnisgewinn erforderlich.

"Photovoltaik hat das größte Potenzial in Bayern"

Potential sieht Herr Aiwanger in jeder Energietechnik, es muss nur die richtige Nische dafür gefunden werden. Im Transportwesen liege die Zukunft beim Gas, sei es Methan oder Wasserstoff, und für die Versorgung von Haushalten sind Vorteile bei Hackschnitzel- oder Pelletheizungen zu erkennen, da 90 % der bayerischen Wälder zu dicht bewachsen sind. Das größte Potential hat, laut Herrn Aiwanger, jedoch die Sonnenenergie. Für 2019 wurden nur 30 Freiflächen genehmigt. Zudem sind noch zu viele vorhandene Dächer ohne Photovoltaikanlagen. Bezüglich der Windenergie ist ein bestehendes Problem die 10H-Regelung sowie die Akzeptanz der Bevölkerung. Die Kommunen sollten für mehr Akzeptanz sorgen und die Regel lockerer handhaben (siehe Video).

Wirtschaft fordert CO2-Steuer

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion waren neben Herrn Aiwanger und Dr. Veulliet auch Ove Petersen und Florian Henle, als Vertreter der freien Wirtschaft, und David Fleischmann und Martina Weber, als studentische Vertreter, anwesend. Diskutiert wurden die Chancen der erneuerbaren Energien und in welche Richtung sich Bayern hier entwickeln will. Ein wichtiger Ansatzpunkt sei bei den Verbrauchern. Diese sollten ihr Konsumverhalten überdenken und die Macht, die sie als Wähler haben, nutzen. Vom Publikum wurde gefordert die Vorschriften zu entschlacken und die Tank-Teller-Debatte nicht zu vernachlässigen. Die beiden Vertreter der Wirtschaft sprachen sich für die CO2-Steuer aus.

Herr Aiwanger dagegen gab die Verlagerung der fossilen Energieerzeugung in Drittländer zu bedenken. Herr Fleischmann, als frischer Berufseinsteiger, wies den stellvertretenden Ministerpräsidenten auf eine Unstimmigkeit zwischen dem Koalitionsvertrag und dem Pariser Klimaabkommen hin. Ein entscheidender Punkt, in dem sich jedoch alle einig waren, ist eine regionale Umsetzung der Energiewende, um die Bedürfnisse aller Verbraucher in Bayern in Zukunft durch erneuerbare Energien befriedigen zu können.

Alle Infos zum Studiengang "Management erneuerbarer Energien" in Weihenstephan finden Sie hier.

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Artikel geschrieben von

Claus Mayer

Redakteur SÜDPLUS

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