Mütterliche Sauen für den Biobetrieb

Brauchen Bioschweinehalter besondere Sauen- und Eberlinien für ihren Betrieb? top agrar hat das Thema mit Praktikern, Beratern und Zuchtunternehmen diskutiert.

Freies Abferkeln gehört für Bioferkelerzeuger schon lange zum Alltag. Aber auch in der konventionellen Schweinehaltung rücken durch die neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zunehmend Abferkelbuchten in den Fokus, die den Sauen mehr Bewegungsfreiheit bieten sollen. In der Bioschweinehaltung sind Abferkelbuchten mit einer Fläche von 7,5 m² und zusätzlichen 2,5 m² Auslauf Pflicht. Die Säugezeit beträgt zudem mindestens 40 Tage.

Bioferkelerzeuger stellen deshalb besondere Ansprüche an die Genetik bzw. die Zucht. Nicht nur das Verhalten der Sauen beim Abferkeln ist entscheidend, sondern auch der Einfluss von langen Säugezeiten und die Gruppentauglichkeit sind wesentliche Punkte für die Ferkelerzeuger. Doch ist die Zucht auf Ökomerkmale angesichts der geringen Anzahl von Biosauenhaltern überhaupt ein Thema?

Im zweiten Teil unserer Serie „Bioschweine“ hat top agrar bei Praktikern, Beratern und Zuchtunternehmen nachgefragt, welche Zuchttrends sie in der ökologischen Schweinehaltung sehen.

Regeln für den Zukauf

Bei Ulrike Westenhorst, Bioberaterin der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, häufen sich aktuell die Anfragen für eine Umstellungsberatung von Konventionell auf Bio. „Sauenhalter können ihre Tiere mit in die Umstellung nehmen“, erklärt die Beraterin. Die Umstellungszeit beträgt sechs Monate. In der Regel stocken die Betriebe in dieser Zeit ihren Sauenbestand ab und nehmen die besten und jüngsten Sauen mit in die Ökohaltung.

„Pro Jahr dürfen Biosauenhalter aber maximal 20% ihres Sauenbestandes aus konventioneller Aufzucht zukaufen“, sagt Westenhorst. Und auch nur dann, wenn Ökosauen nachweislich nicht verfügbar sind. Bei einer Rassenumstellung, einer Bestandsaufstockung oder -erneuerung kann der Anteil bei einer Genehmigung der Kontrollbehörde auf bis zu 40% steigen. Neu ab Januar 2022 ist zudem die Online-Datenbank „organic x livestock“, in der Schweinehalter direkt einsehen können, ob bzw. welche Biotiere verfügbar sind.

Ausgeglichene Zuchtziele

Derzeit werden Ökojungsauen nach Aussage von Beraterin Ulrike Westenhorst gut nachgefragt. „Der große Vorteil ist, dass die Tiere die Biohaltung dann schon kennen“, sagt die Expertin.

Die Anpassung an alternative Haltungssysteme ist für die Zuchtunternehmen deshalb durchaus ein Thema. „Die Zuchtmerkmale zwischen der konventionellen und ökoorientierten Zucht sind weitgehend identisch. Die Schwerpunkte sind jedoch anders verteilt“, betont Dr. Hubert Henne,...