Integrierter Pflanzenschutz: Einem Phantom auf der Spur

Marienkäfer an Ähre Der Integrierte Pflanzenschutz ist eine Methode, die sich auf biologische, technische, pflanzenzüchterische sowie anbau- und kulturtechnische Maßnahmen konzentriert und die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß beschränkt.
Bild: Maren Beßler/ pixelio.de

Die Diskussion um den Integrierten Pflanzenschutz ist etwas aus der Mode gekommen. In einer aufgeheizten gesellschaftlichen Debatte um den Pflanzenschutz an sich, wollen Forscher der Methode und ihren Potenzialen wieder zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Landwirte können dabei helfen.

Wer mit Pflanzenschutzmitteln umgeht, benötigt einen Sachkundenachweis. Dazu gehört auch Know-how über den „Integrierten Pflanzenschutz“ (IPS). Welchen Stellenwert der IPS für Landwirte in der Praxis hat, will die agrathaer GmbH aus Müncheberg, eine Ausgründung des dortigen Leibnitz-Institutes für Agrarlandforschung (ZALF), erfahren.

Gemeinsam mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) hat agrathaer eine Umfrage zum IPS gestartet und bittet möglichst viele Landwirte um eine Teilnahme daran. Welche Erwartungen verbinden Landwirte mit dem Thema „integrierter Pflanzenschutz“ (IPS) und was muss an Informationen rüberkommen, damit IPS umgesetzt wird, lauten laut den Machern der Umfrage die zentralen Aspekte der Umfrage. Die Wissenschaftler wollen anhand der Ergebnisse der Umfrage dann eine Kommunikationsstrategie für den integrierten Pflanzenschutz (IPS) entwickeln.

„Uns interessiert die Meinung der Praktiker zum integrierten Pflanzenschutz“, sagt Katharina Schmidt von agrathaer. Vieles spreche dafür, dass zwar Informationen über den integrierten Pflanzenschutz (IPS) existierten, diese sich aber weder in der Praxis noch in der öffentlichen Debatte widerspiegelten. „Ein wenig sind wir einem Phantom auf der Spur“, so die Projektkoordinatorin.

Damit sich das ändert, hat agrathaer Ende vergangener Woche die Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gestartet. Es gehe darum zu klären, ob und wie Landwirte den integrierten Pflanzenschutz (IPS) anwenden. „Vor allem möchten wir erfahren, was die Erzeuger über den integrierten Pflanzenschutz wissen und wie das Know-how künftig besser vermittelt werden kann“, erläutert Schmidt.

Großen Wert legt agrathaer nach eigenen Angaben auf die anonyme Auswertung. Es würden keine Rückschlüsse auf die Teilnehmer gezogen. Die erhobenen Daten verwendet agrathaer ausschließlich im Rahmen des Forschungsvorhabens mit dem Namen „Wissenstransfer und Kommunikation im integrierten Pflanzenschutz“, heißt es. Zusätzlich zu den Landwirten richtet sich die Umfrage auch an alle, die sich beruflich mit dem Thema „Pflanzenschutz“ beschäftigen.

Hier geht es zur Umfrage: https://ips-agrathaer.ontopica.de

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerhard Steffek · 1.
    Sehr geehrter Herr Kakau,

    ich lebe in einer der schönsten Gegenden Deutschlands. Ich arbeite da wo andere gerne in den Urlaub fahre, nämlich in Oberbayern, Chiemseeregion. Mittlerweile komme ich aber auch viel in Deutschland rum und halte da auch die Augen offen. Es gibt viele schöne Ecken, man muß sie nur sehen und zu würdigen wissen. Wenn sie jetzt den IPS anzweifeln, dann nehme ich an das das eher gefühlt ist, als eine reale Tatsache. Bei ihrem 40 % Anteil von Raps oder Kartoffeln weiß ich jetzt nicht, meinen sie 40 % Raps und 40 % Kartoffeln oder beides zusammen 40 %, also 20 % Raps, bzw. Kartoffel. Ein Anteil von 40 % Raps, bzw. Kartoffel geht aber gar nicht aus phytosanitären Gründen. Bei Raps habe ich eine Fruchtfolge von 3 Jahren, besser 4 Jahren. Deshalb war damals die Diskussion "Tank oder Teller" schon ein grüner Fake, bzw. Panikmache der Medien, weil das Rapsöl im Laden teurer werden würde, wenn man es in den Tank schüttet. Mais, ok wäre möglich, aber in Zeiten des Maiszünslers, bzw. -wurzelbohrers, auch passé. Weizen nach Weizen ist ebenso auf die Dauer ackerbaulicher Selbstmord, noch länger sowieso. Es gibt bei Roggen einen Versuch, da wird seit seit 1878, nur Roggen angebaut (https://de.wikipedia.org/wiki/Ewiger_Roggenbau), aber wie gesagt das ist ein Versuchsfeld. Zur Verdeutlichung meiner Ausführung kann ich ihnen eine eigene Auswertung auflisten. Seit 2012 habe ich die Ergebnisse des "Landessortenversuchsheftes des Erzeugerringes für Pflanzenbau Südbayern e.V. zum integrierten Pflanzenbau für die Landkreise Ebersberg, Rosenheim, Miesbach und Mühldorf ausgewertet. Für den Landkreis Ebersberg (27.000 ha LF), gefühlt stark vom Ackerbau geprägt, habe ich 2015 bei Getreide einen Anteil von (gerundet) 27 %, bei Mais 21 %, so. Ackerfrüchte (mit Raps 560 ha (3,5 %)) 12 % und Grünland 41 %. Ein bißchen stärker auf Feldfutterbau ausgerichtet ist der Landkreis Mühldorf (48.314 ha Lf): 27 % Getreide, 32 % Mais, 10 % so. Ackerfrüchte (Raps 1100 ha (3,3 %)), 31 % Grünland. Miesbach ist hier unbedeutend (92 % Grünland), ebenso Rosenheim (knapp 70 %). Diese Werte haben sich die ganzen Jahre über nicht wesentlich geändert. Ich denke, es ist ersichtlich dass hier die Sache ziemlich ausgewogen ist. Nebenbei bemerkt finde ich ist Raps eine schöne Pflanze und der Honig davon ist auch nicht zu verachten. Ebenso ist doch auch ein blühendes Kartoffelfeld nicht schlecht anzuschauen und ebenso eine gute Bienenweide. Abgesehen davon, dass wir Raps und Kartoffel auch zum "Fressen gerne haben".

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  2. von Joachim Kakau · 2.
    Sehr geehrter Herr Steffek,

    wenn ich Ihre Zeilen lesen, dann muss ich fragen, wo Sie leben? Offensichtlich nicht in Regionen, in denen Raps oder Kartoffeln 40% Anteil an der Ackerfläche haben oder Mais mehr als 50 % oder Weizen mehr als 60 %. Ich musste mich einmal belehren lassen, dass Weizen-Weizen-Weizen-Weizen….. keine Monokultur sei, sondern die „freie ostfriesische Fruchtfolge“. In diesen Regionen werden die Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes tagtäglich missachtet, denn die Fruchtfolge ist eines der wichtigsten Elemente in diesem Konzept. Und wenn Sie Weizenzüchter fragen, welches die entscheidenden Auswahlkriterien für die Sortenwahl sind, dann bekommen Sie sicher die Antwort „Ertrag, Ertrag, Ertrag“. Die Resistenzeigenschaften von Sorten werden doch in den meisten Fällen nur berücksichtigt, wenn der chemische Pflanzenschutz an seine Grenzen kommt (z.B. Gelbrostepidemien in den letzten Jahren, bodenbürtige Schadorganismen). Und abschließend die Fragen an Sie: auf wie vielen Ihrer Flächen lassen Sie bei jeder Pflanzenschutzmaßnahme unbehandelte Kontrollfenster, auf wie vielen führen Sie Erhebungen durch, um den Pflanzenschutzmitteleinsatz nach Schwellenwerten durchzuführen, auf wie vielen erfassen Sie das Auftreten von Nützlingen, um dieses in Ihre Entscheidungen über einen Insektizideinsatz mit einzubeziehen?

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  3. von Paul Siewecke · 3.
    soviel wie nötig, sowenig wie möglich..

    genauso wurde es mir in der Landwirtschaftsschule beigebracht! Auch jetzt als "Öko" wird nach diesem Prinzip verfahren, wenngleich die Mittelauswahl mehr als nur eingeschränkt ist. Synthetische PSM sind dabei ganz verboten. Auch wenn es mir keiner der konventionellen Kollegen glauben mag: der Hauptgrund für den Ertragsmengen-Nachteil bei den Öko-Verfahren besteht im Anwendungsverbot von mineralischen N-Dünger...

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  4. von Gerhard Steffek · 4.
    Integrierter Pflanzenschutz ein Phantom?

    Wo leben diese Forscher? Irgendwo in Hintertupfing, auf Wolke Nr. 7, im Wolkenkuckucksheim oder gar auf dem Mars. Wenn ich nach der Definition gehe die im Bild aufgelistet ist, also: "Der Integrierte Pflanzenschutz ist eine Methode, die sich auf biologische, technische, pflanzenzüchterische sowie anbau- und kulturtechnische Maßnahmen konzentriert und die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß beschränkt", dann gibt es für mich keine Frage, ob der IPS ein Phantom ist. Er ist denke ich von so jedem konventionell wirtschaftenden Betrieb gelebte Wirklichkeit. Die große Ausnahme sind doch nur die Öko's. Aber welcher normale Landwirt versucht nicht bei der Auswahl seines Saatgutes auf gesunde Sorten zu achten, anbau- und kulturtechnische Maßnahmen zu berücksichtigen und die Anwendung chemischen Pflanzenschutzes so gering wie möglich ausfallen zu lassen. Hierzu gibt es dazu passend das schöne Schlagwort: "soviel wie nötig, so wenig wie möglich". Das gebietet doch schon der Kostenfaktorund auch die Acht auf die eigene Gesundheit! Wenn jetzt der Stellenwert des IPS in der Landwirtschaft erfragt werden soll, so ist das für mich ein Hinweis für wie weit sich mittlerweile die Forscherwelt von der Realität entfernt hat.

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