Auch Neustrelitz verbietet Pächtern Glyphosateinsatz

Raps Einige Gemeinden lassen sich von der Anti-Glyphosatstimmung anstecken und beschließen Anwendungsverbote auf ihren Flächen.
Bild: top agrar

Nach dem Vorbild anderer Gemeinden hat nun auch die Stadt Neustrelitz Pächtern der 227 Hektar umfassenden stadteigenen Ackerfläche den Einsatz von Glyphosat und Neonikotinoiden verboten.

Mit Bedauern reagiert Detlef Kurreck, der Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern auf die Entscheidung. Seiner Meinung nach wäre schön, wenn der Rat im Rahmen der Gesetzgebung bleiben würde, denn Glyphosat sei schließlich nicht verboten.
 
„Das gerade erst abgeschlossene Wiederzulassungsverfahren von Glyphosat wurde in Deutschland und der EU von Experten, Gremien, Wissenschaftlern und Praktikern begleitet. Jetzt setzt sich die Stadtvertretung Neustrelitz über alle wissenschaftlichen Erkenntnisse hinweg. Ich bin mir sicher, dass die Stadtvertreter in der Absicht gehandelt haben, der Umwelt etwas Gutes zu tun. Leider haben sie sich bei ihrer Entscheidung nicht von fachlicher Kompetenz, sondern von ideologischen Argumenten leiten lassen, die in der aktuellen Glyphosat-Debatte häufig zu hören waren“, schreibt Kurreck.
 
Er hält dies für bedauerlich, denn damit wird das selbstgesteckte Ziel nicht erreicht und darüber hinaus auch noch massiv in unternehmerische Entscheidungen eingegriffen. Das sei so, als würde eine Stadt dem ortsansässigen Arzt sagen, dass er Medikamente nur noch intravenös und nicht als Pille verabreichen darf.
 
Der Glyphosat-Einsatz ermöglicht laut dem Bauernvertreter oft eine wirtschaftliche, pfluglose Bodenbewirtschaftung und den Anbau von Zwischenfrüchten, die auch Nahrung für Bienen bieten. Ohne Glyphosat muss mehr gepflügt werden. „Allein in Mecklenburg-Vorpommern spart der Glyphosat-Einsatz 7,5 Millionen Liter Diesel ein. Das sind umgerechnet 20.000 Tonnen CO2. Gleichzeitig ist ein Glyphosatverbot ein Rückschritt in Sachen Wind- und Wassererosionsschutz“, so Kurreck.
 
In Bezug auf die Artenvielfalt reduziert Glyphosat, ähnlich wie der Pflug oder die Hacke, lediglich den Pflanzenaufwuchs auf einer Fläche - zum Beispiel vor der Neuaussaat. Dafür werden heutzutage auch vielerorts Blühflächen angelegt, die für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten ein Nahrungsangebot schaffen.
 
Alle von nationalen und internationalen Zulassungsbehörden bisher durchgeführten Risikobewertungen haben ergeben, dass Glyphosat für Mensch, Tier und Umwelt nur gering toxisch ist und damit als weniger gefährlich eingestuft wird als haushaltsübliches Kochsalz. Glyphosat wird nach der Ernte und vor der Aussaat auf das Feld ausgebracht – Lebensmittel kommen damit nicht in Berührung.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Paul Siewecke · 1.
    Laut Gesetz...

    ist auch Klärschlamm erlaubt. Trotzdem haben viele Verpächter die Verwendung auf ihren Flächen untersagt. Warum schreit denn da keiner? Außerdem hat wohl ein Öko-Bauer ohnehin einen großen Teil der betreffenden Fläche gepachtet. Und in Stadtparks und auf Spielplätzen haben PSM eh nichts zu suchen... Und noch was: den konventionellen Pächtern steht es doch frei, den Bewirtschaftungsnachteil geltend zu machen....

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  2. von Wilhelm Gebken · 2.
    Die Muster sind immer die gleichen

    Ob bei den mittelalterlichen Hexenverfolgungen, dem nationalen-Sozialismus, dem inter-nationalen-Sozialismus, den islamischen Säuberungsaktionen oder wie hier bei der neuen ökoreligiösen-Heilsideologie. Der "Glaube" an irgend etwas, nicht der gesunde Menschenverstand, führt zuerst zu Hysterie, dann zu Verunglimpfungen, dann zu Verboten und letztendlich zu Verfolgungen.

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