Bauer Willi: Bis 2021 ist der heimische Zuckerrübenanbau verschwunden

Dr. Willi Kremer-Schillings Dr. Willi Kremer-Schillings
Bild: www.bauerwilli.com

Der Landwirt und Agrar-Blogger Dr. Wilhelm Kremer-Schillings (www.bauerwilli.com) hat mit einem Berufskollegen aus Niedersachsen die Erlöse und Kosten für Zuckerrüben aus dem Erntejahr 2017 verglichen.
Die Ergebnisse sind recht ähnlich, Erlöse und Kosten unterscheiden sich kaum, somit auch der Deckungsbeitrag (= Erlös minus variable Kosten), berichtet der Ackerbauer. Die Fixkosten habe er dabei weggelassen, weil diese von Betrieb zu Betrieb recht unterschiedlich ausfallen.

Prognose 2019 (auf Basis Rheinland)

Die Rekordernte 2017 wird sich laut Kremer-Schillings wohl kaum wiederholen und so habe er einen Ertrag von 800 dt/ha unterstellt, der auch mit den genannten Einschränkungen machbar sein sollte. Aufgrund des übervollen Marktes geht der Rübenanbauer von einem sinkenden Erlös aus (minus 0,30 €/dt), so dass sich ein um rund 600 €/ha niedrigerer Erlös ergibt.

Da die Neonics verboten wurden, sollte der Saatgutpreis sinken (hier minus 50 €/ha). Dünger, variable Maschinenkosten, Saisonarbeitskräfte und Hagelversicherung sollen gegenüber 2017 um einheitlich 3% teurer werden. Durch den Wegfall von Glyphosat und Neonics sollen in dieser Annahme die Kosten für Pflanzenschutz um 130 €/ha steigen (vor allem durch mehrfache und flächige Insektizid-Behandlungen, aber auch durch erhöhten Aufwand (Wegfall Glyphosat) bei der Unkrautbekämpfung in Zuckerrüben). Der Deckungsbeitrag sinkt von 940 €/ha in 2017 auf 198 €/ha in 2019, vermutet der Landwirt.

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Prognose 2021 (auf Basis Rheinland)

Erträge und Erlöse hat Kremer-Schillings bei der Prognose für 2021 gegenüber 2019 unverändert gelassen,  die Kosten für Saatgut, Dünger und Hagelversicherung sollen gegenüber 2017 um 9% steigen. Da ein Verbot eines wichtigen blattaktiven Herbizides im Zuckerrübenanbau im Gespräch ist, hat er dieses dadurch berücksichtigt, dass die Kosten für Pflanzenschutz sinken, die variablen Kosten für Maschinen und Saisonarbeitskräften (mehr Handarbeit) steigen. Obwohl diese Kostensteigerung seiner Meinung nach noch recht moderat ausfällt, wird der Deckungsbeitrag negativ.

Für Betriebe, die nur auf Pachtland wirtschaften bzw. als kalkulatorischer Ansatz für das eingesetzte Kapital Boden wurden bei der Prognose 2019 und 2021 jeweils 700 €/ha angesetzt. Auch das ist laut dem Fachmann relativ moderat, denn noch würden sowohl im Rheinland als auch in Niedersachsen durchaus höhere Pachten bezahlt.

Vom Deckungsbeitrag sind noch die individuellen Fixkosten zu decken. Was danach übrig bleibt, ist dann Gewinn/Verlust, der noch zu versteuern ist. (nur bei Gewinn)

Fazit

Sowohl das Rheinland als auch Niedersachsen gelten als besonders vorteilhafte Regionen für den Zuckerrübenanbau. Aber auch im Pariser Becken, Österreich, Benelux oder Polen werden ähnliche Erträge und Erlöse erreicht. Wenn also schon in den bevorzugten Regionen kein positiver Deckungsbeitrag erwirtschaftet werden kann, wird zumindest beim Szenario 2021 der Zuckerrübenanbau und damit auch die heimische Zuckererzeugung aus Europa verschwinden.

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5 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Wolfgang Schuchard · 1.
    Komisch

    Auf der Versammlung unserer Zuckerfabrik bezüglich des Abschlusses der Lieferverträge für 2019 klang das Alles ganz anders. Demnach ist der aktuelle Preisabsturz eine Folge des zufälligen weltweiten Zusammentreffens von Rekordernten, mit dem man nun wirklich nicht rechnen konnte... Aber mittelfristig rechne man mit einer Erholung der Märkte, sodass man die steigenden Kosten aufgrund des Wegfalls wichtiger PSM schultern könne. Zudem sei man ja intensiv am Forschen nach Alternativen. (Beispielsweise Hack-Roboter, die im Kleinbetrieb wohl unbezahlbar bleiben werden, ...) Solange sei es unbedingt erforderlich, dass man am Ball bleibe, sodass unsere Fabrik nicht schließen müsse, bevor der Anbau sich wieder lohne.

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  2. von Karin Wyss · 2.
    So schnell?

    Das sich im Jahre 2021 der ZRanbau nicht mehr lohnt, kann ich nachvollziehen. Allerdings denke ich nicht das er gleich verschwinden wird. Kulturen werden in der Regel nicht so schnell aufgeben. Man nimmt oftmals auch ein negatives Jahr in Kauf auch die Fruchfolge spielt eine Rolle.

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  3. von Josef Doll · 3.
    Zuckerrüben und Biogas

    sind/waren bei guter Fühtung Gelddruckmaschienen!! Da war es leicht mal mehr Racht zu bezahlen zumal guter Boden auch gute Erträge bringt und schon deshalb für diese Böden mehr Pacht bezahlt werden "muß" !! Die Grünen brauchen keine Quotenmärkte kaputt machen . Sie setzten den Hebel da an wo sich die Landwirtschaft von der "Biolandwirtschaft " unterscheidet . Wo unterscheidet es sich --- na ---- na ---- bei den Pestiziden ( so nennen die Grünen immer Pflanzenschutzmittel die bei der Konventionellen Landwirtschft eingesetzt werden ) so und wie sagte ein Vertreter der Grünen zu neuen Zulassungen von "Pestziden" >>>> in Nano . Was wirkt ist Giftig und muß schon deshalb verboten werden !!!!! Welche Landwirtschaft bleibt dann nur übrig wenn nur noch Brennesselbrühe gefahren/ gespritzt werden darf als ...................

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  4. von Rudolf Rößle · 4.
    Quoten

    das erreicht man bei Abschaffung funktionierenden Quotenmärkten.

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  5. von Wilhelm Gebken · 5.
    Damit hätten die Grünen doch wieder einmal ihr Ziel erreicht

    Bei Pachtpreisen von 700 € pro ha oder mehr kann kein Biobetrieb Flächen pachten. Wird hingegen die Kostenstruktur der konventionellen Landwirtschaft zerstört (was wird eigentlich in Zukunft anstatt der Zuckerrüben angebaut?), so bleibt mit der zusätzlichen Bioförderung trotz Ertragsniveau "Null", unterm Strich mehr Geld übrig.

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