ECHA stuft Glyphosat als nicht krebserregend ein

ECHA entlastet Glyphosat
Bild: Dammann
Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) stuft Glyphosat als nicht krebserregend ein. Auf Basis dieser heute veröffentlichen Einschätzung will die EU-Kommission die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat über das Jahr 2017 hinaus anschieben. Damit ist der Startschuss für die nächste Verhandlungsrunde in Brüssel gefallen.

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA bewertet den Herbizidwirkstoff Glyphosat als nicht krebserregend. „Der ECHA-Ausschuss für Risikobewertung (RAC) kam zu dem Schluss, dass die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht die Kriterien erfüllen, um Glyphosat als Karzinogen zu klassifizieren, als mutagen oder als fortpflanzungsgefährdend“, heißt es in der am heutigen Mittwochmittag veröffentlichten ECHA Stellungnahme. Weiter spricht sich die ECHA dafür aus, die derzeitige Einstufung von Glyphosat als Substanz aufrechtzuerhalten. Danach verursacht Glyphosat schwere Augenschäden und ist giftig für Wasserlebewesen mit lang anhaltenden Effekten.

Risiko des Stoffes an sich begutachtet

Die Einstufung der ECHA beruht laut der Behörde ausschließlich auf den Gefährdungseigenschaften des Stoffes. Sie berücksichtigt nicht die Wahrscheinlichkeit der Exposition gegenüber dem Stoff und behandelt daher auch nicht die Expositionsrisiken, heißt es weiter. Die Risiken, die mit der Ausbringung (Exposition) verursacht werden, müssen bei der Entscheidung, ob die Zulassung von Glyphosat als Pflanzenschutzmittel gemäß der EU-Pflanzenschutz-Produktverordnung zu erneuern ist, berücksichtigt werden, erläutert die ECHA.

EU-Kommission muss nun Vorschlag für weiteres Zulassungsverfahren erarbeiten

Die heutige ECHA Einschätzung ist mit Spannung erwartet worden. Denn die EU-Kommission hatte im Sommer 2016 Glyphosat mit Verweis auf die noch ausstehende Bewertung der ECHA zunächst nur bis Ende 2017 verlängert. Die nun vorliegende Stellungnahme liefert den Startschuss für die Debatte um die Zulassung von Glyphosat über das Jahr 2017 hinaus. Sie wird nun an die EU-Kommission weiter geleitet, welche dann mit den EU-Mitgliedstaaten das Zulassungsverfahren für Glyphosat wieder aufrollen wird.

Hersteller fordern nun schnelle und langfristige Wiederzulassung

Die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (AGG), in der sich die Hersteller des Wirkstoffes zusammengeschlossen haben, fühlt sich durch die ECHA Bewertung bestätigt. Sie hoffen nun auf eine langfristige Widerzulassung für Glyphosat. „Die wissenschaftlichen Argumente, die für eine erneute Zulassung von Glyphosat sprechen, sind erdrückend“, sagte die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Ursula Lüttmer-Ouazane. Für die Mitgliedstaaten gebe es nun keine Hinderungsgründe mehr, sich dem zu verweigern, so Lüttmer-Ouazane weiter. Der Industrieverband Agrar (IVA) rief die Bundesregierung dazu auf, sich für ein zügiges Verfahren in Brüssel einzusetzen. Den Landwirten müsse weiter der Einsatz dieses wichtigen Herbizid-Wirkstoffs ermöglicht werden, sagte der kommissarische Hauptgeschäftsführer IVA, Dietrich Pradt.

Kritiker überzeugt ECHA Einschätzung nicht

Die Kritiker von Glyphosat zeigen sich von der Stellungnahme nicht überzeugt. „Die Krebsgefahr ist nicht das einzige Argument gegen das Pflanzenschutzmittel. Glyphosat ist ein enormes Risiko für die Artenvielfalt in der EU, weil es alle unerwünschten Pflanzen und deren Samenvorräte auf Äckern, Wiesen, Wegen und Plätzen vernichtet“, sagte der agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament, Martin Häusling. Aus seiner Sicht sei auch die Bewertung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), die 2015 feststellte, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend für Menschen ist, nicht aus der Welt. „Wir warnen die EU-Kommission davor, diese Entscheidung als Freibrief anzusehen, Glyphosat für eventuell fünfzehn Jahre weiter zuzulassen", so Häusling. Ähnlich äußerten sich auch seine Parteikollegen Maria Heubuch aus dem EP und Harald Ebner aus dem Bundestag.

Bürgerinitiative hat bereits die Hälfte der Unterschriften gegen Glyphosat zusammen

Die Umweltorganisationen BUND, NABU sowie Campact warnen nach der ECHA Veröffentlichung vor einem Freibrief für die Zulassung. Die Organisationen treiben derzeit die Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat voran. Diese hat laut Campact seit Anfang Februar 500.000 Unterschriften für ein Verbot des Wirkstoffes auf EU-Ebene gesammelt. Das Ziel der Aktivisten ist, bis Ende Juni mehr als eine Million Unterschriften zusammen zu bekommen. Von der EU-Kommission fordert die Bürgerinitiative ein Verbot von Glyphosat, EU-weite obligatorische Reduktionsziele für Pflanzenschutzmittel und eine von der Industrie unabhängige wissenschaftliche Bewertung der Wirkstoffe.

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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Unwissen bei allen Seiten

    Ob Glyphosat auf Dauer gefährlich oder ungefährlich ist: wahrscheinlich werden wir es nie erfahren. Wir sind auf Vermutungen und Rückschlüsse angewiesen. Eine akute Gefährdung ist offensichtlich nicht vorhanden und das Argument des Risikos für die Artenvielfalt trifft auf alle Pflanzenschutzmittel und sogar für das Hacken von Kulturen zu. So bitter es für mache erscheint: wir werden mit der Unsicherheit leben müssen, wir können es auch. Denn jährlich sterben in Deutschland ca. 100.000 Menschen durchs Rauchen, auch Nichtraucher durch das Mitrauchen. Damit leben wir nun schon seit Jahrzehnten und keiner will hier ein Verbot überhaupt diskutieren.

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  2. von Waldemar Stern · 2.

    morgen verbieten wir alle Autos in DE denn wir haben im Jahr ca. 3500 Verkehrstote. Ich kenne noch keinen Toten der durch Glyphosat ums Leben gekommen ist in den letzten 20 Jahren. Desweiteren können wir auch Sport verbieten ca.1500 Tote. Ach ja Hausarbeit muss auch verboten werden ca.8500 Tote pro Jahr.

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  3. von Hans Spießl · 3.
    Glyphosat

    Auf das Zeug kann gerne Verzichtet werden. Es ist ein Chelator- legt Spurennährstoffe im Boden, Pflanzen und höheren Lebewesen fest. Es ist der Auslöser für Botulismuß! Außerdem schädigt es das Bodenleben und den Regenwurm- bin Nichtpflüger! Wer als Intensiv Landwirt neben Getreide auch Kartoffel etc anbaut muß ja sowieso wegen diverser Tier. Schädlinge eine Intensivere Bodenbearbeitung betreiben, hab außerdem bedingt durch Düngung auch Ernterückstände wie Stroh das gut eingearbeitet werden sollte! Ich will mir als direkter Nahrungsmittelproduzent nix nachsagen lassen! wenn der Verbraucher es nicht will dann wird nicht eingesetzt! genauso das Todspritzen der Kartoffel- Krautschlagen geht auch. Ich bin kein Bio Bauer und werde niemals einer werden! Glyphosat ist eine Einlassung der Bauern, um die Produktion zu vermiesen und für den Scheiß Bio Anbau einer der Steigbügelhalter!

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  4. von Wilhelm Grimm · 4.
    Die Grünen sind derart negativ,

    die warten sehnsüchtig auf den nächsten Urknall.

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  5. von Gerhard Steffek · 5.
    Schizophren!

    Die ganze Diskussion ist doch so was von schizophren, das es nicht mehr feierlich ist. In den Städten werden jetzt Mooswände aufgestellt um den Feinstaub aus der Luft zu filtern, da laut Umweltbundesamt alleine in Deutschland ca. 45.000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung sterben. Weltweit sollen es 3,3 Millionen Menschen sein. Da streitet man dann über ein Herbizid, mit dem durch dessen verantwortungsvollen Einsatz alleine in Deutschland über 200.000 Tonnen Diesel eingespart werden können. Dabei übersehen diese übereifrigen "Klugscheisser" auch noch geflissentlich das Grundsätzlich jedes Lebewesen, sein Tun und Handeln, eine Wechselwirkung auf die Umwelt hat. Sei es z.B nur ein Baum. Wo der steht hat nichts anderes Platz. Da kann kein Maiglöckchen wachsen. So ist es eben auch mit Glyphosat. Auch dieses Mittel hat seine Auswirkungen. Im Positivem wie im Negativem. Es ist immer zum Abwägen, was ist wichtiger, was will ich, wie erwirke ich den größten Nutzen bei minimalstem Aufwand. Wenn ich mir in der Apotheke Schlaftabletten hole, dann habe ich auch das Problem der Abwägung zwischen Schaden und Nutzen (siehe Beipackzettel, oder wie heißt es so schön in der Werbung: Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker). Wie viele Tode hat es schon durch Schlaftabletten gegeben (gezielt, bewußt, unbewußt)? Frei zugänglich für jedermann zu kaufen. Wenn es nach dem ginge, dann müssten diese schon längst verboten sein. Dennoch gibt es sie. Darüber regt sich keiner auf. Oder eben siehe Feinstaub den Autoverkehr. Häusling hat mit seiner Aussage auch nur wieder zum Besten gegeben, dass er von Landwirtschaft keine Ahnung hat. Kein Landbewirtschafter (ob Landwirt oder Kleingärtner) will auf seinem Acker/Garten Unkraut haben. Jeder vernichtet es dann halt auf seine Weise. Der Biobauer dadurch das er dann mehr umweltschädliche Bodenbearbeitung betreibt, der Gärtner indem er es ausrupft oder wie ein "konventioneller" Landwirt spritzt. Ziel ist doch immer seinen Kulturpflanzen die besten Bedingungen zu schaffen. Dabei ist der Einsatz von Glyphosat eben auch hilfreich und hätte Häusling jemals Ackerbau betrieben, so wüßte er das die Unkrautsamen verdammt hartnäckig sein können (Ackerhohlzahnsamen leben bis zu 50 Jahre) und es somit eines der typisch grünen Fakenews ist, dass damit die Artenvielfalt vermindert wird. Noch dazu auf Wegen und Plätzen. Welcher Landwirt spritzt Wege und Plätze? Was will man auf Wegen und Plätzen überhaupt? Will man da gehen und fahren können oder eine Kräuterwiese? Typisch Grüner Blödsinn. Häusling! Sei ehrlich, in aller Regel ist doch auf Wegen und Plätzen die Artenvielfalt eh schon vernichtet, auch ohne Glyphosat! Danke für die Steilvorlage. Noch ein Wort zu Herrn Hümmer. 1. sind wir nicht in Amerika, 2. wieso haben wir dieses Problem nicht in Europa? (siehe 1.), 3. schon mal was vom Zikavirus gehört? Mittlerweile hat sich ja herausgestellt das dieser eher die Ursache sei und nicht Glyphosat. Was 2. beantworten würde.

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  6. von Alfons Hümmer · 6.

    Auch Atrazin (früher bekannt unter dem Produktnamen Gesaprim) wurde früher als unbedenklich angesehen. Wenn ich mir Berichte der letzten Jahre über den Einsatz von Glyphosat in Südamerika anschaue, kann ich mir nicht vorstellen , dass der Einsatz von Glysophat unbedenklich ist. Ich frage mich, ob die Chemikalienagentur alle vorliegende Berichte ausgewertet hat oder nur die Unterlagen, die von Monsanto vorgelegt wurden. Glyphosat mag möglicherweise nicht krebserregend sei, aber es hat m. E. Auswirkungen auf das menschliche Genom. Anders können körperliche Schäden bei den Kindern in diesem Gebiet nicht erklärt werden.

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