Gartenbesitzer können Glyphosat-Kombinationen frei kaufen

Gartenspritze Gartenspritze
Bild: www.gloriagarten.de

Wer seinen Garten bis zu sechs Monate unkrautfrei halten will, kann sich im Internet und dem deutschen Einzelhandel frei bedienen. Nach einem Tipp ist der Blogger Bauer Willi im Netz auf verschiedene Shops gestoßen, die u.a. Langzeit-Unkrautfrei-Mittel anbieten; darunter der Onlineshop von REAL oder duenger-shop.de.

Neben Glyphosat enthalten die Mittel auch Flufenacet und Metosulam. Letztere sind zwei Wirkstoffe, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, unter anderem in Terano flüssig, erklärt Dr. Willi Kremer-Schillings (www.bauerwilli.com) weiter. Allerdings ist das Mittel nur gegen Vorlage eines Sachkundenachweises erhältlich.

„Nach dem Studium des Sicherheitsdatenblattes und des Zulassungsberichtes des BVL muss ich meiner Verwunderung Ausdruck verleihen, warum diese Wirkstoffkombination von Glyphosat, Flufenacet und Metosulam, die in der Landwirtschaft nicht zugelassen ist,  in die Hände von Laien ohne jede Einschränkung abgegeben werden darf“, so der Praktiker.

Die Anwendungsbestimmung, dass das Produkt nur unter Zierpflanzen eingesetzt werden darf, ist seiner Meinung nach beim schnellen Lesen nicht erkennbar. „Was ist also, wenn es auf Garageneinfahrten oder gepflasterten Wegen eingesetzt wird? Von dort kann es ja schnell in die Kanalisation gelangen.“

Hersteller verweist auf schwächere Dosierung

Gegen die Darstellung, in der Landwirtschaft reglementierte Mittel würden als Gartenprodukte frei verkäuflich sein, wehrt sich ein Hersteller gegenüber top agrar. So würden die von Bauer Willi angesprochenen Produkte eine BVL-Zulassung besitzen und wären zudem überhaupt nicht mit denen aus dem Agrarbereich vergleichbar, da sie schwächer dosiert seien.

In einer Stellungnahme heißt es weiter: "In Deutschland gilt das Selbstbedienungsverbot, eine Beratung findet im Einzelhandel also gesetzlich vorgeschrieben statt. Im Internet werden die relevanten Informationen bereitgestellt und müssen durch den Käufer bestätigt werden.
 
Die Anwendungsbestimmung, dass das Produkt nur unter Zierpflanzen eingesetzt werden darf, ist klar auf der Packung dargestellt. Eine Anwendung von Totalherbiziden auf versiegelten Flächen ist generell in Deutschland verboten und ist mit hohen Strafen verbunden. Dies wird auf der Verpackung und im Handel klar und deutlich kommuniziert. Generell ist anzumerken, dass Produkte für den privaten Verwender einer deutlich strengeren Prüfung als Agrarprodukte unterzogen werden. Dabei werden erheblich striktere Kriterien angelegt."

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10 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Josef Kindl · 1.
    Der Laie hat es doch drauf!

    Wer mag den schon behaupten dass jeder private Anwender von Pestiziden und Dünger keine Ahnung hat? Man blicke in die Gärten.....bestens gepflegter Rasen landauf und landab! Erreicht mit fachkundiger Anwendung ....z.B ca. 600kg ReinN auf das Ha hochgerechnet und doppelte Dosierung bei Unkraut- u. Schädlingsbekämpfung. Für nitratbelastetes Grundwasser sind doch nur die Landwirte verantwortlich.......und für alle anderen Umweltschäden doch sowieso....Eben eine im Geiste arme und vertrottelte Gesellschaft!!!

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  2. von Wolfgang Schuchard · 2.
    Schwächere Dosierung...

    ... dass ich nicht lache. Versuchen Sie mal mit der Rückenspritze so gleichmäßig auszubringen wie mit dem Spritzencomputer auf dem Feld. Überdosierungen von über 100 % bleiben da nicht aus. Außerdem gilt da bei vielen der Grundsatz "Viel hilft viel", und wenn´s nicht nach wenigen Tagen schon erkennbar geholfen hat, wird halt noch mal gespritzt. Wird ja eh nicht dokumentiert und kontrolliert. Zumal da oft auch keine Rücksicht auf versiegelte Flächen mit Anschluss an die Kanalisation genommen wird. Aber warum sollte es da anders sein als bei der Bahn, deren Drainagen der Schotterbetten häufig direkt in den Bach führen.

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  3. von Willi Kremer-Schillings · 3.
    Komische Mathematik...

    Das Langzeit-Herbizid, das ich meine, soll mit 1 g pro Quadratmeter eingesetzt werden. Hochgerechnet auf den Hektar enthält es folglich 600 g Flufenacet, 1.800 g Glyphosat und 30 g Metosulam. Terano flüssig enthält bei der zugelassenen Aufwandmenge von 1,2 l/ha auch 600 g Flufenacet und 25,2 g Metosulam. (also etwas weniger). Roundup Ultra bei 5l/ha enthält 1.800 g Glyphosat. Jetzt erkläre mir mal jemand, warum das Langzeit-Herbizid schwächer dosiert ist. Ich verstehe das nicht. Wer kann mir helfen?

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  4. von Jan Peter · 4.

    Wilhelm Gebken, sie schreiben mir aus der Seele. Das hat wahrlich nichts mit Demokratie zu tun.

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  5. von Jan Peter · 5.

    Heinrich Esser, aber nur äußerlich . Sie hat eine total linksgrüne Handlungsweise.

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  6. von Paul Siewecke · 6.
    @Gerd Uken: Berichtigung

    Da steht aber: nur gegen Vorlage des Sachkundenachweises.. Trotzdem ist es ein Skandal: der unbedarfte Laie wird sich das Mittel von jemandem mit dem entprechenden "Kärtchen" besorgen lassen und dann schön auf der Garageneinfahrt verteilen.... oder am Zaun oder auf dem Gehweg vor dem Grundstück oder.... Und das Pflanzenschutzamt oder das Ordnungsamt halten sich raus, bei den "Privaten" ist ja eh nichts zu holen!

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  7. von Wilhelm Gebken · 7.
    @Heinrich Esser: Berichtigung

    Die aktuelle Bundesregierung ist links-grün, da hat Jan Peter schon völlig Recht. Erkennbar ist das u. a. daran, dass das Wahlprogramm der CDU aus dem Jahre 2005 inhaltlich 1 : 1 von der AfD übernommen und ausschließlich von dieser vertreten wird. Wie wir alle wissen, wird die AfD massiv von der CDU/CSU angegriffen. Was zu der merkwürdigen Situation führt, dass die CDU/CSU ihr eigenes damaliges Wahlprogramm als "rechtsradikal" und "nationalsozialistisch" verunglimpft.

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  8. von Heinrich Esser · 8.
    @Jan Peter: Berichtigung

    Die aktuelle Bundesregierung ist Schwarz-Rot

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  9. von Jan Peter · 9.

    Nur für Landwirte ist das Verbot gültig. Andere dürfen tun und lassen was sie wollen. Hat eh nichts mit Umwelt zu tun. In Hamburg z.B. wird auch über Dieselfahrverbot für Autos diskutiert, obwohl die dicken Dampfer und Schiffe auf der Elbe und am Hafen entlang fahren. Wo bleibt da der gesunde Menschenverstand. Die grünlinke Bundesregierung macht es möglich. Genau mein Humor.

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  10. von Gerd Uken · 10.
    Ist für den Privaten Anwender nicht CCC relevant

    Aber könnte mit einer Ordnungswidrigkeit geahndet werden-sofern es denn auffällt........... Das es ohne Sachkundenachweiss verkauft wird allein ist schon ein Skandal.

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