Getreide: Abschied von der Frühsaat?

Starkbefall mit Gelbverzwergungsvirus und Typhula Starkbefall mit Gelbverzwergungsvirus und Typhula (Bild: Kropf)
"Falls wir unser Getreide weiterhin viel zu früh säen, ist der regional extreme Befall mit Pilzen und Verzwergungsviren nur ein Vorgeschmack auf das, was uns in den nächsten Jahren erwarten wird", warnen Dr. Ute Kropf und Prof. Klaus Schlüter von der FH Kiel in der neuen top agrar 6/2015.

Folgt ein langer Herbst mit warmen Abschnitten, sei neben dem Zuflug virusbelasteter Läuse auch die Zunahme von Typhula und Schwarzbeinigkeit garantiert. Bereits in dieser Saison tritt Typhula häufig zusammen mit Virosen vor allem in Wintergerste und -weizen auf, so die Fachleute.

Auch der Befall mit Rhizoctonia und Stängelfusarium steigt bei früher Saat überproportional an. In diesem Jahr hat die Praxis sogar noch Glück gehabt. Hätten Schnee oder Kahlfrost die kranken Bestände erwischt, wären voraussichtlich verbreitet Auswinterungsschäden bei Aussaaten vor dem 15. September aufgetreten, berichten Kropf und Schlüter.

Betroffen vom steigenden Infektionsdruck dieser Pilze, vor allem von Typhula, ist die gesamte Ostseeküste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg­-Vorpommerns. Die Überdauerungs­formen der Sklerotien sind für Jahre im Boden konserviert. Sie infizieren bei über 15 °C nicht nur Kulturgetreide, sondern sie vermehren sich auch an Ausfallgetreide. Die Verzwergungsviren überdauern zudem auf Mais- und Dauergrünlandflächen sowie Wildgräsern und Grasuntersaaten.

In den letzten 8 von 10 Jahren lag die Tagestemperatur im Schnitt in Schleswig-Holstein erst nach dem 15. September unter 15 °C. Aussaaten vor diesem Termin in warme Böden sind ein unkalkulierbares Risiko!

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