Hart aber Fair: Insektenrückgang erkannt, Ursache strittig

Krüsken Frank Plasberg (r) wollte von DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken ein Schuldeingeständnis der Landwirtschaft am Insektensterben
Bild: WDR

Über den „stillen Tod der Bienen“ und „wer die Natur vergiftet“ diskutierte Frank Plasberg am Montagabend in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ mit seinen Gästen. Wie der Moderator eingangs erklärte, vollziehe sich vor unseren Augen das große Insektensterben.
 
Von DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken forderte Plasberg eine Aussage über den Anteil der Landwirtschaft an der „Katastrophe“. Dieser war jedoch mit der Frage überhaupt nicht einverstanden und stellte dagegen klar, dass das derzeit überhaupt nicht zu beantworten sei. „Laut führender Entomologen bewegen wir uns in einer Wolke der Unwissenheit“, erklärte Krüsken. Statt pauschaler Verurteilung der Bauern müsse eine wissenschaftliche Bewertung Basis der Diskussion um den Insektenrückgang sein. Die Krefelder Studie, wonach es einen Insektenrückgang um 75 % gegeben habe, - 6 % pro Jahr, hält der Bauernverbandsvertreter für nicht fundiert genug. 
 
Dass es ein Problem gibt, will er aber auch nicht verhehlen: „Wir müssen an der Ursachenforschung arbeiten, das ist ein besorgniserregender Befund, den wir hier haben. Es gibt in Deutschland keine Branche, die so sehr auf einen gleichmäßigen Insektenbestand angewiesen ist, wie die Landwirtschaft. Landwirte haben ein substanzielles Interesse an der Artenvielfalt.“
 
Moderator Plasberg ließ allerdings nicht locker und forderte eine Antwort auf seine Frage zur Verantwortung der Landwirtschaft: „Herr Krüsken, als Funktionär haben Sie immer die böse Karte und ich will nicht, dass Sie diese Karte haben, Sie sind aber gerade dabei, sie sich zu erarbeiten“, so Plasberg. Krüsken sagte darauf, dass der Mensch etwas mit dem Insektenschwund zu tun habe, ein bisschen auch die Landwirtschaft. „Wir bewirtschaften 52 % der Fläche in Deutschland landwirtschaftlich, 48 % nutzen andere Bereiche“, so der Generalsekretär und deutet damit die Verantwortung von Industrie, Verkehr, Wohnraum etc. an.
 
Im weiteren Verlauf der Sendung wies Krüsken auch auf den Zeitdruck hin. „Wir müssen jetzt ran an die Ursachen, wir stehen unter Zeitdruck und müssen Maßnahmen sowie Techniken entwickeln“, sagte er. Die Landwirtschaft habe hier schon große Fortschritte gemacht und könne etwas ändern.
 
Reicht das Verbot von nur drei Neonikotinoiden?
 
Christian Schmidt Christian Schmidt bei "Hart aber fair"
Bild: WDR
Zweites großes Thema der Sendung war der Einfluss der Neonikotinoide, der Nervengifte, wie Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar sagte. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt betonte dazu mehrfach, dass er die drei strittigsten Neonikotinoide bereits per Notverordnung untersagt habe; inzwischen sei das Verbot entfristet und gelte dauerhaft. Für Harald Ebner von den Grünen reicht das nicht aus. Er verweist auf die Fülle weiterer Wirkstoffe, die weiterhin erlaubt sind. Schmidt möchte dazu allerdings erst die neue EFSA-Studie abwarten.
 
Da nächste Woche eine Abstimmung in Brüssel zu dem Thema ansteht, drängte Ebner den CSU-Politiker zu einer klaren Aussage, ob er dort mit Ja oder Nein stimmen werde. Schmidt ließ sich daraufhin zu der Aussage bewegen, für umfangreichere Verbote der Neonikotinoide zu votieren, wenn es neue negative Bewertungen der Wissenschaft gebe. Bis dahin gelte für ihn, dass die Mittel ja in der Vergangenheit das strenge EU-Zulassungsverfahren durchlaufen hätten. Ebner konterte, dass das aber offenbar überhaupt nicht die Gefährdungslage abdecke, wie der aktuell aufziehende Rechtsstreit mit den PSM-Herstellern zeige.
 
DBV-Vertreter Krüsken ergänzte, dass sich die Landwirtschaft jeder Diskussion stelle, sofern sämtliche Fakten auf dem Tisch seien. Für Ranga Yogeshwar unverständlich. Für ihn ist die Krefelder Studie Beweis genug und wissenschaftlich fundiert. „Es brennt und wenn Sie immer noch sagen, es ist bloß ein Fehler der Alarmanlage, ist das nicht richtig.“ Er forderte die Bauern auf, das Problem zu erkennen und es allen zu sagen. 

Lesen Sie mehr

13 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Ranga Y

    Das Herr Yogeshwar die Studie als fundiert bezeichnet hat, weisst nur darauf hin, dass er offensichtlich die Kritiken (Unstatistik des Monats etc.) nicht wahrgenommen hat und diese wissenschaftliche Meinung nicht teilt. Dabei ist er Physiker, sollte sich mit Statistiken auskennen und meiner Meinung nach sehr schnell erkennen, wie wenig fundiert die statistische Auswertung der Studie ist. Also mir hat ein Semester Statistikvorlesung gereicht, damit mir beim Lesen der Studie meine Haare zu Berge gestanden sind. Diese Studie gehört meiner Meinung nach wie vor zur Kategorie: Missbrauch von Statistik bzw. statistischen Methoden.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Anke Möbius · 2.
    Wirklich schade,

    dass keine aktiven Landwirte (beider Wirtschaftsweisen) beteiligt waren... Dennoch sind Bienen gute Bioindikatoren und Landwirte, die selbst Bienen halten, überlegen sicher einmal mehr, ob, wann und was sie spritzen. Dazu kommt noch ein Ost-West-Gefälle, welches sich aus den Eigentums- und Größenverhältnissen der Betriebe ergibt: Während im Westen vorwiegend kleinere Landwirte auf häufig eigenen Flächen wirtschaften, dominieren im Osten genossenschaftliche Grossbetriebe mit 85% Pachtflächenanteil und eben Vorständen im Angestelltenverhältnis...... Dieser Unterschied verdeutlicht sich in Rukwieds neuem Lagebericht.

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Rudolf Rößle · 3.
    Herr Krüsken

    hat leider die Chance verpasst zu sagen, wieso in Deutschland, und auf welche Art Lebensmittel produziert werden. Ökonomisch ist eine Extensivierung eines konventionellen Betriebes nicht sinnvoll.Auch die Nischenbioprodukte sollen nichts kosten. Staatsgehalt ohne Gehalt. Ranga war sehr entspannt, denn er ist in der Welt herum gekommen und weiß was er an unseren Bauern hat.Im übrigen sollen bessere ökologischen und klimatische Bedingungen, die Industrie und Siedlungsaktivitäten nicht ausbremsen. Beton ist sehr Bienen freundlich.

    Das meinen unsere Leser:
  4. von Volker Grabenhorst · 4.

    Plasberg ist schon ein "Mordsjournalist", seine unrühmlichste Heldentat, war wohl seinerzeit des Interview mit den Gladbecker Geiselnehmern, eigentlich eine Schande, dass so einer von den öffentlich-Rechtlichen beschäftigt wird!

    Das meinen unsere Leser:
  5. von Gerhard Steffek · 5.
    "Stille Tod der Bienen"

    bei der ganzen Diskussion wegen des Bienensterbens kam eigentlich eine Hauptursache gar nicht zur Sprache. Dies ist doch im Grunde der "stille Tod des Bauern". Während der Diskussion kam zur Sprache, daß nur 1 % der Imker gewerblich ist. D.h. alles andere sind "Hobbyimker". Wer aber waren in erster Linie diese Hobbyimker? In erster Linie doch Bauern, die sich damit einen Nebenverdienst geschaffen haben. Somit haben wir hier einen analogen Fall zu den Vögeln. Verschwinden die Bauern, verschwinden die Vögel (Schwalben) und die Bienen. Wer ist daran schuld?

    Das meinen unsere Leser:
  6. von Josef Holz · 6.
    Herr Niemann,

    die Imkerin und er Ranga y haben ja nun wirklich nichts zur Diskussion beigetragen. Sie sollten mal ihre abl brille ablegen und die dinge "von oben" betrachten. bauer willi hat sich ja mal mit ihnen ausgetauscht, wenn man googelt, findet man das ja schnell. ich denke, viele bauern können sich mit einigen von ihnen vertretenen positionen anfreunden, aber fundamentalkritik finde ich lächerlich. krüsken und schmidt waren sachlich und fundiert, wurden aber von plasberg ausgeknockt, zumindest hat er es sehr hart, aber unfair versucht

    Das meinen unsere Leser:
  7. von Eckehard Niemann · 7.

    Waren denn nur die eher peinlichen Herren Schmidt und Krüsken in der Sendung? Oder habe ich da nicht auch einen Wissenschaftsjournalisten und eine Imkerin gesehen und gehört? Warum kommen die in dem TOP-AGRAR-Text so gut wie gar nicht vor?

    Das meinen unsere Leser:
  8. von Wilhelm Gebken · 8.
    Danke Herr Holz für Ihren Hinweis, wir haben eine Meinung, leider will der Mainstream diese Meinung nicht hören:

    Denn mit der tatsächlich existierenden wissenschaftlich fundierten Meinung lässt sich keine Bauernhetze vom Sofa aus organisieren, was KGE und Genossen natürlich tierisch ärgert. Die Ergebnisse sind zudem so unbequem, dass der Überbringer der Botschaft sofort mit der Höchstrafe, nämlich dem Entzug der Wählergunst bestraft werden würde: http://www.kunz.hhu.de/vortraege.html und http://www.spektrum.de/news/lichtverschmutzung-bedroht-insekten/1423701

    Das meinen unsere Leser:
  9. von Josef Holz · 9.
    daumen runter

    ist ja ok aber dann äussern sie doch auch ihre meinung sonst ist das ja ein schwacher auftritt, so als heckenschütze

    Das meinen unsere Leser:
  10. von Albert Maier · 10.
    Es wäre mehr drinn gewesen,

    wenn Krüsken offensiver agiert hätte! Dass Plasberg dem Wissenschaftspopulisten Ranga Y. die Deutungshoheit zuspielte und dieser sie auch sofort an sich riß, war zu erwarten.Wäre Krüsken gut vorbereitet gewesen und hätte sich z.B. bei den Bauern vor Ort (Orbroich) erkundigt, hätte er erfahren, das die landwirtschaftliche Nutzung um das "berühmte" Naturschutzgebiet herum in den letzten Jahren extensiviert wurde und keine Neonicotinoide ausgebracht wurden. Damit wäre Schlaumeier Ranga schach matt gewesen. Aber ich gebe zu, hinterher ist man immer schlauer.

    Das meinen unsere Leser:
  11. von Josef Holz · 11.
    plasberg war ziemlich unverschämt

    wie er sich vor krüsken und schmidt aufgebaut hat und ein schuldeingeständnis eingefordert hat, das war schon dreist. alle durften ausreden, nur die beiden nicht. als der hobbyimker von der bekämpfung der varroamilbe erzählte, da hätte er nachfassen können, aber das hat ja nicht in sein konzept gepasst. insgesamt ernüchternd wenn man bedenkt, wie man auf journalisten vertraut in themenbereichen in denen man sich nicht so auskennt. was kann man aus der sendung ableiten ? an dieser frage knabbere ich noch, aber es erscheint mir fast unmöglich, die vorgefasste links-grüne meinung vieler journalisten und damit meinungsmacher zu ändern, oder ihnen wenigstens mal die andere seite der medaille zu zeigen

    Das meinen unsere Leser:
  12. von Wilhelm Gebken · 12.
    Habe ich das jetzt richtig verstanden?

    1.) Der Insektenrückgang ist ein weltweites Problem (Ja, korrekt). 2.) Das hat man in Krefeld gemessen! (Aha!) 2.) Yogeshwar verlangt von den deutschen Bauern, die immerhin 0,1% der weltweiten Landmasse lanwirtschaftlich nutzen, dass diese das Problem durch eine andere Art der Lebensmittelerzeugung lösen.

    Das meinen unsere Leser:
  13. von Gerhard Steffek · 13.
    Mainstreamjournalismus!

    Diese Sendung war im Großen und Ganzen so lala, folgte aber im Grunde dem "Mainstream". Hintersinnig deshalb der Versuch von Plasberg Krüsken ein Schuldeingeständnis der Landwirtschaft zu entlocken. Worauf sich Krüsken glücklicherweise nicht konkret einlies. Typisch oberflächlich bei Glyphosat, nur die Auswirkungen auf Pflanzen- und damit indirekt auf die Tierwelt zu theatralisieren, ohne auf die ja bekanntermaßen noch negativeren Alternativen und Konsequenzen zu verweisen. Krüsken bekam ja bei dem Thema Glyphosat von Plasberg mehr oder weniger Redeverbot und es kam nur zu einem Schlagabtausch zwischen Ebner und Schmidt. Erstaunlich erfreulich war zumindest die Aussage, daß Gly bei sachgemäßer Anwendung keine Krebsgefahr darstelle. Darum reiten die Grünen auch nicht mehr darauf rum und versteifen sich nur noch auf "Biodiversität", womit sie nur auf "Schlagwortpolemik" machen. Was leider der Sache nicht dienlich war, war der zwar sachliche, aber leider zu ruhige Stil von Schmidt und Krüsken. Diese hätten Ebner ruhig deutlicher sagen sollen, was für ein Nonsens von seiner Seite kommt und die Landwirte sich den Arsch aufreißen damit ein jeder in Deutschland mehr als ausreichend auf den Tisch bekommt.

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren