Insektensterben: Schulze will Pflanzenschutzmitteleinsatz begrenzen

Svenja Schulze Umweltministerin Svenja Schulze
Bild: BMU

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat am Mittwoch ihre Maßnahmenvorschläge für das im Koalitionsvertrag vereinbarte „Aktionsprogramm Insektenschutz“ vorgestellt.
 
Im Zentrum ihrer Vorschläge stehen ein grundlegender Wandel beim Fördersystem für die Landwirtschaft und beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. Nach einer Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung will die Ministerin einen überarbeiteten Vorschlag innerhalb der Bundesregierung abstimmen und ins Kabinett einbringen.
 
„Um das Insektensterben aufzuhalten, brauchen wir mehr Lebensraum für Insekten, weniger Pestizide und eine klügere Agrarförderung. Das heißt: Wir sollten eine Landwirtschaft fördern, die den Insekten nicht schadet, sondern ihr Überleben ermöglicht“, so Schulze. Eine Chance hierfür biete die laufende GAP-Reform.
 
Daneben zielen die Vorschläge des Umweltministeriums auf eine grundlegende Änderung im Umgang mit PSM. „Wenn wir Insektenschutz ernst meinen, müssen wir den Einsatz von Pestiziden aller Art deutlich verringern“, so Ministerin Schulze. Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat gefährden ihrer Überzeugung nach nachweislich die biologische Vielfalt. Die Bundesregierung habe sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt den Glyphosateinsatz grundsätzlich zu beenden.
 
Darüber hinaus will das Bundesumweltministerium den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln generell umwelt- und naturverträglicher gestalten. Im Zulassungsverfahren und in der Zulassungspraxis von Pflanzenschutzmitteln soll der Insektenschutz gestärkt werden. Zulassungen sollen künftig daran geknüpft werden, dass es Schutzflächen für Biodiversität gibt. In ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen soll es Anwendungsverbote geben.
 
Weitere Vorschläge zielen auf Gesetzesänderungen zum Schutz von Gewässerrandstreifen, zur Unterschutzstellung von Biotopen wie artenreichem Grünland und Regelungen zur Eindämmung der Lichtverschmutzung ab.

Hartelt fordert Ausgewogenheit des Aktionsprogramms Insektenschutz

Pflanzenschutz Pflanzenschutz: Beim Insektenschutz muss das Ministerium alle Handlungsfelder einbeziehen, meint der DBV
Bild: Agrifac
Der DBV-Umweltbeauftragte Eberhard Hartelt betont hierzu, dass der Schutz von Insekten auch für die Landwirte im eigenen Interesse ein wichtiges Anliegen sei und die Bereitschaft vieler Landwirte zur Umsetzung von Insekten fördernden Maßnahmen stetig zunimmt. „Die Vorschläge des Bundesumweltministeriums für ein Aktionsprogramm Insektenschutz müssen auch die ökonomischen Herausforderungen der Landwirtschaft berücksichtigen“, mahnte Hartelt.

Zudem vermisst der DBV-Umweltbeauftragte bei der neuen Insektenschutzstrategie des Umweltministeriums Ausgewogenheit der Vorschläge: Während im Bereich der Landwirtschaft mit enormer Regelungstiefe und Verbotsdichte Maßnahmen vorgeschlagen würden, beschränke sich das Aktionsprogramm bei anderen Handlungsfeldern zu sehr auf vage Prüfaufträge, Appelle und Wettbewerbe. Hartelt wörtlich: „Beim Schutz der Insekten dürfen aber keine Handlungsfelder außer Acht gelassen werden, wie etwa der Klimawandel, der Flächenverbrauch, die Mobilität und auch Privatgärten und Kommunen.“

Der DBV entwickele in verschiedenen Biodiversitäts-Projekten praxistaugliche und wirtschaftlich tragfähige Naturschutzmaßnahmen zur Förderung von Insekten, die auch in der europäischen Agrarpolitik verankert werden sollen. Dieses Bestreben wird der Berufsstand laut Hartelt weiter intensivieren.

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16 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Andreas Bahnmüller · 1.
    Beispiel: Schnaken in der Rheinebene

    wie wär´s hier mal die alljährliche Bekämpfung auszusetzen. Hätte gleich einen doppelten Effekt: würde Kosten einsparen und die Insektenpopulation nach oben bringen. Oder gibt es etwa "gute und böse" Insekten und chemische Maßnahmen? Falls ja: wer maßt sich an hierüber zu entscheiden?

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  2. von Heinrich-Bernhard Muenzebrock · 2.
    Insektensterben

    man sollte nicht nur die Insekten schützen, sondern auch die Landwirte vor den unfähigen Politikern. Moderne Landwirtschaft arbeitet heute sehr umweltbewusst. Frau Schulze ist noch grüner als die Grünen und hat den Sinn für die Realität verloren.

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  3. von Gerhard Steffek · 3.
    Seneca -

    war es glaube ich, der schon sagte: "der verkommenste Staat hat die meisten Gesetze". Wenn man nach der Regelungswut unserer Politoberen geht, dann kommen wir zielsicher da hin. Besonders dann wenn man Politiker hat, die nur nach ihrer Überzeugung und nicht nach Sach- und Fachverstand handeln. In diesem Metier sollte ein klarer Verstand und Ahnung herrschen und nicht nur viel Meinung.

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  4. von Hermann Kamm · 4.
    Man sollte

    schön langsam den Menschen von solchen Politik Kaoten schützen!!!!!!!!!!!! Insekten werden mit Sicherheit den Menschen überleben. Ansonsten nur sinnloses geschwafel von der politisch - geistig hinterbliebenen Umweltministerin. anders kann man dieses Thema nicht erläutern!!!

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  5. von Heinrich Steggemann · 5.
    Probeweise ein Naturschutzgebiet zurückentwickeln

    Baut ein Naturschutzgebiet auf den Zustand vor der Unterschutzstellung zurück. Z.B. die zehn Kühe die noch auf der Weide gemolken werden. Plus die Bullenweide zwei Flächen weiter. Mehrere kleine Misthaufen, Einarbeitungspflicht für Naturdünger wird ausgesetzt usw.. Die Insektenmasse wird meiner Meinung nach wieder zunehmen. Nur wie wird's finanziert??? Wäre soetwas überhaupt gegen den Mainstream durchzusetzen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen?

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  6. von Christian Kraft · 6.
    Insektensterben

    Wieviele Industriegebiete und Straßen sind Nachts unnötig beleuchtet.Hier fliegen sich tausende Insekten tot. Aber des interessiert niemanden.

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  7. von Heinrich Steggemann · 7.
    Wir brauchen mehr Unordnung und Dreck sowie

    Hatten vor Jahren ein massives gewolltes Insektensterben im neuen Ferkelaufzuchtstall. In den Anfangsjahren konnten wir die Fliegen mit Chemieeinsatz nur schwer in Schach halten (CCM-Fütterung). Seitdem wir vor dem Waschen die Kanäle mit Dünngülle leer spülen, hat sich das Fliegenproblem ohne Chemie erledigt. Den Maiszünsler hält man mechanisch durch Vernichtung des Winterquartiers in Schach.

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  8. von Wilhelm Grimm · 8.
    "Stirbt die Biene, stirbt der Mensch"

    Ihr gehört hinter Schloss und Riegel mit derartigen Hetzkampagnen gegen die moderne Landwirtschaft.

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  9. von Wilhelm Grimm · 9.
    Insekten kann man wie auch Ratten und Mäuse

    nicht ausrotten. Unsere Politiker sind Scharlatane.. Wo bleiben sie denn, und stellen die unendlich großen Vorteile des gezielten Einsatzes von Düngung und Pflanzenschutz in den Vordergrund ihrer Mitteilsamkeit. Nein, nur Negatives. Wo bleiben unsere Agrarsprecher ?

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  10. von Rudolf Rößle · 10.
    Bienenweide

    ich habe dieses Jahr kleine Flächen mit einer guten Bienenweide eingesät. So ca 10 auf 10 Meter. Ich bin erstaunt wie viele Insekten und vor allem Schmetterlinge sich dort tummeln.

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  11. von Wolfgang Rühmkorf · 11.

    Ich schlage vor, an Bioabfalltonnen in den Städten die Deckel zu verbieten! Von wegen Effizienz der Maßnahmen in ausgeräumten Lebensraumgemeinschaften! ;-)

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  12. von Detert Brinkmann · 12.
    Insektensterben

    Der größte Insektenvernichter ist der Straßenverkehr ... das erlebt jeder Autofahrer täglich auf der Windschutzscheibe seines Fahrzeugs. Wo bleibt die seriöse wissenschaftliche Bewertung des Themas?

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  13. von Bernd Croonenbroek · 13.
    und Regelungen zur Eindämmung der Lichtverschmutzung ab

    die vom Bundesumweltministerium wissen das, aber hauen immer noch auf die Landwirtschaft drauf. Sollte man eigentlich wegen Körperveletzung Anzeigen !!!!!

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  14. von Wilhelm Grimm · 14.
    Hartelt reagiert zwar fachlich richtig, aber viel zu weich.

    Vom DBV muss mehr kommen.

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  15. von Wilhelm Grimm · 15.
    Wenn die SPD noch Verstand hat, entlässt sie diese Ministerin.

    Die Themen Wolfsgüte und Insektendramatisierung und ganz generell die Abschaffung einer modernen Landwirtschaft sind von den Grünen vereinnahmt. Die moderne Landwirtschaft ist nicht das Feindbild hart arbeitender Menschen. Eigentlich dürfte auch ein Minister Backhaus sich derart sachfremde Einlassungen der Bundesministerin nicht bieten lassen. Der wird hoffentlich nicht feige schweigen ! Vor allem erwarten wir Bauern eine Stellungnahme der CDU und ein Bekenntnis zum Fortschritt in der Landwirtschaft. Ein weiter so an Bauernhetze aus dem NABU-Ministerium darf es nicht geben oder ist diese Regierung am Ende.

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  16. von Wilhelm Gebken · 16.
    Zitat: "Zudem vermisst der DBV-Umweltbeauftragte bei der neuen Insektenschutzstrategie des Umweltministeriums Ausgewogenheit der Vorschläge"

    Hat jemand etwas anderes erwartet? Es geht nicht um Insekten, es geht um Wählerstimmen. Und die bekommt man (so denkt zumindest Frau Schulze), wenn man einen Schuldigen ausguckt und unter dem Gejohle der Unwissenden auf diesen einprügelt. Es ist der SPD dabei völlig egal ob der Betroffene Landwirt ist oder Maaßen heißt. P. S.: 2016 hat Svenja Schulze als Landesministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung in Nordrhein-Westfalen den Beschluß zur Abholzung des Hambacher Forstes mitgetragen.

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