Kammer erklärt Grünlandpflegetechniken

Striegel Striegel
Bild: Alfons Fübbeker
von Alfons Fübbeker, Landwirtschaftskammer Niedersachsen:

Ziel der Grünlandbewirtschaftung sollte eine dichte Narbe sein, denn lückige Grasnarben sind häufig die Ursache für einen erhöhten Schmutzeintrag in die Silage. Je höher der Erdanteil desto größer auch der Besatz an unerwünschten Keimen, die die Silierung erschweren können. Darüber hinaus mindert der Schmutzeintrag auch die Energiekonzentration.

Eine dichte Narbe bedarf aber gezielter Grünlandpflegemaßnahmen. Dazu gehören beispielsweise das Abschleppen zum Einebnen von Maulwurfshaufen oder das Striegeln zum Belüften der Grünlandnarbe und zur Anregung der Bestockung. Mit diesen Maßnahmen werden auch minderwertige Gräser reduziert und die Pflanzen von Güllereste befreit. Für die verschiedenen Pflegemaßnahmen werden unterschiedliche Techniken angeboten. Jedes Gerät hat seinen Einsatzschwerpunkt, wie in der Tabelle 1 aufgelistet.

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Zum Einebnen von Maulwurfshaufen sind Schleppen am besten geeignet, hingegen sorgen Striegel mit vielen Federzinken für eine sehr gute Bestandsbelüftung. Die Arbeitsqualität ist umso besser, je mehr Zinken verwendet werden und je besser sie sich dem Boden anpassen können, was durch bei einzeln aufgehängten Feldern möglich ist.

Um einen aufgefrorenen Boden zu rückverfestigen, wie auf humosen und anmoorigen Standorten häufig der Fall, eigenen sich am besten Glattwalzen mit einem großem Durchmesser und einem hohem Gewicht. Dabei ist zu bedenken, dass der Einsatzzeitpunkt stimmen muss, der Boden darf nicht zu nass aber auch nicht zu trocken sein. Bei mineralischen Böden ist das Walzen in den seltensten Fällen erforderlich. Auch das Beheben von Trittschäden oder Fahrspuren sind mit Walzen nur im geringen Umfang möglich.

Die Arbeitsqualität hängt bei allen Pflegemaßnahmen in erheblichen Umfang von der Arbeitsgeschwindigkeit ab. Beim Einsatz von Schleppen sind Geschwindigkeiten von 6 bis 10 km/h und bei Grünlandstriegeln von 10 bis 12 km/h häufig optimal. Gerade bei Grünlandstriegel sorgt die Fahrgeschwindigkeit in Kombination mit einem federnden Zinken für ein gutes Arbeitsbild, da rausgezogene Pflanzenreste auf der Fläche verbleiben und nicht zusammengeharkt werden. Hingegen ist langsames Fahren für einen guten Walzeffekt erforderlich.

Aufgrund der unterschiedlichen Ansprüche an die Fahrgeschwindigkeiten bei den verschiedenen Pflegemaßnahmen sind Gerätekombinationen nicht immer optimal. Deshalb ist ratsam, das Arbeitsbild bei Geräten die beispielsweise mit einer geringen Zinkenanzahl, einem großem Zinkendurchmesser und einer Andrückwalze mit kleinem Durchmesser ausgestattet sind, anhand der jeweiligen Einsatzbedingungen zu beurteilen.

Zum Ziel eine dichte Grünlandnarbe zu bekommen gehört es auch, erwünschte Futterpflanzen in Lücken etablieren. Dabei helfen Übersaaten bei kleineren Lücken (vorbeugende Pflege) und Nachsaaten bei größeren Lücken (Reparaturmaßnahme) die Dichte der Grasnarbe zu erhöhen. Dazu kommen für die Übersaat beispielsweise Elektroschleuderstreuer in Frage. Deren Verteilerfolg hängt stark von den Windverhältnissen ab.

Besser geeignet sind die windunempfindlicheren pneumatischen Säeinrichtungen, die auf die Schleppen bzw. Striegel aufgebaut werden. Neben der Übersaat, wo der Grassamen auf dem Boden abgelegt wird, gibt es Maschinen zur Nachsaat, die den Grassamen direkt in den Boden ablegen. Um einen besseren Bodenschluss vom Grassamen zu erreichen, arbeiten einige Geräte mit einer nachlaufenden Andrückwalze.

Bei der vorbeugenden Maßnahme zum Erhalt einer dichten Grasnarbe, also bei Übersaaten, werden in der Regel Saatgutmengen von ca. 5 kg/ha mehrmals im Jahr ausgebracht. Bei einer Reparaturmaßnahme sind es größere Saatgutmengen im Bereich von 15 kg/ha. Zum Erfolg trägt auch bei, wenn das Saatgut bzw. die Saatgutmischung entsprechend der Bodenart, den Klimabedingungen, der Nutzungsrichtung usw. ausgewählt wird. Sehr entscheidend für den Erfolg einer Über- bzw. Nachsaat sind, wie in der Tabelle 2 dargestellt, auch Faktoren wie der Zeitpunkt der Maßnahme und die Folgenutzung.

Tabelle

Im Frühjahr ist der Konkurrenzdruck der bestehenden Grasnarbe aufgrund des schnellen Wachstums größer als im Spätsommer. Deshalb ist eine Über- bzw. Nachsaat ist im Frühjahr nur sinnvoll, wenn Lücken im Bestand vorhanden sind und die Maßnahme zeitlich früh (bis Anfang April) erfolgt. Ansonsten ist der Erfolg gering, da der auflaufende Grassamen sich aufgrund des rasch wachsenden Altgrasbestandes kaum durchsetzen kann. Deswegen sind in den meisten Fällen Über- bzw- Nachsaaten zum Ende der Vegetationsperiode erfolgsversprechender.

Ebenso hat die Nutzung einen Einfluss auf den Konkurrenzdruck, bei Beweidung wird die Grasnarbe kurz gehalten, so dass neue Gräser sich besser entwickeln können. Je häufiger und schonender eine Nutzung erfolgt, des besser die Erfolgsaussichten. Elementar wichtig ist allerdings auch eine ausreichende Wasserversorgung (Bodenfeuchte). Zum einen für die Keimung des Saatgutes und zum anderen für das weitere Wachstum des Grases.

Zur Grünlandpflege gehört auch die Nachmahd von Weiden, damit überständiges Gras beseitigt und die Samenbildung bei Unkräutern verhindert wird. Besonders kurz vor dem Winter ist der Reinigungsschnitt wichtig, damit die Grünlandfläche mit einem möglichst gleichmäßig mit ca. 10 cm Wuchshöhe in den Winter gehen. Sind größere Weidereste zu beseitigen, ist es häufig sinnvoll mit einem normalen Mähwerken die Fläche zu mähen und anschließend in einen zweiten Arbeitsgang das Grüngut abzufahren. Bei geringeren Weideresten bieten sich Sichel- und Schlegelmulcher an, die das Mähgut sofort beim Mähen zerkleinern und verteilen. Aufgrund ihrer Bauart arbeiten Schlegelmulcher intensiver als Sichelmäher.

Fazit

Wo Grünlandnarben Mängel zeigen, ist eine gezielte Pflege notwendig. Durch Pflegemaßnahmen wie Walzen, Abschleppen, Striegeln und Nachmähen wird die Ertragsleistung der Grasnarbe erhalten bzw. verbessert und ein kostenintensiver Grünlandumbruch seltener erforderlich. Darüber hinaus helfen Übersaaten bei geringen Narbenlücken und Nachsaaten bei größeren Lücken in der Narbe, die Dichte der Grasnarbe und damit die Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

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