Dürre2018: Klimawandel könnte kritische Schwelle zur „Heißzeit“ überschreiten

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Bild: PNAS, Steffen et al. 2018

Wissenschaftler haben diese Woche erstmals davor gewarnt, dass die Erde eine Schwelle beim Klimawandel überschreiten könnte, die eine nicht aufhaltbare Kettenreaktion hin zu einer „Heißzeit“ auslöst.
 
So könnte der Planet durch verschiedene Rückkopplungsprozesse in einen Zustand geraten, den die Forscher als „Hothouse Earth“ bezeichnen. Eine solche Heißzeit wäre langfristig durch etwa 4°C bis 5°C höhere Temperaturen charakterisiert sowie durch einen Meeresspiegelanstieg um 10m bis 60m, schreibt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Der Übergang zu einer emissionsfreien Weltwirtschaft müsse deshalb deutlich beschleunigt werden, argumentieren die Autoren. Sie warnen, dass selbst die Umsetzung der im Pariser Abkommen festgelegten Pläne zur Minderung von Treibhausgasemissionen nicht reichen könnte.

„Industrielle Treibhausgasemissionen sind nicht der einzige Faktor, der die Temperatur auf der Erde beeinflusst. Unsere Arbeit weist darauf hin, dass eine vom Menschen verursachte globale Erwärmung von 2°C andere Prozesse des Erdsystems anstoßen könnte“, sagte Leitautor Will Steffen von der Australian National University (ANU) und dem Stockholm Resilience Centre (SRC). Diese wiederum könnten die Erwärmung weiter vorantreiben – selbst wenn wir aufhörten, Treibhausgase auszustoßen. „Um dieses Szenario zu vermeiden, ist es notwendig, das menschliche Handeln in eine neue Richtung zu lenken, von der Ausbeutung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Erdsystem.“

Derzeit liegt die globale Durchschnittstemperatur bereits um gut 1°C über dem vorindustriellen Niveau und steigt etwa 0,17°C pro Jahrzehnt an.

Permafrost taut, Meeresspiegel steigt, Methan wird frei, Regenwald stirbt

Die Autoren der Studie betrachten zehn natürliche Rückkopplungsprozesse, von denen einige mit den sogenannten Kippelementen im Erdsystem verknüpft sind. Durch das Überschreiten kritischer Schwellen könnten diese in fundamental andersartige Zustände versetzt werden. Die Rückkopplungen könnten z.B. Kohlenstoffspeicher in Kohlenstoffquellen verwandeln, die in einer entsprechend wärmeren Welt unkontrolliert Emissionen freisetzen würden.

Zu den kritischen Prozessen gehören insbesondere tauender Permafrost, der Verlust von Methanhydraten vom Meeresboden, eine Schwächung von Kohlenstoffsenken an Land und in den Ozeanen, eine zunehmende bakterielle Atmung in den Ozeanen, das teilweise Absterben des Amazonas-Regenwaldes sowie der borealen Wälder, eine Verringerung der Schneedecke auf der Nordhalbkugel, der Verlust von arktischem und antarktischem Meereis sowie das Schrumpfen der großen Eisschilde. Die Studie berücksichtigt noch nicht mögliche Rückkopplungen zwischen Emissionen und der planetaren Wolkenbedeckung.

Treibhausgase bringen Erdsystem aus dem Gleichgewicht

„Diese Kippelemente könnten sich wie eine Reihe von Dominosteinen verhalten. Wird einer von ihnen gekippt, schiebt dieses Element die Erde auf einen weiteren Kipppunkt zu. Es könnte sehr schwierig oder sogar unmöglich sein, die ganze Reihe von Dominosteinen davon abzuhalten, umzukippen. Manche Orte auf der Erde könnten unbewohnbar werden, wenn die „Heißzeit“ Realität würde“, ergänzt Johan Rockström, Direktor des Stockholm Resilience Centre und designierter Ko-Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

„Die Treibhausgasemissionen aus Industrie und Landwirtschaft bringen unser Klima und letztlich das ganze Erdsystem aus dem Gleichgewicht, das zeigen wir auf. Im Zentrum stehen hier vor allem die Kippelemente in der globalen Umwelt, die sich – sobald ein bestimmtes Belastungsniveau einmal überschritten ist – grundlegend, schnell und möglicherweise irreversibel verändern könnten. Gewisse Kaskaden solcher Ereignisse könnten das gesamte Erdsystem in eine neue Betriebsweise kippen“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, amtierender Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

„Was wir derzeit noch nicht wissen, ist, ob das Klimasystem sicher bei etwa 2°C über dem vorindustriellen Niveau ‚geparkt‘ werden kann, wie es das Pariser Abkommen vorsieht. Oder ob es, einmal so weit angestoßen, weiter abrutschen würde in ein dauerhaftes Supertreibhaus-Klima. Die Forschung muss sich daran machen, dieses Risiko schnellstmöglich besser abzuschätzen.“

Die Reduktion von Treibhausgasen allein reicht nicht aus

Um die Chancen zur Vermeidung einer „Heißzeit“ zu verbessern, brauche es nicht nur eine entschlossene Minderung von Kohlendioxid- und anderen Treibhausgasemissionen. Auch erweiterte biologische Kohlenstoffspeicher, etwa durch ein verbessertes Wald-, Landwirtschafts- und Bodenmanagement, oder die Erhaltung der biologischen Vielfalt sowie Technologien, um der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen und unterirdisch zu speichern, können eine wichtige Rolle spielen, so die Autoren. Entscheidend sei jedoch, dass diese Maßnahmen auch durch grundlegende gesellschaftliche Veränderungen gestützt werden.

„Das Klima und andere Veränderungen zeigen uns, dass wir Menschen das Erdsystem bereits auf globaler Ebene beeinflussen. Das bedeutet auch, dass wir als internationale Gemeinschaft an unserer Beziehung zum System arbeiten können, um die zukünftigen planetarischen Bedingungen zu beeinflussen. Diese Studie identifiziert einige der Hebel, die dafür genutzt werden können“, schließt Katherine Richardson von Center for Macroecology, Evolution and Climate an der Universität Kopenhagen.

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Rudolf Rößle · 1.
    GAIA Prinzip

    nach diesem Prinzip wird die Erde nach Möglichkeiten suchen, das Klima wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Spannend wird es geschichtlich, was bei hohem CO2 und Methangehalt in der Luft sich früher das Klima hat so einfallen lassen.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Oswald Steinle · 2.

    https://youtu.be/N-0Md4WSe-g

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Wilhelm Gebken · 3.
    Ich nehme die Klimaerwärmung die mit dem Ende der letzten Eiszeit begonnen hat sehr ernst, ABER:

    Ich werde sauer, wenn angebliche Experten versuchen, mir mit fakenews Angst einzujagen, um mich für ihre erbärmlichen Zwecke gefügig zu machen. Ich erwarte Fakten und keine Panikmache: Während der letzten 12.000 Jahre hat es insgesamt vier Perioden mit einer Gesamtdauer von mindestens 3.000 Jahren, also einem Viertel des Gesamtzeitraums gegeben, in der die Durchschnittstemperatur deutlich höher war als heute. Würde die Argumentation des inzwischen als fragwürdig zu bezeichnenden Potsdam- Instituts stimmen, so würden wir uns bereits seit mehr als 6000 Jahren in diesem Höllenszenario befinden. Die Tatsache, dass die vom Potsdam-Institut angedrohten fürchterlichen Folgen zu keinem Zeitpunkt eingetreten sind, obwohl die Vorausetzungen dafür mehrere tausend Jahre lang gegeben waren, lässt vermuten, dass es den "Forschern" um etwas völlig anderes geht, jedenfalls nicht um seriöse Wissenschaft. Wäre ihre Forschung seriös, so müsste in ihrem Szenario zumindestens eine Hypothese enthalten sein, die begründet, warum es in den vorhergehenden Warmzeiten nicht zu diesem Kippeffekt gekommen ist.

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