Klöckner: Gentechnikdebatte muss wissenschaftsbasiert geführt werden

Julia Klöckner Julia Klöckner
Bild: Twitter @JuliaKloeckner

Gegen immer weitere Einschränkungen bei Forschung und Anwendung neuer gentechnischer Verfahren will sich Bundesagrarministerin Julia Klöckner wehren. Dem Pressedienst Reuters sagte die CDU-Politikerin, dass die Debatte über Gentechnik wissenschaftsbasiert und nicht nach Stimmungen geführt werden müsse. Die klassische grüne Gentechnik mit CrisprCas in einen Topf zu werden, halte ich für sachlich falsch, sagte sie im Interview. Ob es zu Gesetzesänderungen komme, werde man sehen. Die Debatte sei noch nicht beendet.

Die bei CrisprCas - auch bekannt als Genschere - entstehenden neuen Pflanzen sind im Gegensatz zu gentechnisch veränderten Organismen (GVO) nicht von in der Natur vorkommenden Mutationen derselben Pflanzenart zu unterscheiden. Befürworter der neuen Technik hatten deswegen verlangt, CrisprCas-Pflanzen rechtlich konventionell gezüchteten Pflanzen gleichzusetzen. Der Europäische Gerichtshof hatte aber im Juli verfügt, dass CrisprCas-Pflanzen denselben restriktiven Zulassungsbestimmungen unterliegen müssen wie GVO.

“Wir müssen achtgeben, dass wir nicht aus Luxuspositionen des Überflusses heraus in Europa eine neue Technologie vor die Tür setzen”, sagte die Ministerin gegenüber Reuters weiter. Die neue Technologie könne die Lösung für landwirtschaftliche Probleme werden. “Damit könnten beispielsweise dürre-resistente Pflanzen gezüchtet werden.”

Ebner: Klöckner schwenkt auf Kurs der Gentechnik-Lobby ein

Unverständnis lösen diese Aussagen bei Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik der Grünen, aus. Er erinnert daran, dass sich Klöckner nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs über die rechtliche Klarstellung gefreut habe. Doch schon jetzt stelle sie das Urteil in Frage und stelle Gesetzesänderungen in den Raum, um es zu unterlaufen, kritisiert der Politiker.

"Damit stimmt Klöckner nach kürzester Schamfrist voll ein in den Chor der Gentechnik-Lobby, der sich seit dem Gentechnik-Urteil überschlägt in schriller Richterschelte und Forderungen nach Gesetzesänderungen. Dabei hat das oberste Europäische Gericht lediglich eine Selbstverständlichkeit klargestellt: dass auch neue Gentechnik Gentechnik ist und genauso behandelt werden muss."

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
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    Der EuGH hat entsprechend den Gesetzen richtig entschieden, da gibt es für mich kaum einen Zweifel. Aber ob die Gesetze richtig sind, darüber kann man sich durchaus nochmal unterhalten. Andererseits sollte jedem klar sein: So, wie heute bei der Gentechnik, müssen auch hier die Haftungsfragen geklärt werden. Was passiert, wenn die neuen Verfahren doch nicht so sicher sind? Das alles noch Risiken aufweist zeigt doch der damalige Fall des "Blutschwitzens", verursacht durch einen Impfstoff, der auch geprüft und zugelassen wurde. https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Ursache-von-Blutschwitzen-endgueltig-geklaert-1315097.html Die Haftungsfrage für den Landwirt ist auch einer der Gründe, warum sich GVO in Deutschland bisher nicht durchsetzen konnten.

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  2. von Wilhelm Grimm · 2.
    Sie mausert sich !

    Hoffentlich hält sie durch.

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  3. von Christian Bothe · 3.

    Genau die richtige Auffassung von Frau Klöckner. Die grüne Gentechnik ist genauso wie die Genomtechnologie das non plus Ultra der Entwicklung von u.a. klimaresistenten Pflanzen in die Zukunft hinein. Das Urteil des EuGH zu den neuen Züchtungstechniken ist überflüssig genau wie die ganze Diskussion um die grüne Gentechnik durch irgendwelche NGOs und die Grünen. Es ist rückwärts gewandt und wird sich ganz schnell überholen dank der Globalisierung. Nebenbei gesagt über die rote Gentechnik spricht kein Mensch mehr...

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