Klöckner will für Neonikotinoid-Verbot stimmen und Glyphosat eindämmen

Die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erklärt in zahlreichen Interviews ihre politischen Vorhaben, in Brüssel will sie für ein Verbot dreier Neonikotinoide im Freiland stimmen.
Bild: ZDF Mittagsmagazin

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat bestätigt, dass sie für das von der EU-Kommission geplante Neonikotinoid-Verbot stimmen will. Als Begründung zieht sie die Risikoeinschätzung aus dem Efsa-Gutachten heran. Zum Glyphosat-Verbot äußert sie sich skeptisch.

Klöckner legte sich am Wochenende fest, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium für ein Verbot von 3 Wirkstoffen der Neonikotinoide auf EU-Ebene stimmen will. „Die wissenschaftliche Empfehlung der Efsa sieht in Neonikotinoiden ein Risiko für die Bienen. Ich werde daher dem Vorschlag der EU-Kommission zustimmen. Demnach wird die Anwendung künftig auf Gewächshäuser beschränkt“, sagte Klöckner. Damit gibt es in der Frage Einigkeit zwischen dem Bundeslandwirtschafts- und dem Bundesumweltministerium und eine einheitliche Abstimmung Deutschlands ist in der Frage vorherzusehen.

Umweltministerin Svenja Schulze antwortete auf Klöckners Entscheidung prompt. „Das unterstütze ich sehr. Neonikotinoide schaden den Insekten und der Natur. Und daher ist es gut sie europaweit für das Freiland zu verbieten“, sagte Schulze. Klöckner begründete ihr Votum auch mit der Bestäubungsleistung der Bienen für die Landwirtschaft. „Was der Biene schadet, muss weg vom Markt. Der Schutz der Bienen und anderer Bestäuber ist mir ein besonderes Anliegen. Unsere Landwirte sind auf die Bestäubungsleistung angewiesen“, sagte Klöckner.

Über das von der EU-Kommission vorgeschlagene Verbot für die drei Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam im Freiland sollen die EU-Mitgliedstaaten bereits am 27.4. abstimmen. Die EU-Kommission hatte den Termin für die Abstimmung vergangene Woche um gut einen Monat vorgezogen. Ende Februar hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) eine überarbeitete Bewertung vorgelegt, laut der die drei Neonikotinoide ein hohes Risiko für Wild- und Honigbienen darstellen. Die EU-Mitgliedstaaten hatten eine neue Efsa-Einschätzung zur Bedingung gemacht, bevor sie über einen Vorschlag der EU-Kommission für ein Verbot der drei Neonikotinoide im Freiland entscheiden wollten. Betroffen von dem Verbot wären vor allem Saat- und Pflanzgutbehandlungen von Rüben und Kartoffeln. Die Beize mit diesen Neonikotinoiden bei Mais, Raps und Wintergetreide ist in Deutschland schon weitgehend eingeschränkt.

Klöckner will Reduktionsstrategie für Glyphosat vorstellen

Zum Thema Glyphosat gibt es allerdings keine Einigkeit zwischen dem Landwirtschafts- und dem Umweltministerium. Landwirtschaftsministerin Klöckner distanzierte sich ebenfalls am Wochenende von der Koalitionsvereinbarung nach einem baldigen Ausstieg aus der Nutzung von Glyphosat in Deutschland. Im

Interview mit der Süddeutschen Zeitung zeigte sich Klöckner skeptisch, ob ein Glyphosat-Verbot durchsetzbar wäre. „Verbote haben nicht immer Bestand“, sagte sie. Sie wies in dem Zusammenhang auf Bedenken aus Brüssel bei einem aktuellen Präzedenzfall in Österreich hin. Das österreichische Bundesland Kärnten hatte ein Verbot geplant. „Die EU-Kommission hat ernsthafte rechtliche Bedenken angemeldet“, sagte Klöckner.

Grundsätzlich will Klöckner wohl gegen den Einsatz des Stoffes vorgehen. Sie will den Glyphosateinsatz in Haus- und Kleingärten einschränken und die Suche nach Alternativen zu Glyphosat in der Landwirtschaft forcieren. „Wir müssen Glyphosat überflüssig machen“, sagte sie. Sie wolle in jedem Fall stärker „in die Forschung nach alternativen Pflanzenschutzmitteln investieren. Das wird die Zukunft sein“, sagte Klöckner weiter. Das Bundeslandwirtschaftsministerium arbeite bereits an einer Reduktionsstrategie. Die ersten Schritte zur Eindämmung des Glyphosat Einsatzes wolle sie bald vorstellen, konkretisierte Klöckner gegenüber top agrar.

Ein von Bundesumweltministerin Schulze gefordertes Aus für Glyphosat bis zum Ende dieser Legislaturperiode macht sich Klöckner aber bisher nicht zu Eigen. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD festgelegt, die „Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden".

Mehr zum Thema:

Lesen Sie mehr

11 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Ahrend Höper · 1.
    Unsere Landwirte sind auf die Bestäubungsleistung angewiesen“, sagte Klöckner

    Mit der Aussage hat Ministerin Klöckner total Recht. Die Landwirte sind ebenso auf eine Ministerin angewiesen, die nicht Miller´s und Tschimbke´s hörig ist, die mindestens ein wenig Fachkompetenz besitzt und sich nicht von diesen selbsternannten grünen Fachleuten ins Boxhorn schicken läßt. Falls eigene Fachkompetenz nicht vorhanden ist, ist Sie aber verpflichtet sich objektiv beraten zu lassen und nicht auf populistische Phrasen der grünen Spinner reinfällt. Schon schlimm genug dass die Bundeskanzlerin die Landwirtschaft zu Gunsten der Grünen opfert. Das "Insektensterben" entspricht genausowenig der wissenschaftlichen Wahrheit wie die als Tatsache verkaufte Lüge der NGO´s dass die Wölfe alle nach Deutschland gelaufen sind.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Wilhelm Grimm · 2.
    Auch bei Ministerin Klöckner: Politisch Lied, garstig Lied.

    Die Schulze bekommt ihre Neonicotinoide, und ich versuche es mit einer Glyphosatminderungsstrategie.. Mit faulen politischen Kompromissen, die sachlich nicht gerechtfertigt sind, kann die deutsche Landwirtschaft nicht leben.

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Reinhard Matzat · 3.
    Neonikotinoide

    Imker die ihre Bienen vor der Varroamilbe schützen wollen setzen auch die Neonikotinoide zur Desinfektion ein !!! Es ist nicht Erlaubt aber es hilft der Biene gegen der Milbe . Wir werden doch nur noch BELOGEN und BETROGEN !!

    Das meinen unsere Leser:
  4. von Heinrich Roettger · 4.
    Zuerst Ameisenköder verbieten

    70 Prozent aller Bienenschäden werden nachweislich durch , auf der Terrasse der Hausbewohner ,angewendete Ameisenköder verursacht. Warum sind Sie noch am Markt ??

    Das meinen unsere Leser:
  5. von Matthias Zahn · 5.
    Wie so oft in der Landwirtschaft,

    wird auch hier Landwirtschaftspolitik im Kämmerchen in Berlin oder Brüssel gemacht. Dieses Kämmerchen befindet sich offenbar im Keller und hat keine Fenster. Nur so kann es zustande kommen, das so viele praxisferne Entscheidungen getroffen werden. Ich frage mich, wo hier unsere Vertreter von Bauernverband und den C-Parteien sind, die in jeder Sonntagsrede ihre nähe zur Landwirtschaft betonen. Vielleicht sollten wir unsere Vertreter nicht mehr am Sonntag einladen, sondern unter der Woche. Ärmel hochkrempeln und anpacken lassen!!! Eine gehörige Prise Stallluft um das Politikerhirn mal wieder ordentlich durch zu pusten......

    Das meinen unsere Leser:
  6. von Wolfgang Rühmkorf · 6.

    Auch Frau Klöckner sollte den Unterschied zwischen Toxizität und Anwendungsrisiko kennen und verteidigen. Bei den Neoniks an der Rübenpille ist eine Bienenschädigung ausgeschlossen. Ein Verbot auch dieser Anwendung wird mehrere Insektizidspritzungen gegen virusübertragende Blattläuse zur Folge haben, die nicht nur saugende Insekten abtöten! Weiterhin wird die Resistenzbildung gegen die wenigen noch zugelassenen Insektizide gefördert. Wenn Frau Klöckner die Vernunft dem Populismus unterliegen läßt, ist sie fehl in ihrem Amt!!

    Das meinen unsere Leser:
  7. von Max-Josef Huber · 7.
    Bienenlüge ?!

    Man kann getrost von einer Bienenlüge reden ! Seit 2006 ist die Zahl der Imker und Bienenvölker stetig steigend ! Der Honigertrag hat sich in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt von 15 kg/Bienenvolk auf 35 kg / Bienenvolk ( laut Deutschen Imkerbund ) mit einer Rekordernte 2017 . Und das gerade wegen dem Rapsanbau wo die meisten Insektizide eingesetzt werden ! Der Honigertrag steigt jährlich um fast 40 000 t ( laut FAO ) , Wie kann man hier von einem Bienensterben reden ?? Die Frauen Ministerinnen sollten endlich mal aufwachen !

    Das meinen unsere Leser:
  8. von Wilhelm Grimm · 8.
    Wenn der Bienentod durch Neonics verursacht wuird,

    dann hat die Ministerin recht. Nach meinen Informationen gibt es aber dafür keine eindeutigen Beweise.

    Das meinen unsere Leser:
  9. von Werner Kriegl · 9.
    Vernünftig

    Der Standpunkt der Ministerin ist doch vernünftig! Wenn es durch die Neos tatsächlich (umkalkulierbare) Risiken gibt, ist ein Verbot durchaus zu rechtfertigen. Da die Risiken bei Glyphosat offensichtlich nicht so groß sind, wie gerne in den Medien veröffentlicht, ist ein Verbot nur schwer zu rechtfertigen. Daher halte ich Ihren Standpunkt für vertretbar und vernünftig...

    Das meinen unsere Leser:
  10. von Albert Maier · 10.
    Der....

    ..,.,. manipulierte Mainstream setzt sich durch!

    Das meinen unsere Leser:
  11. von Wilhelm Grimm · 11.
    Die Ministerin

    hat Angst vor den Umweltaktivisten. Kein guter Start.

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren