Bundesrat stimmt Verordnung zur Stoffstrombilanzverordnung zu

Gülledüngung Gülledüngung
Bild: Archiv

Der Bundesrat hat am 24. November 2017 einer Regierungsverordnung zur so genannten Stoffstrombilanz mit einigen Änderungen zugestimmt. Landwirtschaftliche Betriebe müssen ab dem nächsten Jahr die zugeführten und abgegebenen Mengen an Stickstoff und Phosphor bilanzieren und bewerten.

Dazu dokumentieren sie Nährstoffe, die zum Beispiel über Futtermittel und Saatgut auf den Hof kommen, und vergleichen sie mit den Mengen, die ihn über pflanzliche und tierische Erzeugnisse wie Gülle, Wirtschaftsdünger, Aussaat und Nutztiere wieder verlassen.

Wahlmöglichkeit bei der Bewertung

Auf Drängen des Bundesrates gilt für die Bewertung künftig ein Optionsmodell: Betriebe haben die Wahl, die Bilanz auf Grundlage einer bundesweit einheitlichen Obergrenze von 175 kg Stickstoff pro Hektar zu bewerten oder mit einer individuell zu erstellenden Bilanz, die die konkreten betrieblichen Verhältnisse berücksichtigt. Dadurch können Landwirte unvermeidliche Verluste und erforderliche Zuschläge berücksichtigen – so die Anwendung größere Mengen an Kompost, um die Humusversorgung der Böden zu verbessern. Auch Biogasbetriebe und flächenlose Unternehmen wie zum Beispiel Geflügelhöfe sind in der Lage, eine Bewertung durchzuführen.

Grundwasserschutz als mittelbares Ziel

Die Pflicht zur Stoffstrombilanzierung wurde im kürzlich novellierten Düngegesetz eingeführt und wird durch die vorliegende Verordnung konkretisiert. Sie soll dazu beitragen, die landwirtschaftlichen Betriebe bei der Stoffstrombilanzierung und beim Nährstoffvergleich einheitlich beurteilen zu können. Mittelfristig dient sie auch dem Grundwasserschutz: Die EU hatte Deutschland wegen zu hoher Nitratbelastungen im Grundwasser verklagt. Wasserverbände beklagen seit langem steigende Kosten wegen zu hoher Nitratwerte und Überdüngung der Felder.

Gestuftes Verfahren

Die Verordnung gilt ab 1. Januar 2018 unter anderem für Betriebe mit mehr als 50 Großvieheinheiten je Betrieb oder mit mehr als 30 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche bei einer Tierbesatzdichte von jeweils mehr als 2,5 Großvieheinheiten je Hektar. Ab dem 1. Januar 2023 werden die Vorgaben auf Betriebe mit mehr als 20 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche oder mehr als 50 Großvieheinheiten je Betrieb ausgeweitet.
Mehrmonatige Beratungen erfolgreich abgeschlossen

Mit der Zustimmung schließt der Bundesrat mehrmonatige Beratungen zwischen Bund und Ländern ab. Die Verordnung stammt noch von der bisherigen Bundesregierung und war vom alten Bundestag am 29. Juni 2017 beschlossen worden. Am 22. September 2017 hatten die Länder die Vorlage kurzfristig von der Tagesordnung abgesetzt und zur nochmaligen Beratung in die Ausschüsse zurückgegeben. Der heute gefasste Beschluss beruht auf einer neuen Ausschussempfehlung. Setzt die geschäftsführende Bundesregierung die vom Bundesrat beschlossenen Änderungen um, kann sie die Verordnung verkünden und in Kraft setzen.

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5 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Peter Held · 1.
    Jetzt geht es aber richtig los mit der Bürokratie

    Der Düngeplaner ist schon kompliziert genug - ich verwende den von der LKK-SH. Für einen Kleinbetrieb mit nur Ackerbau eigentlich viel zu aufwendig. Obendrein ist noch umstritten ob viehlose Betriebe, die aber Gärreste beziehen zur Stoffstrombilanz verpflichtet sind: Agrarberater sag ja, LKK sagt auf Anfrage erstmal nein, informell habe ich von dieser Seite schon wieder etwas anderes gehört. Helfen wird die ganze Düngeregulierung wohl nicht viel, wenn der Biostatistiker Kekl ("Nitratlüge") Recht behält. Auch wenn das Meßstellennetz jetzt wieder erweitert worden ist, sind die Meßmethoden (Denitrifikationsstufung im Boden), und die Häufigkeitsverteilung anzuzweifeln. Ich habe bisher leider wenig Gegenargumente bei meinen Recherchen gefunden - oder kann mir da jemand auf die Sprünge helfen?

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  2. von Armin Brader · 2.

    Dr. Till Backhaus (SPD): „Mit dem Kompromiss haben wir die Möglichkeit, ausreichendes Datenmaterial zu sammeln, um ein wirklich wirksames und wissensbasiertes System zu entwickeln, welches die landwirtschaftlichen Betriebe mitnimmt und gleichzeitig der Umwelt, insbesondere dem Gewässerschutz, zu Gute kommt. Topagrar.com - Lesen Sie mehr auf: https://www.topagrar.com/news/Acker-Agrarwetter-Ackernews-Kompromiss-zur-Stoffstrombilanzverordnung-gefunden-8898389.html?page=2#respond Nehmen die beim regieren Drogen? Was soll da raus kommen, wenn ich mir 160 schlechte Brunnenmesswerte suche und auf Brüssel melde, Österreich hat über 2000 Messergebnisse gemeldet (ist auch en größeres Land wie wir!). Fakten haben wir genug, wenns einer wissen will! DÜV ist die größtmögliche Diskriminierung eines Berufsstandes und hat nichts mit Grundwasserschutz zu tun!

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  3. von Wilhelm Grimm · 3.
    Viel zu wenig Bürokratie !

    Ich würde am liebsten alle dafür Verantwortlichen nach China zu effektiver Arbeit auf das Land schicken, damit sie mal wieder das normale Leben kennen lernen.

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  4. von Stefan Rothlehner · 4.

    Nicht so kompliziert denken ;) Entscheidend sind die 2,5gv/ha. Also jemand der 200gv hat,mit und 100ha, muss noch nicht machen. Da bloß 2gv/ha. Der mit 150gv und 50ha muss sofort eine machen, da 3gv/ha. Betriebe mit wenig Tieren und wenig Fläche, also weniger als 50gv und weniger als 20ha, müssen nicht machen , selbst wenn die mehr als 2,5gv/ha hätten. Also 45gv, und 10ha muss keine machen, auch wenn er 4,5gv/ha hat. Der mit 55gv und 10ha muss wiederum schon eine machen. Hoff mit den Beispielen is verständlicher :)

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  5. von Gerhard Eschbaumer · 5.

    Wer muss die Stoffstrombilanz jetzt ab 1. Januar erstellen? Mehr als 2,5 GV/ha und mehr als 50 GV/Betrieb folglich ab 20 ha. Wozu dann die zweite Möglichkeit 30 ha. Und ab 2023 ohne GV/ha Begrenzung? Stehe vielleicht momentan auf der Leitung.

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