Neue „Pflugregelung“ bei Dauergrünland bleibt unzureichend

Grünlandumbruch Grünland oder Ackergras? Allein das Pflügen soll für die Unterbrechung der fünfjährigen Entstehungsphase des Dauergrünlandstatus maßgeblich sein
Bild: top agrar

Die ab 2018 in Deutschland geltende sogenannte „Pflugregelung“ zur Unterscheidung des Dauergrünlandes vom Ackerland ist aus Sicht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) mangelhaft, auch weil sie zu einer zusätzlichen bürokratischen Belastung der Landwirte führt.

Auf diese unbefriedigende Situation hat der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in einem Brief hingewiesen und weitere Erleichterungen angemahnt.

Künftig soll allein das Pflügen für die Unterbrechung der fünfjährigen Entstehungsphase des Dauergrünlandstatus maßgeblich sein. Kehrseite der neuen Regelung ist, dass künftig auch auf Ackerfutterflächen der Zeitpunkt des Pflügens gegenüber den Behörden dokumentiert werden soll.
 
DBV-Präsident Rukwied erkennt die Bemühungen des Bundesagrarministeriums um Verbesserungen auf europäischer Ebene an. „Es ist aber aus unserer Sicht kontraproduktiv, dass mit der „Pflugregelung“ bereits der Pflegeumbruch einer Dauergrünlandfläche zur Wiederansaat auch dann als genehmigungspflichtige Umwandlung von Dauergrünland eingestuft werden soll, wenn kein Wechsel der Flächennutzung erfolgt,“ so Rukwied.

Deutschlandweit wären mit einer solchen Vorgabe zehntausende zusätzliche bürokratische Genehmigungsverfahren verbunden. „Für die Umsetzung muss eine einfache, praxistaugliche sowie ökonomisch und ökologisch sinnvolle Verbesserung beim Dauergrünland erreicht werden“, fordert der DBV-Präsident.

Zusätzliche Genehmigungsverfahren für Pflegeumbrüche bei bereits bestehendem Dauergrünland würden Landwirte und Behörden unverhältnismäßig belasten, ohne dass ein Mehrwert für das Ziel des Dauergrünlanderhalts erreicht wird. „Daher halte ich es für erforderlich, Pflegeumbrüche ohne Nutzungsänderung von der Genehmigungspflicht auszunehmen“, betont Rukwied in seinem Schreiben.
 
Mit Blick auf die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 fordert der DBV, dass der starr vorgegebene 5-Jahres-Zeitraum für die Entstehung von Dauergrünland durch eine einfache Stichtagsregelung abgelöst wird. Hiermit kann die zum Dauergrünland mittlerweile kaum überschaubare Rechtslage als Ursache für fortdauernde Unsicherheiten und Probleme aufgelöst werden. Landwirte wären dann nicht mehr gezwungen, aus rein bürokratischen Gründen und zur Vermeidung von Fristabläufen und Haftungsrisiken den Pflug einzusetzen.

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5 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gebhard Aierstock · 1.
    Vollpfostenverordnung!

    Wer Ackerland eingesät hat, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als nach 5 Jahren umzubrechen, damit er den Ackerstatus nicht verliert. Sehr förderlich für die Biodiversität!! Klassische Fehlentscheidung des EUGH!

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  2. von Andreas Schmid · 2.
    Bürokratie

    Der beste Bürokratieabbau wäre das Streichen des Verbotes.

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  3. von Gerd Uken · 3.
    Was hat sich denn geändert

    Bislang musste ja auch eine mit Ackerstatus versehene Fläche im 5 Jahr umgebrochen werden-einzige Ausnahme wenn die Fläche biologisch bewirtschaftet wurde -oder liege ich falsch?

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  4. von Renke Renken · 4.
    Soviel zum Bürokratieabbau

    und wenn es in D mehr Hirn regnet, als wir Niederschläge in den letzten 8 Monaten gehabt haben, hilft es dieser Idiotie von Bürokratie auch nicht mehr.

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  5. von Gerhard Steffek · 5.
    ausgemachter Schmarrn -

    wie man bei uns sagt, für so einen Blödsinn. Ich sehe in dieser 5-Jahres-Regel keinen Sinn, aber auch schon gar keinen. Für was braucht, will man diese? In der Natur gibt es immer einen Wandel, die Natur macht Wandel. Was würden diese Bürokraten eigentlich sagen, wenn eine Horde Wildschweine dieses Dauergrünland "über Nacht" umpflügt? Verliert diese Fläche dann auch den Grünlandstatus und der Landwirt seine "Ausgleichszahlungen". Außerdem offenbart sich bei dem Umbruchverbot für Dauergrünland zur Neuansaat doch auch wieder der nächste bürokratische Irrsinn, in ökologischer, wie ökonomischer Hinsicht. Auf der einen Seite verbietet man das Pflügen, auf der Anderen den Einsatz von Glyphosat, mit dem ich pfluglos eine Grünlanderneuerung durchführen kann. Wißt ihr schon was ihr wollt? Oder bleibt hier nur noch das Stoßgebet: "Herr schmeiß Hirn vom Himmel, denn sie wissen nicht was sie tun".

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