Neues Düngerecht: Thünen-Institut legt Bericht über betriebliche Stoffstrombilanzen vor

Gülledüngung Gülledüngung
Bild: Stegemann

Nach § 11a des geänderten Düngegesetzes müssen viehstarke Betriebe ab dem Jahr 2018 eine Stoffstrombilanz erstellen. Wie diese neue Bilanz berechnet und bewertet werden soll, ist noch offen. Im Bundesagrarministerium wird derzeit ein Verordnungsentwurf zur Einführung der betrieblichen Stoffstrombilanz vorbereitet. Eine vom BMEL initiierte Arbeitsgruppe, der auch Wissenschaftler des Thünen-Instituts angehören, hat dafür Entscheidungsgrundlagen erarbeitet.
 
Die betriebliche Stoffstrombilanz sieht einen Vergleich der Nährstoffzufuhr und -abfuhr für den Gesamtbetrieb vor. Entsprechend einer Hoftor- oder Gesamtbilanz werden die Nährstoffmengen erfasst, die über Dünge- und Futtermittel oder andere Produkte in den Betrieb gelangen und die ihn über landwirtschaftliche Erzeugnisse verlassen.

Die neue Nährstoffbilanz für Stickstoff (N) und Phosphor (P) soll schrittweise den Nährstoffvergleich ablösen, wie ihn die Düngeverordnung bislang vorschreibt. Beim Nährstoffvergleich handelt es sich um eine Flächen- oder Feld-/Stallbilanz. Zugekaufte Futtermittel und tierische Verkaufsprodukte werden im Nährstoffvergleich nicht erfasst, dafür aber innerbetrieblich erzeugte und verwertete Futtermittel und Wirtschaftsdünger.  
 
Betroffen von der neuen Regelung sind ab dem Jahr 2018 Betriebe mit mehr als 50 Großvieheinheiten je Betrieb oder mit mehr als 30 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche bei einer Tierbesatzdichte von jeweils mehr als 2,5 Großvieheinheiten je Hektar. Dazu zählen auch Tierhaltungsbetriebe ohne Fläche, die bisher nach der Düngeverordnung keinen Nährstoffvergleich berechnen müssen. Zudem gilt die Verpflichtung für alle Tierhaltungsbetriebe, die Wirtschaftsdünger aus anderen Betrieben aufnehmen.

Ab dem Jahr 2023 sollen alle Betriebe über 20 Hektar oder mit mehr als 50 Großvieheinheiten zur Erstellung einer Stoffstrombilanz verpflichtet werden. Auch dann müssen Betriebe eine Stoffstrombilanz erstellen, wenn sie zwar die Schwellenwerte unterschreiten, aber Wirtschaftsdünger aus anderen Betrieben aufnehmen. 
 
Für die Festlegung der methodischen Grundlagen zur Berechnung und Bewertung betrieblicher Stoffstrombilanzen hat das BMEL Anfang 2016 eine Arbeitsgruppe etabliert. Die AG-Mitglieder kommen aus Agrar- und Umweltministerien des Bundes und der Länder, aus nachgeordneten Behörden und aus der Wissenschaft, darüber hinaus waren Sachverständige aus den Bereichen Gewässerschutzberatung und Buchführung beteiligt.  
 
Der nun vorliegende Bericht, den Wissenschaftler des Thünen-Instituts mit Unterstützung der AG-Mitglieder erstellt haben, dokumentiert die Ergebnisse der Arbeitsgruppe. Aus Sicht der AG-Mitglieder sollen für die Bilanzierung von Nährstoffmengen grundsätzlich Lieferscheine bzw. Rechnungen herangezogen werden. Für Düngemittel und Mischfuttermittel gibt es gesetzliche Vorgaben zur Deklaration, die eine genaue Berechnung der Nährstoffmengen ermöglichen. Für Produktgruppen, für die keine Deklaration von Stickstoff bzw. Phosphor vorgeschrieben ist, sollen Ergebnisse aus Produktanalysen herangezogen werden. Alternativ können Nährstoffgehalte bei eindeutiger Produktzuordnung aus bundesweit vereinheitlichten Tabellenwerken zu N- und P-Gehalten entnommen werden.  
 
„Rechnungen und Lieferscheine für die Berechnung der Zu- und Abfuhr von Nährstoffmengen heranzuziehen, erhöht die Transparenz von Nährstoffbilanzen und verbessert ihre Überprüfbarkeit“, so Dr. Susanne Klages, eine der Autorinnen des Berichts. Gerade in Tierhaltungsbetrieben mit interner Verwertung der Wirtschaftsdünger kann  die Bilanzierung aus Sicht vieler AG-Mitglieder verbessert werden, wenn anstelle des bisherigen Nährstoffvergleichs nach Düngeverordnung künftig die Nährstoffzufuhr und -abfuhr für den Gesamtbetrieb bilanziert wird. Dies liegt daran, dass für den Nährstoffvergleich eine Schätzung der Nährstoffausscheidungen der Tiere und der selbst erzeugten Futtermittel vorgenommen wird, die häufig mit großen Unsicherheiten verbunden ist.  
 
Kritisch haben viele AG-Mitglieder angemerkt, dass die Stoffstrombilanz für die Düngeberatung nur begrenzten Wert hat, da diese Bilanzform keine Einblicke in die innerbetrieblichen Nährstoffflüsse erlaubt. In der AG konnte kein Konsens darüber erzielt werden, wie die mit Hilfe der Stoffstrombilanz berechneten, betrieblichen Nährstoffüberschüsse bewertet werden sollen. Eine Mehrheit der AG-Mitglieder spricht sich für die Einführung einer neuen Bewertungs-methode auf Basis von Brutto-Stickstoff-Salden ohne Abzug von Verlusten aus. Allerdings gab es keine Einigung auf einen konkreten Vorschlag. Konsens bestand dagegen darüber, dass in jedem Fall die Brutto-Salden ausgewiesen werden sollen und dass künftig auch Biogasbetriebe eine Stoffstrombilanz erstellen sollten.
 
 

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Hermann Stroemer · 1.
    Ein Jahr Arbeitskreis

    und kein konkretes Ergebnis. Applaus für so viel Kompetenz!!!

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  2. von Eike Bruns · 2.
    Und es wird Abweichungen geben.

    Wir haben eine BGA was rein und raus geht wird über eine geeichte Waage gemessen. Wir haben mit der LWK Versuche gemacht (Abweichungen bei P von 25 - 30 %). Dieses Gesetzeswerk wird weder die Nährstoffgehalte im Wasser reduzieren,noch sonst etwas positives bringen. Es wird die Landwirte betrafen die viehlos wirtschaften weil sie Gefahr laufen (gerade bei Festmist) "unerklärliche" Nährstoffgehalte im Boden zu haben --Konsequenz "Vegane Düngung" also Mineraldünger. Sie wird Tierhalter mit Fläche bestrafen weil nach ein paar Jahren "Stoffstrombilanz" unerklärlicher weise Im Grundwasser zu viel Nitrat ist und deshalb die organische Düngung auf sagen wir mal 120 kg N reduziert wird. Sie wird aber die Gewerblichen Anlagen OHNE Fläche kaum belasten weil der Mist nach Polen geht und dann von dort das billige Fleisch und Brotgetreide zurückkommen wird. Richtig wäre gewesen wenn wir Landwirte alle 2-3 Jahre eine amtliche Bodenprobe hätten ziehen lassen müssen und Flächen die stark P gedüngt wurden ca. 1000 Euro/ha in den folge Jahren Abgabe zahlen müssten (natürlich mit Toleranzbereich weil wir ja in der Natur wirtschaften). Dann hätten wir nach Entzug düngen müssen ( so wie 99 % es jetzt auch machen) und der Dünger wäre egal gewesen (organisch oder Mineralisch). Das Problem ist nur das man dazu a. aus dem Büro/ Parlament raus muss in die Natur und b man sich fachlich mit Landwirtschaft beschäftigen muss. Für unsere links - ökologische Politiker und Verwaltungskaste natürlich ein Albtraum, nur es würde ohne weitere "Kriminalisierung" der Landwirte auskommen. Wir werden jetzt wieder viele SKANDALE haben weil so und soviel % der Bauern gegen die Düngergesetzgebung verstoßen. Fehlende Belege, Datum von Abgabe und Aufnahme passen nicht, Frühsommertrockenheit = Überdüngung man muss doch wissen wie das Wetter in 2 Monaten ist. Dann kommt das mit dem Bodenschutz, weil wir nicht bei Frost ausbringen dürfen und es auch noch regnen sollte ist z.B. in der Wesermarsch zum 1. Schnitt keine Gülledüngung möglich. So ganz langsam bin ich auch für die 100 % Ökolandwirtschaft so wie vor 200 Jahren aber nur in Deutschland und ohne die Möglichkeit des Privaten und gewerblichen Lebensmittel Import. Hunger hilft denken.

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  3. von Josef Doll · 3.
    Wieso das alles ??

    Von mir aus dürfen Betriebe mit mehr als 2,5 GV je ha keine eigene Bodenproben auf ihren Flächen ziehen. Sind diese im Rahmen allso Klasse C ist doch alles in Ordnung. Bei höheren Entzügen kann/muss auch mehr gedüngt werden!! Bei Betrieben die in Wassereinzugsgebieten liegen müssen ja auch nur die Werte ( Nmin bis 90 cm eingehalten werden ) liegen die unter dem Wert ist alles in Ordnung oder ?? Mich wundert nur das gerade DIE ( meist der Linken Zene zuzurechnen ) sich in IHREN Persönlichkeitsrechten eingengt sehen obwohl Sie nur auf Bilder in Wald,Bahnhöfen, Städten zu sehen sind. Nur den Bauern der muss sich nicht nur nackt ausziehen nein er muß dann auch noch zu erknennen sein. So etwas nenne ich Doppelmoral !!!

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  4. von Wilhelm Gebken · 4.
    Zitat: „Rechnungen und Lieferscheine für die Berechnung der Zu- und Abfuhr von Nährstoffmengen heranzuziehen, erhöht die Transparenz von Nährstoffbilanzen und verbessert ihre Überprüfbarkeit

    Merkt ihr was? Ein weiterer eindeutiger Schritt in Richtung des "Staatsguts Deutschland". Der leibeigene Bauer ist noch eine Stufe tiefer gesunken und inzwischen zur untersten Ebene in der Verwaltungshierachie verkommen - Bezahlung noch nicht einmal nach A1, auch kein Mindestlohn, keine Aufstiegsmöglichkeit; ein Sklave eben, der neben seiner 366 tägigen Fronarbeit und der Behördengängelung auch noch sehen muss, wie er trotzdem seine Familie ernähren kann.

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