Nitratbericht: Grundwassermessstellen weiterhin nicht repräsentativ!

Bauer Willi Bauer Willi
Bild: MIV
Bauer Willi hat sich den Nitratbericht 2016 mit dem "erweiterten" Messnetz vorgenommen. Verglichen mit anderen EU-Staaten ist auch der alles andere als repräsentativ, schreibt er auf www.bauerwilli.com:

Deutschland, das bisher 162 Meßstellen für Nitrat gemeldet hatte, hat im neuen Nitratbericht 2016 nun rund 700 ausgewiesen und damit die Zahl mehr als vervierfacht. Klingt doch gut und dürfte alle zufriedenstellen, die bisher über eine nicht repräsentative Auswahl geschimpft haben. Wäre so, wenn das viel kleinere Österreich nicht 1.965 Messstellen ausgewertet hätte. Und das nicht erst seit gestern sondern schon über einen langen Zeitraum.

Ich habe darauf hin mal ein paar Zahlenspiele gemacht. Bezieht man die Meßstellen auf die Zahl der Einwohner, so hatte Deutschland bisher 1,9 Meßstellen pro eine Million Einwohner und kommt jetzt auf 8,6. In Österreich sind es 225.

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Bezieht man es auf die landwirtschaftliche Nutzfläche – was ja durchaus Sinn macht – so verbessert sich Deutschland von 9,7 auf 42,2 Meßstellen pro eine Million Hektar. In Österreich lautet die Zahl 720.

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Bezieht man es auf die Gesamtfläche, also auch auf die Siedlungs- und andere Flächen, (ja, auch dort entsteht Grundwasser!) so hatte Deutschland bisher pro 1000 Quadratkilometer 0,46 Meßstellen und kommt nur auf 1,97. Für Österreich lautet die Zahl 23,4. Die Zahlen für Belgien sind auch interessant.

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Wie viele Meßstellen melden andere Länder an die EU? Spitzenreiter mit 5.331 ist Italien, Spanien meldet 4.770 und das Vereinigte Königreich 3.088. Die melden wohl einfach alle Meßstellen, also nicht nur die, in denen Landwirtschaft betrieben wird. Macht ja auch Sinn.

Gerne wird Malta in diesem Vergleich erwähnt. Dieses Land hat zwar nur 41 Meßstellen, was aber – statistisch gesehen – 3.727 Meßstellen pro eine Million Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche entspricht. Die haben halt nur so wenig Hektar. Ist aber nicht deren Schuld, die Insel ist halt nicht größer.

Was mir auch noch auffiel: Ganz Mecklenburg-Vorpommern war bisher mit nur einer einzigen Meßstelle vertreten, da sind es jetzt im neuen Nitratbericht ein paar mehr geworden. In Niedersachsen gab es bisher ganze Landkreise ohne gemeldete Meßstellen (Hildesheim, Northeim u.a.). Jetzt gibt es ein oder zwei Meldungen auch von dort. Im Rheinland hat sich die Zahl der Meldungen auch erhöht, allerdings wurden im Wesentlichen dabei die viehstarken Regionen „bevorzugt“. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Statistik scheint halt doch auch etwas mit Politik zu tun zu haben…

Und weil wir gerade bei Zahlenspielen sind: Im Durchschnitt werden in der EU 8 Meßstellen pro 1000 Quadratkilometer gemeldet. Wenn Deutschland sich nur an den EU-Durchschnitt halten würde, müssten es statt 700 Meßstellen eigentlich 2.856 Meßstellen ausweisen. Nimmt man sich die Österreicher zum Beispiel, müssten es sogar 8.354 Meßstellen sein, die man eigentlich melden sollte. Das sind noch mal 7.653 Stellen mehr als im ach so tollen „erweiterten“ Meßnetz 2016.

So kann ich mit meinem, zugegeben laienhaften, Verstand nur feststellen, dass unser Meßnetz immer noch nicht repräsentativ ist. Und vielleicht sollte man Statistik auch den Statistikern überlassen. Die verstehen ja (hoffentlich) was davon.

Und vielleicht sollte Berlin und unsere Ministerpräsidenten in den Ländern ja mal mit Wien telefonieren. Das könnte vielleicht zur Versachlichung der Debatte etwas beitragen.

Wir Bauern sollten uns jedenfalls mit dem „verbesserten“ Zustand aus 2016 nicht leichtfertig zufrieden geben…
…meint Euer Bauer Willi

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    repräsentativ

    Die Zahl der Messstellen sagt nicht wirklich viel darüber aus, ob diese repräsentativ sind. Man kann mit wenigen oder auch mit sehr vielen Messstellen Werte verzerren.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Wilhelm Gebken · 2.
    @Paul Siewecke: Ja und Nein

    Die Wasserversorger nehmen ständig Proben. Alle Ergenisse aller Messstellen sind sogar öffentlich zugänglich. Es gibt dort (aus Sicht unserer Gegner) aber zuwenig Nitrat. Daher weicht man auf zusätzliche Messnetze aus. Die Zusammensetzung und Bezeichnung dieser Messnetze variiert ständig.

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Paul Maier · 3.
    Danke an Bauer Willi.

    Hier wurde sachlich nüchtern die Dichte des Grundwassermeßnetzes in Deutschland mit dem unserer europäischen Nachbarn verglichen. Dabei liegt Deutschland mit seinen nunmehr 700 Meßstellen noch weit hinten. Somit ist die Aussage, dass unser Meßnetz immer noch nicht repräsentativ ist und auch jetzt noch der Verdacht auf eine gezielte Auswahl von Nitrathotspots besteht, voll gerechtfertigt. Die Berichte in den Medien über die neuen Zahlen, wonach jetzt noch 28 % der Meßstellen den Grenzwert übersteigen anstatt wie früher 50 %, vermittelten aber dem unbedarften Leser bzw. Hörer den Eindruck von einer echten Verschlechterung der Grundwasserqualität. Nach dieser Methode wird in Sachen Grundwasserschutz schon lange und leider mit Erfolg (bei Wählern) verfahren. Die wenigen Stimmen, die sich wie Bauer Willi degegen erheben. sind sehr leicht zu ignorieren. So bleibt nur die Feststellung, dass auch hier wieder ein klarer Beweis für das "postfaktische Zeitlalter" erbracht wurde.

    Das meinen unsere Leser:
  4. von Paul Siewecke · 4.
    Wo ist das Problem?

    Jeder Haushalt wird mit Trinkwasser versorgt, was wenigstens zum Teil aus dem Grundwasser stammt. Wasserwerke müssen ständig Proben ziehen. Warum nimmt man nicht diese flächendeckenden und damit repräsentativen Daten? Oder will man nicht?

    Das meinen unsere Leser:
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