Planspiel zur neuen Düngeverordnung: "Komplex und teilweise frustrierend"

Teilnehmer Thomas Christeleit (Maschinenring) setzt sich im Planspiel engagiert für den Umweltschutz ein. Links im Bild die beiden Mitglieder der Spielleitung: Rudolf Rantzau (Landwirtschaftsministerium) und Katharina Raupach (Umweltministerium). Ganz rechts Eckhard Hüsing.
Bild: G. Wiese

Im Landkreis Rotenburg (Wümme) simulierten verschiedene Akteure anhand eines Planspiels zum Nährstoffüberschuss mögliche Lösungen und Handlungsalternativen für die Praxis.
 
Vor einem Jahr verabschiedete die Bundesregierung die neue Düngeverordnung, um die Zielvorgaben der EU zum Schutz der Gewässer und Umwelt umzusetzen. Doch vor welchen Herausforderungen stehen die Landwirte? Wie verhalten sich Lohnunternehmen, Wasserverbände, Landhändler und weitere Akteure?
 
Mit dem Ziel, den unterschiedlichen Akteuren die Perspektive der jeweils anderen zu eröffnen, führte die agrarwissenschaftliche Fakultät der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit dem Landvolk Niedersachsen, Landwirtschaftskammer Niedersachsen und weiteren Verbänden vom 25. bis 27. Mai an der berufsbildenden Schule in Rotenburg (Wümme) das Planspiel durch. Das Projekt wurde vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium gefördert.

33 Teilnehmer in Gruppen von 3 bis 5 Personen stellten sich der Herausforderung und schlüpften für ein Wochenende in neue zugeloste Rollen: vom Geschäftsführer zum Mitglied im Umweltverband oder vom Mitarbeiter des Wasserversorgungsverbandes zum Inhaber eines Schweinemastbetriebes. Vor Spielbeginn wurden die Teilnehmer an wichtige Grundzüge der neuen Düngeverordnung herangeführt. Dabei wechselten die Spieler nicht nur ihre Position und den Arbeitsplatz, sondern auch Ihren Namen und Lebenslauf, um losgelöst von der eigenen Identität fiktiv aber dennoch realitätsnah agieren und verhandeln zu können. Diese Methode wurde von den Spielern als sehr positiv aufgefasst.
 
Gerd Wülpern Schweinemäster Gerd Wülpern und Agrarstudent Stephan Eckey führten im Planspiel einen fiktiven Milchviehbetrieb, der durch die neue Düngeverordnung vor großen Herausforderungen steht.
Bild: Raupach
Eine kompetente Spielleitung, die sich unter anderem aus Agrarwissenschaftlern der Universität Göttingen, Vertretern des Landvolks, des Umweltministeriums und Umweltschützern zusammensetzte, dokumentierte die Spielzüge. Im Planspiel verhandelten die Gruppen untereinander mit Hilfe einer Internetplattform, denn alle Mitteilungen, Entscheidungen und Handlungen mussten in Schriftform erfolgen. Die Spielleitung kontrollierte die Spielzeuge der Akteure untereinander. Unzulässige Spielzüge wurden zurückgewiesen. Auf diese Weise erlebten die Spieler ihre Handlungsentscheidungen. Bauämter oder andere gesellschaftliche Akteure, die nicht als eigene Gruppe im Planspiel vertreten waren, wurden seitens der Spielleitung ergänzt.
 
Lösungsansätze und Handlungsalternativen einer biologischen Wirtschaftsweise, einer Abstockung des Tierbestandes, einer nährstoffreduzierten Fütterung, Einführung eines Wasserpfennigs oder zusätzlicher Flächenpachten wurden intensiv diskutiert.
 
Nicht immer war die Anpassung an die Regelung der neuen Düngeverordnung einfach. Die Düngebehörde überprüfte Nährstoffbilanzen und stellte bei einem Betrieb erhebliche Überschreitungen der Nährstoffbilanz fest. Über Bewirtschaftungsalternativen verhandelte der Wasserversorger mit den Landwirten.
 
Ein Spieler der im echten Leben als Berater für die Landwirtschaftskammer tätig ist, agierte im Planspiel als Geschäftsführer eines kommunalen Wasserversorgers. „Als einen positiven Nebeneffekt konnten unterschiedliche Kommunikationsstrategien ausprobiert werden, um das Gegenüber von den eigenen zu vertretenden Interessen zu überzeugen “, so der Eindruck des Spielers.
 
„Insgesamt waren die Teilnehmer überrascht von der Komplexität des Themas“, stellt Gerlinde Wiese (Universität Göttingen) fest. Erfolgreiche Phasen und Frust wechselten sich wie im richtigen Leben ab. Am Ende überwog jedoch bei allen Teilnehmern der Spaß, und sie zogen ein sehr positives Fazit von der Veranstaltung. „Neben dem Erkenntnisgewinn über politische Abläufe und Wirkungszusammenhänge zwischen den einzelnen Institutionen, führte die hervorragende Organisation einschließlich Verpflegung zum Erfolg der Veranstaltung“, so der Eindruck eines Teilnehmers.
 
Ein weiteres Planspiel im gleichen Format befindet sich in der Planung.

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