„Das wär das Ende der konventionellen Biokraftstoffe“

Rapsfeld Raps ist nicht nur Rohstoff für die Biokraftstoffproduktion, sondern liefert auch gentechnikfreies Eiweißfutter.
Bild: Neumann

Das EU-Parlament hat gestern (17.01.2018) seine kritische Haltung gegen konventionelle Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse bestätigt. Laut Beschluss zur Neufassung der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (RED II) muss der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor in 2030 mindestens 12 Prozent betragen, wobei 10 Prozent durch Biokraftstoffe aus Rest- und Abfallstoffen zu erbringen sind. Für Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse wie Biodiesel oder Bioethanol bleibt somit ein maximaler Anteil von 2 Prozent.

Absage an Biodiesel und Bioethanol

Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) bewertet den Beschluss als Generalabsage an die Zukunft nachwachsender Rohstoffe. Es sei absurd und für Länder außerhalb der EU alles andere als „vorbildlich“, eine Strategie für erneuerbare Energien praktisch auf Basis von Stroh, Abfallölen und -fetten entwickeln zu wollen.

Die UFOP sieht darin keine Alternative. Das ökonomisch verfügbare Potenzial werde erheblich überschätzt; Investoren für alternative Kraftstoffe seien praktisch nicht vorhanden. Die Pflichtvorgaben würden damit unweigerlich zu entsprechenden Pönalezahlungen in den jeweiligen Mitgliedstaaten führen. Der Verbraucher zahle die Zeche für eine unerfüllbare Zielsetzung.

Ohne nachhaltige und Treibhausgas-optimierte Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse ist das Ziel  von 12 Prozent erneuerbare Energien im Transportsektor bis 2030 nicht zu erreichen, stellt die UFOP fest. Die Politik setze in ihrer Technologiegläubigkeit auf das Prinzip Hoffnung angesichts der erkennbar langsamen Entwicklung alternativer Antriebe und dem noch erforderlichen Aufbau der Infrastruktur.

Auch Ende der Nachhaltigkeitszertifzierung?

Ausdrücklich begrüßt die UFOP, dass Palmöl ab 2021 als Rohstoff für die Biokraftstoffproduktion ausgeschlossen werden soll. Dennoch werde der heimische bzw. europäische Ölsaatenanbau Opfer einer unsäglichen Palmöldiskussion und einer erfolglosen internationalen Umweltschutzpolitik.

Das EU-Parlament hat mit dem Beschluss laut UFOP zugleich das Aus für gesetzlich verankerte Nachhaltigkeitsanforderungen beschlossen, die auch für Drittstaaten auf Basis von der EU-Kommission zugelassener Zertifizierungssysteme verbindlich sind. Für einen verbleibenden Biokraftstoffanteil von nur 2 Prozent sei es wenig sinnvoll, Nachhaltigkeitskriterien und Dokumentationsanforderungen vor allem mit Blick auf Drittlandsimporte weiterzuentwickeln, wie dies der Europäische Rechnungshof in seinem Bericht an die EU-Kommission angemahnt hatte.

Dekarbonisierung im Verkehrssektor schlägt fehl

„Der Beitrag von nur zwei Prozent bei den konventionellen Biokraftstoffen würde eine starke Verringerung des Absatzes bedeuten. Damit reduziert das Parlament völlig unnötig den Beitrag, den Biokraftstoffe zur Dekarbonisierung im Verkehr leisten können“, kritisierte auch Elmar Baumann, Geschäftsführer beim Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).

Das Ergebnis der Abstimmung müsse im weiteren Gesetzgebungsprozess noch deutlich an die wirtschaftlichen und klimapolitischen Realitäten im Verkehrssektor angepasst werden. „Bei aller Euphorie für Elektromobilität und synthetische Kraftstoffe ist es nicht sinnvoll, das Fundament der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor zu zerschlagen und den Absatz von Biokraftstoffen zu halbieren“, sagte Baumann. Herkömmliche Biokraftstoffe stellen derzeit in Deutschland rund 90 Prozent der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor.

Anteil herkömmlicher Biokraftstoffe beibehalten

Baumann forderte, dass die Mitgliedsstaaten im weiteren Gesetzgebungsverfahren die Nutzung herkömmlicher Biokraftstoffe nicht reduzieren, sondern mindestens beibehalten. Europa brauche Biodiesel und Bioethanol zur Minderung des Treibhausgasausstoßes, zur Herstellung des Koppelproduktes Proteinfuttermittel und als Einkommensquelle für die Landwirtschaft.

„Bei Palmöl müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass das Parlament den vollständigen Ausschluss dieses Rohstoffs befürwortet. Die positiven Errungenschaften der Nachhaltigkeitszertifizierung für die Biokraftstoffe gingen damit verloren“, sagte Baumann.

Lesen Sie mehr

4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Reinhard Friedrich · 1.
    Totaler Sieg der NGO und Bioverbände,

    alles wo konventionelle Bauern mit Einkommen erwirtschaften können muss zerstört werden.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Sven Dabelstein · 2.
    Wie ist das gemeint?

    10% oder 1,2%?

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Gerhard Steffek · 3.
    Erfolgreiche Lobbyarbeit?

    fragt sich nur von welcher Seite? Von der Öl- oder der Lebensmittelseite. Die Ölseite ist ja klar, aber die Lebensmittelseite ist hier auch nicht zu vernachlässigen. Fällt die Alternative zu den regenerativen Kraftstoffen weg, so drückt die freiwerdende Fläche doch wieder in erster Linie auf den Lebensmittelmarkt. Irgendwie müssen diese Flächen ja bewirtschaftet werden. Also stellt sich die Frage will die Ölseite nur ihren Absatz sichern, die Lebensmittelseite billige Rohstoffe oder soll der Grundstücksmarkt angefeuert werden, da man allen Flächenverbrauchsreduktionsprogrammen (schönes Wort :-)) zum Trotz Baugrundstücke braucht. Ein Schelm wer schlimmes dabei denkt.

    Das meinen unsere Leser:
  4. von Heinrich Roettger · 4.
    GVO freier Proteinträger Rapsschrot wird Mangelware

    Anstatt argentinische Biodieselimporte zu besteuern, wird die heimische Landwirtschaft weiter belastet und die nachhaltige europäische Ölsaatenproduktion ohne Not geopfert.Wir brauchen die Ölsaaten für unsere vielseitigen und nachhaltigen Fruchtfolgen.

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren