Deutsche Klimaziele rücken immer weiter in die Ferne

Ohne weitere Anstrengungen wird Deutschland sein Klimaschutzziel für 2020 noch stärker verfehlen, als bislang angenommen. Der Ausstoß von Treibhausgasen wird gegenüber 1990 lediglich um 30 bis 31 Prozent statt der anvisierten 40 Prozent zurückgehen. Zu der Einschätzung kommt die Organisation „Agora Energiewende“ in einer aktuellen Analyse.

Für diese haben die Experten die offizielle Prognose der Bundesregierung mit den neusten verfügbaren Daten aktualisiert. In ihrem Projektionsbericht nimmt die Regierung bislang an, dass bis 2020 ein Rückgang von rund 35 Prozent erreicht wird. Das Klimaschutzziel 2020 von minus 40 Prozent beim Treibhausgasausstoß wurde von der Bundesregierung 2007 beschlossen und zuletzt von der Bundeskanzlerin im ARD-Sommerinterview im Juli bestätigt. 

Im Jahr 2016 lagen die klimaschädlichen Emissionen laut Agora um 28 Prozent unter dem Niveau von 1990, die Lücke bis 2020 beträgt gut 150 Millionen Tonnen CO2. Die Bundesregierung geht bislang in ihrem Projektionsbericht noch davon aus, dass die Lücke  durch die bereits beschlossenen Maßnahmen auf 70 Millionen Tonnen CO2 schrumpft.

Tatsächlich dürfte aber, so die Analyse, die Lücke ohne weitere Maßnahmen bei etwa 120 Millionen Tonnen CO2 verharren (-30,5 Prozent). Hierfür gibt es mehrere Ursachen: So sind die Preise für CO2-Emissionsrechte, Heizöl, Diesel, Gas und Benzin niedriger als bislang angenommen. Zudem wachsen Wirtschaft und Bevölkerung stärker als im Projektionsbericht der Bundesregierung prognostiziert. Das führt insgesamt zu einem stärkeren Einsatz fossiler Brennstoffe – etwa in der Kohleverstromung, bei der Gebäudeheizung mit Öl und im Verkehr.

Agora schlägt ein unmittelbar im Koalitionsvertrag verankertes SofortprogrammKlimaschutz 2020“ vor. Dieses müsste von der künftigen Regierung zügig beschlossen und schon im ersten Halbjahr 2018 umgesetzt werden, um noch bis 2020 Wirkung entfalten zu können. „Die nächste Bundesregierung muss ganz schnell nachlegen, um wenigstens in die Nähe ihres vielfach bestätigten Ziels zu kommen“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Ein Scheitern beim Klimaziel 2020 schade nicht nur dem Klima, sondern auch Deutschlands internationaler Rolle.

Die Analyse steht unter www.agora-energiewende.de kostenfrei zum Download zur Verfügung. Sie enthält zahlreiche Abbildungen, aus denen die Entwicklungen in den einzelnen Sektoren hervorgehen.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerhard Steffek · 1.
    Kontraproduktive Aktionen -

    laufen jetzt am "laufenden Band". Das Verbot von Glyphosat wäre kontraproduktiv. 200.000 Tonnen Diesel wurden laut bayrischem Landesamt für Landwirtschaft im Jahr 2015 eingespart durch 5.330 Tonnen Glyphosat. Durch den Einsatz von Diesel beim normalen Pkw wird das für das Klimaziel schädlichere Gas CO2 verringert, bzw. weniger erzeugt. Weshalb "Mutti" immer wieder sagt wir brauchen den Diesel um das Klimaziel zu erreichen. Gabriel hat mit seiner Neugestaltung des EEG die "alternativen Energiesysteme" ausgebremst zugunsten der fossilen Energieerzeuger um seiner "roten Hannelore" in NRW einen Gefallen zu tun und um Schützenhilfe im damaligen Wahlkampf zu leisten. Alles kontraproduktiver Nonsens betrachtet man das Klimaziel, da rächt sich jetzt der Schmusekurs von "Mutti" mit den NGO's und den Roten. Da muss sie jetzt aufpassen, dass ihr dieses Versagen nicht um die Ohren fliegt.

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  2. von Erwin Schmidbauer · 2.
    Fangen wir doch einfach bei den anderen an!

    Solange organisierte Umweltschützer SUV und Porsche fahren, wird es nichts mit den Klimazielen .. Ironie aus

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