Gabriel will Biogasproduktion deutlich einschränken

Mittlerweile ist das Eckpunktepapier von Energieminister Sigmar Gabriel zur EEG-Reform veröffentlicht worden. Vor allem der Biogasbranche dürften die Vorschläge darin nicht schmecken.

Wörtlich heißt es dort zum Ausbau der Biomasse:
 
In Umsetzung des Koalitionsvertrages wird die Förderung überwiegend auf Abfall- und Reststoffe begrenzt. Zu diesem Zweck wird die erhöhte Vergütung für die Einsatzstoffvergütungsklassen I und II, mit denen insbesondere nachwachsende Rohstoffe vergütet wurden, gestrichen.
 
In den letzten Jahren erfolgte der Ausbau der Biogasanlagen zu einem großen Teil durch die Erweiterung bestehender Anlagen, die nach den höheren Fördersätzen des EEG 2009 vergütet werden. Um für die Zukunft einen kosteneffizienten Ausbau sicherzustellen, wird die Erweiterung bestehender Biogasanlagen nur noch nach dem neuen EEG vergütet.
 
Wegen der hohen Kosten der Biogasaufbereitung wird weiterhin der Gasaufbereitungsbonus für Neuanlagen gestrichen. Um den Ausbaupfad einzuhalten, werden die Fördersätze für neue Biogasanlagen stärker abgesenkt, wenn der Biogasausbau eines Jahres über 100 Megawatt liegt. Für bestehende und neue Biogasanlagen wird der Anreiz erhöht, die Stromerzeugung flexibler am Markt auszurichten. Dadurch werden die Gesamtkosten der Biogaserzeugung verringert.

Experten sehen zudem in dem künstlichen Zeitdruck, den Gabriel derzeit aufbaut, ein großes Problem: Das reformierte EEG soll bereits am 9. April vom Kabinett, Ende Juni vom Bundestag und Mitte Juli vom Bundesrat abgesegnet werden. Somit würde kaum Zeit für eine konstruktive Diskussion bleiben.
 
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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von meister1 · 1.
    @ simson09

    Tatsächlich ist es bei mir so, dass eben die Tierhaltung bei uns eine untergeordnete Rolle spielt. Die Biogasanlagen die dann entstanden sind, mussten nicht um jeden Preis zupachten, sondern fahren mindestens genau so gut, indem sie mit Ackerbauern und auch den Tierhaltern kooperieren. Mais wird zum Beispiel von Ackerbauern(wie mir) angebaut, wo das sehr sinnvoll in die Fruchtfolge passt, und dann an die Biogasanlage verkauft. Natürlich hilft man sich auch bei Ernte, als Urlaubsvertretung und bei Bauarbeiten. Die Gülle der Tierhalter findet sinnvolle Verwendung zu einem angemessenen Preis. Ein friedliches Miteinander und Nutzen für alle. Sogar für Anwohner, weil die verstanden haben, dass die stinkende Gülle(und auch eine Menge Mist) verschwunden ist. Natürlich kann dies nur schwer funktionieren, wenn bereits Stall an Stall steht und jeder Hektar unverzichtbar ist(wobei ein Tierhalter selbst schuld ist, wenn er auf die Fläche nicht verzichten kann, dann aber nur Pachtverträge mit kurzen Laufzeiten hatte!). Dort ist dann auch schon vorher das Konkurrenzdenken stärker ausgeprägt gewesen. Allenfalls ist der Politik vorzuwerfen, dass Nawaro-Anlagen damals überall gleich gefördert wurden, ohne auf bestehende Situationen Rücksicht zu nehmen. Und nun zu einem weiteren Irrtum: wenn Deutschland noch mehr überproduziert, helfen wir damit eben keinem einzigen hungernden Menschen! Im Gegenteil, durch unsere Exporte und Hilfsmaßnahmen per Gießkanne oder gar freien Verteilung wird den Kleinbauern in Entwicklungsländern jegliche Wettbewerbsfähigkeit geraubt. Warum sollte man ein Huhn beim Bauern kaufen, wenn man auf dem Markt Restfleisch aus Europa für ein Zehntel nachgeschmissen bekommt? Als Folge brach die althergebracht e Landwirtschaft ein - fatal wenn die Hälfte der Bevölkerung hier Arbeit fand. Unzählige Studien beweisen genau das. Außerdem braucht Biogas auch nicht mehr Fläche als Sportplätze, Golfplätze, Parks usw.

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  2. von preuße · 2.

    Biogas selber ist ja nicht das Problem, sondern dessen Produktion auf rein pflanzlicher basis (Mais). Ursprünglich sollte durch die Vergärung der Gülle Energie gewonnen werden und die Gülle eben durch die Vergärung wie Mineraldünger verwendet werden können. Überwiegend aber wird Biogas aber aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen, eben mit dem Löwenanteil Mais. Und genau hier ist das Problem. Die Biogasvergütung führt aber dazu, das, zumindest gutlaufende Biogasanlagen, einen horenden Pachtzins zahlen können. Um da mithalten zu können, müßte Milch über 50 Cent, Mastschweine über 2,-€ kosten - wovon wir aber bestenfalls träumen können. Hätte man vorher mitgedacht, und die Vergütunmgen für Mais-Biogas entsprechend niedriger angesetzt, hätte man dieses Problem deutlich abgeschwächt. Hinzu kommt nun auch noch die Tatsache, das in den Viehstarken Regionen auch die meisten Biogasanlagen stehen, mithin also eine doppelte Flächenkonkurenz entstanden ist. In meiner Region ist am freien Markt, von Kleinflächen (<1ha) vieleicht mal abgesehen, kein Ackerland unter 1000,-€/ha zu haben. Für beregnungsfähige Gemüseflächen darf man getrost bei 1500,-€ anfangen zu bieten, darunter hats keinen Sinn. Und jeder Biogasbetreiber weiß mitlerweile, das Top-Renditen eben nicht mit Gülle, aber sehrwohl mit Mais zu erzielen sind. Dem Gesetzgeber kann man nur anraten jetzt keine Schnellschüsse zu machen sondern zuallerst mal mit Sachverstand in der vollen Breite zu überlegen - nur sind die menschen, die dazu in der Lage sind, weder in der Politik noch beim Bau des Berliner Flughafens oder der Elbphilharmonie zu finden.....

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  3. von simson09 · 3.
    @ Meister 1

    Ich weiß nicht wo du wohnst,aber bei uns in der Gegend sind die Pachtpreise explodiert seit es die Dinger gibt.Und solange 1 Milliarde Menschen abends hungrig ins Bett gehn ist es eine Schande dass Lebensmittel für Strom verrotten.

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  4. von rbaum · 4.
    Paradox....

    Wenn man die Ergenisse von Kinsey lesen kann, Herr Gabriel, erkennt man ziemlich schnell welchen Schwachsinn die Regierung derzeit wieder fabriziert... Natürlich ist für eine Frau Kraft Braunkohlestrom wichtiger als gesunde Luft, eine Wiederwahl sollte es trotzdem gefährden. Auf Basis der von Rösler (Achtung: woher kennt der sich in Wirtschaft aus?) und Altmeier (wer den wohl füttert?) verbreiteteten schwachsinnigen Diskussionen und falschen Behauptungen wird jetzt erneut Politik gemacht, um den großen 4 die Beschäftigung alter Politiker als Lobbyisten abzusicher? Alleine die behauptung, das Solar und Windkraft der Auslöser für nötige Speicher sind ist völlig abgehoben. Versuchen Sie doch mal ein Brauhnkohlekraftwerk und ein Atomkraftwerk auf die Verbrauchskurven anzupassen, und Sie werden schnell merken, das das noch viel schlechter geht. Alleine die Nichtinanspruchnahme von Speerrzeiten für Elektroheizungen und Wärmepumpen sind bewusste Massnahmen der EVU`s um kleine Stromerzeugungen, nochdazu dezentral und Netzentlastend schlecht zu machen. Leute fangt an nachzudenken... Biogas hat in dieser Beziehung einen extrem wichtigen Platz im Strommix als Steuer und Speierbarer Stromerzeuger bzw. als Gaserzeuger. Die völlig falschen (seit Jahren bekannt) Anreize der Politik haben zur derzeitigen Ausgestaltung geführt. Biogas gehört als Kraftstoff und Gasersatz genutz, sowie als Spitzenlasterzeuger eingesetzt, eine Verstromung über 20 oder 24 Std. am Tag gehört eigentlich verboten. Nur dort hat der Staat bzw. die Verbände der Energieerzeugungsindustrie es fertiggebracht, das genau diese Anlagen mit Auflagen und zusätzlichen Genehmigungen in der Errichtung uninteressant waren und blieben. Also wenn das nicht paradox ist....

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  5. von meister1 · 5.
    Vorsicht

    Nicht die Produktion sondern der Zubau soll deutlich eingeschränkt werden. @ simson09: Die Tierhalter leiden idR. nicht unter Biogas sondern unter der hohen Viehdichte. Ganz selten werden Viehhalter in vieharmen Regionen durch Biogas verdrängt. Im Gegenteil, man kann sogar vielfältig profitieren (Gülle vergären, Futterreste loswerden, Wärme beziehen, Stoffkreisläufe schließen, Maschinen gemeinsam nutzen...). Das setzt natürlich Kooperationsbereitschaft voraus, und eben nicht ständig übereinander schimpfen!

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  6. von simson09 · 6.
    Na Gott sei Dank

    Nur schade ,das so viele Tierhalter darunter leiden mußten.

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