Gibt es in zehn Jahren noch Biogasanlagen?

Hinrich Neumann, top agrar-Redakteur im Ressort "Neue Energie".
Bild: M. Neumann

„Die Politik verhält sich doppeldeutig, weil sie auf globaler Ebene immer ambitionierte Ziele verabschiedet, aber diesen globalen Zielen bei der nationalen Umsetzung nicht folgt“, kritisierte der Klimaexperte Oliver Geden vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg kürzlich in der Süddeutschen Zeitung. Damit nimmt er Bezug auf den jüngsten Bericht des„Weltklimarats“ (IPCC).

Geden trifft den Nagel auf den Kopf. Sehr plastisch lässt sich das Thema am Beispiel Biogas festmachen. Seit dem Jahr 2012 ist die einst als wichtige Klimaschutzsäule bezeichnete Technologie auf dem absteigenden Ast. Schnell hat die Branche nach dem abrupten Stopp beim Bau von neuen Anlagen die zweite Chance ergriffen und mit dem Umbau auf die bedarfsgerechte Stromerzeugung begonnen. Viele Landwirte haben noch einmal Millionen investiert und die Anlage für die Zukunft fit gemacht.

Doch die Politik ignoriert diese Anstrengungen. Nur halbherzig hat sie mit dem Ausschreibungssystem eine Möglichkeit geschaffen, um den umgerüsteten Anlagen einen Weiterbetrieb zu ermöglichen. Das ist aber nicht etwa ein Arbeitsbeschaffungsprogramm: Die modernen Anlagen können sicher Strom liefern zu Zeiten, an denen kein Wind weht und keine Sonne scheint. Zudem leisten sie mit der Vergärung von Gülle oder der Verwertung von Greening-Aufwüchsen wichtige Beiträge zum Klima- und Artenschutz in der Landwirtschaft.

Doch ein Blick auf das Ergebnis der jüngsten Biomasse-Ausschreibungsrunde zeigt: Die Anlagenbetreiber sind skeptisch bezüglich der Zukunftsaussichten, sie agieren vorsichtig und verzichten größtenteils auf eine Laufzeitverlängerung. Und wer sich an der Bieterrunde beteiligt hat, geht auf Nummer sicher und reduziert die Leistung, anstatt die Anlage aufzurüsten.

Den Landwirten ist das nicht zu verdenken. Viel zu viele Lasten hat ihnen die Politik in den letzten Jahren aufgebürdet wie zuletzt mit der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) oder der Düngeverordnung. Hochrechnungen zeigen, dass im Jahr 2030 weniger als ein Fünftel der heutigen Biogasleistung am Netz sein wird, wenn diese Entwicklung so weiter geht. Wie die Politik die Klimaziele nach Kohle- und Atomausstieg schaffen will, bleibt schleierhaft.

Es gibt viele gute Gründe für den Erhalt der Biogasbranche und sogar einen gemäßigten Ausbau. Daher sollte die Branche jetzt zumindest den noch frischen IPCC-Bericht nutzen, um schnell mehr Bewusstsein in der Politik zu schaffen.

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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Albert Maier · 1.
    Nein!

    Nahrungsmittel müssen billig bleiben!

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  2. von Wolfgang Rühmkorf · 2.

    Wird so kommen wie seinerzeit bei der Pflanzenöltechnologie.

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  3. von Bernd Croonenbroek · 3.
    Stromausfall

    Die Politik kommt erst zum Denken wenn wir mal einen Zusammenbruch der Stromnetze haben, aber dann ist es zu spät !!! Dann kommen auch die zum nachdenken die jetzt den Daumen nach unten zeigen !!!

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  4. von Jens Geveke · 4.
    Es wird noch viele Biogasanlagen geben, aber sie werden anders aussehen...

    Richtig ist, dass wir als Biogasbranche unsere Stärken noch mehr nutzen müssen. Als für Solaranlagen 2004 48ct Vergütung gezahlt wurde, dachten wir, dass wir dauerhaft günstigen Strom liefern können. Jetzt sind wir die teuersten. Dennoch gibt es eine große Menge an Reststoffen, Futterresten, Gülle, Aufwuchs von Greeningflächen, sinnvolle Fruchtfolgebestandteile usw. die immer anfallen werden. Und eine Nutzung zur Biomethangewinnung macht dann Sinn, denn abgebaut wird die Biomasse ohnehin, ob aerob ohne Energiegewinn oder anaerob mit Energiegewinn. Biomethan kann aber vielfälltig genutzt werden, nicht nur zur Stromgewinnung. Nimmt man das fossile Erdgas mal gedanklich aus dem Netz heraus (Pariser Klimaabkommen ab 2050), dann sieht es da ziemlich leer aus. Ich denke da wird ein Markt auf uns zurollen. Das Knowhow im Bereich Biogas ist jetzt aufgebaut worden. Es kann natürlich sein, dass es noch ein paar Jahre dauert, bis sich der Biomethanmarkt entwickelt, aber er wird kommen. Die Politik ist daher gut beraten, der Biogasbranche Chancen zu geben, das Knowhow, die Firmen und vor allem die Anlagen zu erhalten und auch weiter entwickeln zu können. Wir als Biogasanlagenbetreiber müssen uns allerdings auch bewegen und über den Strom-Tellerrand schauen und der Politik neue Wege aufzeigen.

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  5. von Heinrich Roettger · 5.
    Die Aussagen müssen deutlich unterstrichen werden

    Erneuerbare Energien als Spielball der Politik.Eine nachhaltige Politik und Strategie ist nicht erkennbar. Unsere landwirtschaftlichen Familienbetriebe sind die Leidtragenden und verhalten sich vorsichtig abwartend.

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  6. von Hans Nagl · 6.
    Falscher Ansatz

    Entscheidend ist der Getreidepreis liegt er bei 150 € oder 250 oder mehr in 10 Jahren.

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