Wie aus Reststoffen Fasern und Dünger werden

Wissenschaftler arbeiten an immer besseren Lösungen, um aus dem meist flüssigen Gärrest vermarktungsfähige Düngemittel herzustellen.
Bild: Neumann

In der vergangenen Woche trafen sich rund 80 Experten in Leipzig, um sich im Rahmen des Fachseminars „Gärprodukte im Wandel der Zeit“ über die Perspektiven der Biogastechnologie auszutauschen. Nachdem sich in den letzten Jahren die Rahmenbedingungen für die Stromerlöse aus Biogasanlagen verschlechtert haben, arbeitet die Vergärungswirtschaft vor allem an Konzepten zur Vermarktung der Gärprodukte.

Besonders vielversprechend sind Aufbereitungstechnologien, die aus dem meist flüssigen Gärprodukt der Biogasanlagen vermarktungsfähige Düngemittel herstellen. Zwar werden auch heute schon fast die gesamten 82 Mio.t der in Deutschland anfallenden Gärprodukte als organische Dünger in der Landwirtschaft verwendet - allerdings können diese nicht immer so zielgerichtet eingesetzt werden wie Mineraldünger

Perspektivisch sollen aus dem Gärprodukt, das eine Mischung der klassischen Pflanzennährstoffe liefert, Einzelprodukte erzeugt werden. Hierzu stellte Dr. Jennifer Bilbao vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart die vielversprechenden Ergebnisse aus der Anwendung eines Verfahrens zur Rückgewinnung von Phosphor und Stickstoff aus flüssigen Gärprodukten vor. Das Verfahren wird derzeit auf einer Biogasanlage in der Nähe von Kupferzell erprobt und könnte in den nächsten Jahren Marktreife erlangen. 

Ein weiteres interessantes Projekt erläuterte Velina Denydenko vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ). In einem Forschungsverbund aus Wirtschaftsunternehmen und Wissenschaftlern werden hier die Potenziale für die stoffliche Nutzung von Faserstoffen aus Gärprodukten untersucht. Ziel des Projektes ist es, das Potenzial der Nutzung von Fasern aus Gärprodukten für den Einsatz in Spanplatten festzustellen. Dabei wurde als grundlegendes Nachhaltigkeitskriterium festgelegt, dass der Erhalt des Humusgehalts in den Böden der Anbauflächen auch bei der Entnahme von Strukturmaterial aus dem Gärprodukt sichergestellt ist. Auch hier konnten vielversprechende Potenziale ermittelt werden und damit eine weitere interessante Vermarktungschance für die Biogasbranche identifiziert. 

Der Vorsitzende der Gütegemeinschaft Gärprodukte e.V. (GGG), Thomas Karle, fasste die Vorträge und Diskussionen der Tagung so zusammen: „Gerade die Betreiber von Abfallbiogasanlagen waren schon immer sehr flexibel bei der Bewältigung von Herausforderungen. Die Tagung zeigt wieder einmal, dass wir auch jetzt, wo die Biogasbranche viel Gegenwind spürt, Ansätze finden, die Verantwortung für ein nachhaltiges Wirtschaften nachzuweisen. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit den in der Branche entwickelten Innovationen sehr bald die gesellschaftliche Akzeptanz für unsere faszinierende Technologie zurückgewinnen werden“.

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