NRW fordert umfassendes Gutachten zum Fracking

Bauern und Anwohner in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind aufgeschreckt. In vielen Regionen stecken Ölkonzerne gerade Claims ab und beginnen nach Erdgas zu suchen. Zahlreiche Anträge liegen den Behörden vor. Sollten sie fündig werden und künftig Gas fördern, pumpen die Firmen mit Hochdruck giftige Flüssigkeiten in den Boden, um so undurchlässige Gesteinsschichten zu knacken, in denen Erdgas enthalten ist (Fracking). Zurückbleiben kann stark verseuchtes Trinkwasser in den Fördergebieten, wie Beispiele aus den USA zeigen.

Für die Politik ist das alles noch Neuland. Es gibt offenbar Streit darüber, wie damit zu verfahren ist und welche Vorgaben gemacht werden müssen. NRW handelt nun und hat europaweit ein Gutachten zur „unkonventionellen Erdgasgewinnung“ ausgeschrieben. „Die Landesregierung erwartet von dem Gutachten eine umfassende Grundlage für den weiteren politischen und administrativen Entscheidungsprozess“, sagte Umweltminister Johannes Remmel.

In dem Gutachten werden laut dem Minister die Grundlagen der Aufsuchung, Exploration und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten sowie eine Einschätzung der hierdurch möglicherweise entstehenden Gefährdungen dargestellt und beschrieben. Aber auch die Erfahrungen aus stattfindenden oder bereits stattgefundenen Explorations- und Gewinnungstätigkeiten insbesondere in den USA sollen einbezogen werden. Bis zum Sommer 2012 soll das Gutachten laut Ausschreibungsunterlagen vorliegen und als Grundlage für Genehmigungsbehörden dienen.

Niedersachsens Wirtschaftsminister lehnt Umweltprüfung bei Fracking ab

Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) lehnt laut dem WDR hingegen systematische Umweltprüfungen für Gasbohrungen in tiefem Gestein ab, wie sie die NRW-Regierung in einer Bundesratsinitiative vorsieht.
 
Bodes Ministerium verweist nach einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" in einem Schreiben an die Bundesministerien für Wirtschaft und Umwelt darauf, dass Fracking in Niedersachsen erstmals vor 35 Jahren eingesetzt und bis heute in 250 Projekten problemlos angewendet worden sei. (ad)


Weitere Informationen:
Umstrittene Gasförderung: Gibt es Streit innerhalb der Bundesregierung? (1.8.2011)

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