1000 Schweine mehr: Landwirt als Massentierhalter am Pranger

Plakat gegen Massentierhaltung Geschmackloses Plakat der Bürgerinitiative: Keiner der Kritiker hat mit dem Landwirt gesprochen oder sich seine Ställe angesehen. Vorurteile dominieren diese Auseiandersetzung!
„Idylle statt Gülle und keine Schweinereien in Hoisdorf“: Unter diesem Motto hat sich im schleswig-holsteinischen Hoisdorf eine „Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung“ gebildet. Anlass ist der geplante Schweinestall von Jörg Elbers. Der 54-Jährige möchte von 400 um gut 1000 Schweine aufstocken. Seit Wochen schlagen nun die Wellen hoch.

"Ich war im Urlaub, als die ganze Sache losgetreten wurde“, sagte Elbers dem Hamburger Abendblatt. "Bis heute ist niemand von den Bürgern auf mich zugekommen und hat gefragt, wie ich arbeite, was meine Pläne sind." Stattdessen werde er verunglimpft. "Alle tun so, als wenn ich meine Tiere quälen würde und als ob sie wüssten, wie es im Stall aussieht." Er kümmere sich um seine Schweine, sehe sofort, wenn es einem nicht gut gehe, wenn es krank sei. Elbers nimmt an QS teil.

Beim Stichwort Krankheit kommt unweigerlich die Frage nach Antibiotika auf. "Ich habe seit vier Wochen neue Jungtiere", sagt Elbers, "zwei davon musste ich bisher mit Medikamenten behandeln. Antibiotika habe ich bei diesen Tieren bis jetzt gar nicht eingesetzt." Das Problem sei der schlechte Ruf der Schweinemast. "Es ist sozusagen eine Produktion hinter verschlossenen Türen. Das erzeugt Vorbehalte." Mit den schwarzen Schafen, die es zweifelsfrei gebe, möchte er nicht in eine Ecke gestellt werden.

Auch dem Vorwurf, dass die Gülle den Boden zu stark belaste, widerspricht der Schweinebauer. Alle sechs Jahre müsse er Bodenproben machen lassen. "2014 waren alle Werte normal", sagt Elbers. Das werde sich auch in Zukunft nicht ändern. Er habe genug Ackerfläche für die anfallende Gülle, das müsse er auch beweisen. "Es gibt Verordnungen, die das alles regeln."

„Der Massentierhalter bläst Keime in die Luft!“

Die Gegner wollen das offenbar nicht hören. Bei einer „Infoveranstaltung“ am Montag trugen sie allerhand Vorwürfe vor. Im Kleingedruckten ist die Quelle zu lesen: „Die Rache aus dem Stall“, der umstrittene ZEIT-Artikel!

Laut der Bürgerinitiative bedrohen multiresistente Keime die Kinder und die eigene Gesundheit. Dazu nennen sie folgende „Fakten“, wir zitieren:

  • Deutschland ist quasi Europameister in der Produktion und dem Export von Schweinefleisch und Vizeweltmeister im Export von Schweinefleisch, es wird sogar nach China exportiert, das heißt die Inlandversorgung ist mehr als gesichert.

  • Wie allgemein bekannt begünstigt Massentierhaltung die Entwicklung multiresistenter Keime, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft, so dass relativ leichte Erkrankungen wie beispielsweise Schnittwunden schon zum Tode führen können.

  • Laut Statistiken sterben in Europa nachweislich Zehntausende Menschen pro Jahr an multiresistenten Keimen und in Deutschland allein deutlich mehr als im Straßenverkehr.

  • Keime, die durch die Abluft aus diesen Anlagen und durch ausgebrachte Gülle ins Freie gelangen, stellen nicht nur eine erhebliche Umwelt- bzw. Geruchsbelastung dar und verunreinigen unser Grundwasser, sondern bilden eine erhebliche Gesundheitsgefährdung für unser in Hauptwindrichtung liegendes Dorf.

  • Selbst die "Große Koalition" hat erkannt, dass die heutige Schweinehaltung tierschutzrelevant ist und sieht daher eine Änderung im Koalitionsvertrag vor, d. h. es ist abzusehen, dass derartige Anlagen zukünftig ohnehin in der derzeit üblichen Form nicht mehr betrieben werden dürfen.

Elbers ist fassungslos. Für einen Dialog mit einzelnen Bürgern sei er jederzeit bereit. "Aber ich lasse mich nicht von einer Gruppe zerfleischen", sagt er. Er wolle sich auch nicht vorschreiben lassen, wie er zu arbeiten habe. Er spielt damit auf die Idee der Bürgerinitiative an, einen Biohof aufzuziehen. "So eine Umstellung wäre ein großes finanzielles Risiko. Wenn das schiefgehen würde, könnte ich einpacken." Er müsse schließlich eine Familie ernähren. Konventionell sei nicht gleich schlecht, sagt Elbers.

Vor längerer Zeit habe er einer Frau im Gespräch ihre Vorurteile nehmen können. "Ich weiß aber nicht, ob eine sachliche Auseinandersetzung mit den Bürgern jetzt noch möglich ist. Ich hoffe es."

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15 Leserkommentare Kommentieren

  1. von vario0_3 · 1.
    schorse77 hat RECHT

    Wenn der nicht bauen darf hört der auf!!!!!!!!! Und das Risiko auf Bio umzustellen übernimmt keiner von der BI. Oder wurde der Betrieb schon von ein paar CDU-Größen aufgeteilt, wie der meine???

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  2. von schorse77 · 2.
    oh man

    Wenn die Schlaumeier vom AbL glauben das man durch Hetzen,Ausgrenzung und Diffamierung einzelner Landwirte die bäuerliche Landwirtschaft retten zu können , dann sind sie ganz schön auf den Holzweg. Wenn dieser Betrieb auf kurz oder lang nicht die geplante Erweiterung vornimmt wird es wohl möglich einer der nächsten Betriebe sein der aufgibt. So rettet man die bäuerliche Landwirtschaft nicht schlauer AbL, so beschleunigen Sie nur deren Niedergang und die Produktionsverlagerung hin zu Großinvestoren außerhalb Deutschlands...

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  3. von Doris Peitinger · 3.
    Geht es um Bauern oder um die Befeuerung der Produktion???

    Ach ja, für was sollte ich mich bitte schämen? Weil ich gesagt habe, dass es ein Dorfkonflikt sein könnte? Was im nachhinein bestätigt wurde. Weil ich gesagt habe, dass man Insiderwissen braucht, da es auch andere Aussagen gibt? Weil ich gesagt habe, dass der Landwirt in einen gesättigten Markt hineinproduziert? Da geben einige Schreiberlinge vor, für Bauern einzutreten. Wenn sie jedes Mal so losschreien würden, wenn ein Betrieb aufgibt, weil der Preis nicht mehr tragbar ist, hätten sie viel zu tun. Machen sie aber nicht, Denn es geht in der Realität nicht um Bauern, und um diesen schon gar nicht. Es geht rein darum, dass die Produktion befeuert werden muss. Und deshalb wird jedem beiseite gesprungen, der dies vor hat. Dass dadurch wieder der Preis gedrückt wird, ist ja aus Sicht der Herren nicht wichtig. Wieso erinnern mich derlei Aktionen so stark an einen Falschnamenträger, der laut herumtönte: "wir müssen produzieren" - und sich dann als Vertreter von Nordmilch herausstellte? Ich denke, schämen sollten sich ganz andere!

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  4. von bananenbaer · 4.
    @griem und schorse77,...

    ... vielen Dank für die detaillierte Darstellung der Situation. Genau so, bzw. ähnlich haben wir und befreundete Landwirtsfamilien es auch schon erlebt. Man hat das Gefühl das man, obwohl man sich an geltendes Recht hält, sich dieses regelrecht erstreiten muss. BIs und Anwohner versuchen ihr (nicht rechtmäßiges) Anliegen durch psychischen Druck durchzusetzen. Argumente, Gesprächsangebote und good will helfen da nicht weiter. Gezieltes Mobbing und Ausgrenzung der Familie wird auch praktiziert. Muss man schon ein dickes Fell haben. Wir wünschen der Familie Elbers alles Gute und Erfolg bei ihrem Vorhaben. Es ist zu hoffen dass Bauernverband und Freunde Rückhalt und Unterstützung bieten. Unsere AbL-Schreiber sollen sich schämen.

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  5. von schorse77 · 5.
    AbL und ihre Schreiber hier

    Schon peinlich was eine der beiden Haupt-Schreiber hier wieder zum besten gibt. Vorallem wenn man dann die genaue Situationsbeschreibung von "griem" liest. Eine ganz klare Distanzierung vom AbL und ihrem Sympathisanten muss es geben! Die sind nur an einem gegeneinander interessiert und da muss man sich drauf einstellen!

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  6. von griem · 6.
    Alles Taktik

    Ich bin Landwirt in Hoisdorf, habe hier 37 Jahre Schweine gehalten und bin mit J. Elbers befreundet. Elbers will/muss Aussiedeln und u. a. 1460 Mastplätze bauen. Nachdem die Bauvoranfrage mit Immissionsgutachten eingereicht wurde, trat die CDU mit falschen Angaben zu Abständen und Güllemengen die Kampagne los. (www.cdu-hoisdorf.de > Downloads > Infoblatt 05/2014 und 09/2014 ) Nach Protesten von Bauern und Bauernverband übergab die CDU die Sache in private Hände und zog sich zurück. Es wurden Unterschriften gesammelt und kürzlich eine Bürgerinitiative gegründet, die mit o. g. Flugblatt und der Aussage: "Schweinehaltung = Menschen sterben" die Bürger in Panik versetzte. Bei einer Gemeinderatssitzung erschienen gut 200 Bürger (alles Sympathiesanten ???). Der Bürgermeister wurde mit provokanten und polemischen Fragen überschüttet und rechtfertigte sich mit dem Hinweis, dass die Gemeindevertreter sich an geltende Gesetze zu halten haben. Das wollte die BI nicht einsehen. Die Taktik ist offensichtlich: Die Bürger werden durch Polemik in Panik (multiresistente Keime) versetzt. Gegenargumente ( Veröffentlichung des Bundesinstitutes für Risikobewertung vom 18.Nov. 2014, siehe top agrar 01/2015 > MRSA: Fakten statt Panikmache) werden Ignoriert. Da geltendes Recht der BI nicht weiterhilft, sollen Landwirt und Gemeindevertreter, die zu Ihm halten, unter psychischen Druck gesetzt werden, bis sie mit den Nerven am Ende sind. Das hat in Köthel ( 15 km entfernt ) auch schon mal geklappt. Wie begegnet man dem? Sachliche Argumente und der Hinweis, dass Schweinehalter jahrzehntelange Stallarbeit überlebt haben, helfen da kaum. Es gibt viele Bürger, die auf Seiten von Jörg Elbers stehen. Aber wie aktiviert man sie, wie stellt man fest, wie viele auf der einen oder der anderen Seite stehen? Wir sind ratlos.......

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  7. von Slowfoot · 7.
    nicht...

    "nicht in den Weg stellen", natürlic

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  8. von Slowfoot · 8.
    richtig, der Betrieb trifft mit seinem Vorhaben

    zu 100% den Gedanken der bäuerlichen, familiären, flächengebundenen Landwirtschaft. Für das Bauvorhaben gelten die Vorgaben des Baurechts bei deren Einhaltung ihm die Baugenehmigung nicht verwehrt werden kann. Abstände, Dichtigkeit, Ausbringungszeiträume, Düngevorgaben sind genau vorgegeben. Ich gehe fest davon aus, das auch die Abl zu ihrem Wort steht und jegliche Unterstützung gewähren wird. Landesminister werden sich auch dem Grünen Bauernvermehrungs-Anton in den Weg stellen! Zu einer Pro bäuerlichen Dorfumzingelungsdemo mit Claudia Roth wird es doch hoffentlich nicht kommen müssen?

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  9. von kbvdemmin · 9.

    Warum wird landwirtschaftlicher Export immer negativ belastet? Es sollte uns (und auch den Bürger) doch freuen,wenn unsere Produkte mit hoher Qualität und unter hohen Umwelt- und Sozialstandards weltweit Nachfrage und Anerkennung finden! dabei ist Deutschland aus landw. Sicht vielfach Gunststandort! Export in anderen (Industrie-)Branchen wird hingegen nicht hinterfragt: da ist man stolz drauf. Verrückte (oder unwissende) Welt... ?

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  10. von Doris Peitinger · 10.
    Dorfkonflikt?

    Wer dies hier liest, für den sieht die Sache komplett anders aus: http://www.abendblatt.de/region/stormarn/article136631004/Neue-Initiative-gegen-Schweinemast-hat-sich-gegruendet.html Anscheinend ist der Landwirt nicht gesprächsbereit. Auch die CDU ist gegen das Bauverfahren. Zukünfige Anwohner ( der Hof wil aussiedeln) befürchten Geruchsbelästigung etc., ein Tierarzt ist ebenfalls bei der BI, von Fachwissen ist demnach auszugehen. Ich bin ebenso wenig vor Ort, wie vermutlich irgendein anderer hier. Aber kann es nicht sein, dass ein Dorfkonflikt hier bewußt hochgekocht werden soll? Der Landwirt versucht, über die landwirtschaftlichen Medien diesen Bau zu erzwingen? Dass er denkt, dass seine Eigeninteressen über denen mehrerer anderer Dorfbewohner liegt? Ich denke, dass hier ohne Insiderwissen keine Stellung bezogen werden kann.Nebenbei bezweifle ich, dass er mit dieser Flucht nach vorne tatsächlich eine stabile Grundlage für seinen Sohn schafft-da sprechen die Preise dagegen auf einem mehr als gesättigten Markt.

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  11. von lürade · 11.
    Und sollte Familie Elbers nach vielen Mühen eine Baugenehmigung bekommen,

    geht das Leiden erst richtig los ! Dann klagen die Liebhaber der AbL,Nabu und BUND.Denen haben die von uns gewählten Politiker das Klagerecht auf dem Tablett serviert. Und ruck-zuck ist Her Elbers 65 und der Hofübernehmer schon über alle Berge. Folge : Die Rechten vermehren sich rasant, aber zu Recht !

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  12. von elinge · 12.
    Wenn jemand

    merkt das ein Bauernhof stinkt und statt 400 Schweine auf einmal 1000 halten will ist das für Ottonormalbürger (manche nennen diese Menschen Gutmenschen) ein Riesengroßer Stall. Das unsere Normalität schon bei 2500 Schweinen und mehr als Zukunfsbetrieb gilt Trendes weiter stark steigend sind "Betriebsfremden" Normalbürger nicht ohne weiters zu erklären!!! Auserdem ließt und hört man das es da Monsterbakterien geben kann. Das erklärte mir auch gestern erst ein Rentner dem ich öfters begene und manchmal über Gott und die Welt rede. Ein Erklärungsversuch meinerseits ist da glaube ich nicht durchgekommen. Ich glaube das der arme Bauer da ein tonangebender Mitbürger zum Gegner hat.

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  13. von bananenbaer · 13.
    @schlaumeier + hans-nagl,...

    ... über den allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Rahmen zu diskutieren ist das eine, eine Familie an den Pranger zu stellen das andere. Wenn die Allgemeinheit beschließt dass der Neubau von Ställen nicht erwünscht ist dann sollen auf demokratischem rechtstaatlichem Wege Gesetze erlassen werden. Wenn aufgekratzte Leute wie ein Mittelalterlicher Mob auf eine Familie losgeht, diese verunglimpft, aufgrund des obigen Plakates quasi als Mörder darstellt sind rechtstaatliche Grenzen überschritten. Das ist widerwärtig und niedrig. Wenn ich mal die gesetzten Punkte rekapituliere: Der Betrieb ist familiengeführt, hat genügend Fläche, also bodengebundene Tierhaltung und möchte auf 1400 Plätzen Schweine mästen, dann fällt er zu 100% in die Zielvorstellung der AbL. Hier wäre der Zeitpunkt für unsere AbL-Funktionäre sich mal zu positionieren und sich vor die Landwirtsfamilie zu stellen. (...)

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  14. von Hans-Nagl · 14.
    Nachdenken!

    Es ist ein Problem für uns Landwirte geworden das der Verbraucher (Kunde) die moderne Produktionsweise nicht akzeptiert. Da bringt es auch nichts über die AbL zu lästern. Wie heist ein alter Spruch "wos nichts kost is nigs wert " .Vielleicht ist auch der erste punkt zu überdenken. "Deutschland ist quasi Europameister in der Produktion und dem Export von Schweinefleisch und Vizeweltmeister im Export von Schweinefleisch, es wird sogar nach China exportiert, das heißt die Inlandversorgung ist mehr als gesichert". Nachdenken ist nie falsch...

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  15. von schlaumeier · 15.
    Warum

    haben wir die Deutungshoheit verloren und es können ständig massive Lügen und mehr in die Welt gesetzt werden ohne dass etwas dagegen gesetzt wird? Die grüne Demagogie funktioniert sehr gut. An Glaubwürdigkeit gewinnt sie unter anderem weil sog. bäuerliche Arbeitsgemeinschaften mit auf die Strasse geht gegen ihre Berufskollegen. Für mich ist immer noch nicht verständlich, warum man sich nicht eindeutig von diesen paar AbLern (ca. 1000 Mitglieder) distanziert und den fachlichen Diskurs auf breiter Front mit ihnen sucht? Kuscheln hat ja anscheinend nicht geholfen, ganz im Gegenteil!!!

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